Boom & Bust: Verzweifelte Eingriffe

kolumneBoom & Bust: Verzweifelte Eingriffe

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Die Interventionen der japanischen Notenbank am Devisenmarkt werden den Aufwärtstrend des Yen nicht stoppen. Stattdessen könnten sie zu Konflikten mit den USA und Europa führen.

Am vergangenen Mittwoch war es so weit. Erstmals seit sechs Jahren intervenierte die Bank von Japan (BoJ) wieder am Devisenmarkt. Mit massiven Verkäufen von Yen gegen US-Dollar versuchten die Währungshüter den monatelangen Aufwärtstrend des Yen zu stoppen. Experten schätzen, dass dabei mehr als 20 Milliarden US-Dollar im Spiel gewesen sind. Die Märkte reagierten prompt. Binnen Minuten schoss der Dollar-Yen-Kurs, der zuvor unter die Marke von 83 Yen gefallen war, in die Höhe. Am Donnerstag kostete ein Dollar 85,8 Yen. Zuvor hatten Regierung und Notenbank verzweifelt versucht, mit verbalen Attacken den Yen zu schwächen. Vergeblich. Der Wechselkurs setzte seine Kletterpartie unbeeindruckt fort. Die Exportwirtschaft, die um ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit fürchtet, setzte die Regierung unter Druck, endlich gegen den starken Yen vorzugehen. Daher dürften den Interventionen vom vergangenen Mittwoch bald weitere folgen.

Alleine kann eine Zentralbank kaum etwas bewirken

Ob diese den Aufwärtstrend des Yen nachhaltig stoppen, ist jedoch fraglich. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Interventionen am Devisenmarkt nur Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie mehrere Bedingungen erfüllen. Erstens müssen die großen Notenbanken gemeinsam am Markt intervenieren, allein kann eine Zentralbank kaum etwas bewirken. So machten die Dollar-Käufe der BoJ gerade mal 3,5 Prozent des gesamten täglichen Dollar-Yen-Handels aus, den die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf rund 568 Milliarden Dollar schätzt. Dass die Europäische Zentralbank oder die US-Notenbank Fed der BoJ unter die Arme greifen und ebenfalls Yen verkaufen, ist unwahrscheinlich. Denn weder Europa noch die USA haben ein Interesse an einem schwachen Yen, der ihren Exporteuren das Leben erschweren würde. Setzt die BoJ ihre Interventionen fort, könnte es daher zu Spannungen mit den USA und Europa kommen.

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Zweitens müssen Interventionen durch entsprechende Zinssignale begleitet werden, um erfolgreich zu sein. Angesichts eines Leitzinses von nahe null Prozent ist jedoch nicht zu erkennen, wie die BoJ ein Zinssignal für einen schwächeren Yen geben könnte.

Drittens können Notenbanken den Markttrend nur drehen, wenn sie die fundamentalen Faktoren auf ihrer Seite haben. Das ist nicht der Fall. Die Stärke des Yen rührt vor allem aus den Leistungsbilanzüberschüssen Japans. Im vergangenen Jahr belief sich der Aktivsaldo auf 144 Milliarden Dollar (2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts). Die Deflation, die die Exporte verbilligt, verstärkt diese Tendenz noch. Erst wenn sich daran etwas ändert, wird auch der Wechselkurstrend drehen.

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