Boom & Bust: Fed auf Abwegen

kolumneBoom & Bust: Fed auf Abwegen

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Wegen der mauen Konjunktur erwägt die US-Notenbank Fed, noch mehr Staatsanleihen anzukaufen und die Zinsen nach unten zu drücken. Eine ganz schlechte Idee.

Die Spannung war groß, als sich die US-Notenbanker in der vergangenen Woche zu ihren Beratungen trafen. Denn die amerikanische Wirtschaft wächst nur noch langsam, und die Angst vor Deflation geht um. Die Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke versicherten daher, sie seien bereit, die Wirtschaft „wenn nötig zusätzlich zu unterstützen“. Was damit gemeint ist, hatte Bernanke schon vor wenigen Wochen deutlich gemacht: der milliardenschwere Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank.

Bereits nach der Lehman-Pleite hatte die Fed Anleihen und Hypothekenpapiere im Wert von 1,725 Billionen Dollar gekauft und Zentralbankgeld ins Bankensystem gepumpt (siehe Grafik). Nach Ansicht von Experten könnte ein neues Ankaufprogramm eine Billion Dollar betragen. Ziel der Fed ist es, die Effektivzinsen am Kapitalmarkt nach unten zu drücken und den Konsum sowie die Investitionen anzukurbeln.

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Zerstörtes Vertrauen

Ob das gelingt, ist fraglich. Zwar haben die Bondkäufe nach der Lehman-Pleite laut Berechnungen der Fed von New York die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen um 50 bis 82 Basispunkte nach unten gedrückt. Doch das war nicht zuletzt der Erleichterungsrally zu verdanken, die damals einsetzte. Eine ähnliche Wirkung dürfte diesmal ausbleiben, denn die Weltwirtschaft steht nicht mehr am Rande eines Kollaps.

Die Analysten von UniCredit rechnen daher damit, dass erneute Bondkäufe die Renditen um allenfalls 25 Basispunkte senken. Es ist zu bezweifeln, dass dies den Konsum und die Investitionen ankurbelt. Die privaten Haushalte sind bis über beide Ohren verschuldet; ihre Bereitschaft, weiter auf Pump zu kaufen, tendiert gegen null, mögen die Zinsen noch so niedrig sein. Die kleinen und mittleren Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, weil die Absatzaussichten im Inland ungünstig sind und sie ihre Maschinen nicht ordentlich auslasten können.

Niedrigere Zinsen ändern daran nichts. So ist die Gefahr groß, dass zusätzliche Anleihekäufe der Fed konjunkturell ins Leere laufen. Schlimmer noch: Sie machen die Finanzierung des Staatshaushalts durch die Notenbank zum Normalfall. Das zerstört das Vertrauen in die Währung. Die Devisenmärkte haben darauf bereits reagiert – und den Dollar-Kurs auf Talfahrt geschickt.

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