Boom & Bust: Tanken gegen den Bürgerkrieg

kolumneBoom & Bust: Tanken gegen den Bürgerkrieg

Bild vergrößern

WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne von Bert Losse

Die Rohstoffpreise haben kräftig nach unten korrigiert. Aber zumindest der gesunkene Ölpreis dürfte nicht von Dauer sein – viele Ölstaaten brauchen Geld.. Warum der Ölpreis politisch ist.

Die Fahrt zur Zapfsäule war in den vergangenen Tagen für Autofahrer etwas weniger trostlos als in den Wochen zuvor. Diesel etwa kostete gut fünf Cent weniger als in der Vorwoche; damit folgte der Spritpreis den gesunkenen Ölnotierungen. Manche Auguren hoffen nun, dass die Preis-Hausse vorerst gestoppt ist.

Dafür spricht, dass die Internationale Energieagentur 2011 mit einem langsameren Anstieg der Ölnachfrage rechnet und die US-Lagerbestände zuletzt um 3,8 Millionen Barrel zulegten. Wenn Ende Juni das Programm der US-Notenbank zum Ankauf von Staatsanleihen ausläuft, könnte zudem infolge sinkender Liquidität weniger spekulatives Kapital in die Rohstoffmärkte fließen. Auch dass die Rohstoffbörse in Chicago jetzt die Sicherheitsleistungen für Rohölkontrakte angehoben hat, dürfte die Lust der Spekulanten dämpfen.

Anzeige

Preisschwankungen nehmen zu

Ölpreis je Barrel

Ölpreis je Barrel

Doch Vorsicht! Dass sich der Ölpreis zuletzt nach unten bewegte, ist kein stabiler Trend, sondern vielmehr Zeichen für die wachsende Volatilität am Markt. Die Rohstoffanalysten der Commerzbank etwa gehen davon aus, dass sich die „Ölpreise langfristig auf einem höheren Niveau etablieren“ – und zunehmend spielen dabei innenpolitische Gründe in den Förderstaaten eine Rolle. Angesichts der anhaltenden Unruhen in der arabischen Welt versuchen viele Staaten derzeit, die Unzufriedenheit und das revolutionäre Potenzial im Land mit Geld zu ersticken.

Sie brauchen schlicht mehr Einnahmen, um die sozialen Wohltaten und Infrastrukturprojekte zu bezahlen, die sie ihrer Bevölkerung als Beruhigungspillen versprochen haben. Allein Saudi-Arabien hat Ausgabenprogramme im Umfang von 130 Milliarden Dollar aufgelegt, unter anderem für Arbeitslosenhilfen und höhere Löhne im öffentlichen Dienst. Setzt sich das derzeitige Ausgabenwachstum fort, benötigt das Wüstenreich 2015 laut Schätzung des Beratungsunternehmens Pira einen Ölpreis von 140 Dollar, damit der Haushalt nicht aus dem Ruder läuft. Folglich drohen Gegenmaßnahmen des von den Saudis dominierten Förderkartells Opec, wenn die Öleinnahmen nicht mehr kräftig genug sprudeln. Experten rechnen mittlerweile bereits mit Produktionskürzungen, wenn der Ölpreis unter 90 Dollar fällt. Bisher lag die Grenze bei 70 bis 80 Dollar.

Mit dem Dollar schwindet das Geld

Auch der Dollar-Kurs spielt eine Rolle: Weil die Öleinnahmen in Dollar anfallen, reduziert ein schwächerer Greenback die Vermögensposition der Förderstaaten; dies lässt sich nur durch höhere Preise kompensieren.

Anders ausgedrückt: Autofahrer sollten jetzt noch mal schnell volltanken.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%