Boom & Bust: Griechenland-Rettung zugunsten der Banken

kolumneBoom & Bust: Griechenland-Rettung zugunsten der Banken

Bild vergrößern

WirtschaftsWoche-Redakteur Konrad Handschuch

Kolumne von Konrad Handschuch

Die Notkredite an Griechenland verhindern auch den Ausbruch einer neuen deutschen Bankenkrise. Einmal mehr entpuppt sich der Finanzsektor für den Steuerzahler als Fass ohne Boden.

In Deutschland müssen Arbeitnehmer künftig auch deshalb bis 67 arbeiten und Steuern zahlen, um griechischen Staatsdienern, die mit 50 in die Rente gegangen sind, weiterhin ihre üppigen Pensionen zu bezahlen.

Für die Griechen ist das der angenehme Nebeneffekt eines Dilemmas, in das sich die deutsche Politik an ganz anderer Stelle hineinmanövriert hat: Die Bundesregierung müsse den griechischen Staatshaushalt schon deshalb mitfinanzieren, lautet ein weitverbreitetes Argument, weil sie den von der Finanzkrise gebeutelten deutschen Banken den nach allen Regeln eigentlich längst fälligen Verzicht auf Teile ihrer Forderungen nicht zumuten will, von denen bemerkenswert viele dem staatlichen Sektor zuzurechnen sind.

Anzeige

Immerhin halten die deutschen Banken Forderungen gegenüber Griechenland in Höhe von 45 Milliarden Euro in den Büchern. Müssten sie diesen Wert drastisch nach unten korrigieren, wäre es nicht nur um die zuletzt schönen Gewinne geschehen, manche müssten sich wohl unter die Fittiche des staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) flüchten. Wie schon bei der Finanzkrise nimmt die Bundesregierung den Steuerzahler in die Pflicht, um Unheil vom Bankensektor abzuwenden.

Renditen zweijähriger Staatsanleihen von Griechenland

Renditen zweijähriger Staatsanleihen von Griechenland

Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet ganz offensichtlich damit, die aktuelle Direkthilfe zugunsten der Griechen sei günstiger, als die Folgen einer weiteren Krise im Bankensektor auszubaden. Doch das ist ein kurzsichtiges Argument. Denn die Risiken, für die der Staat zum Schutz der Banken den Steuerzahler in die Pflicht nimmt, werden immer größer. Schon schießen sich die Finanzmärkte auch auf portugiesische und spanische Bonds ein. Die Risikoaufschläge für diese Papiere schnellten Mitte vergangener Woche deutlich in die Höhe. Nach dem Präzedenzfall Griechenland wird es für den deutschen Steuerzahler zum Schrecken ohne Ende, sollten auch Portugal, Spanien oder gar Italien in ernste Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Schon jetzt gibt es keinen vernünftigen Grund, dem Steuerzahler das Risiko der griechischen Kredite an den Hals zu hängen. Deren Staatspleite ist nur aufgeschoben – nicht aufgehoben, über kurz oder lang müssen auch die Banken Haare lassen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%