Brasiliens Präsident Temer bleibt im Amt

Brasilien: Präsident Temer bleibt im Amt

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Brasiliens Präsident Michel Temer.

Trotz Bestechungsvorwürfen und sinkender Umfragewerte hält sich Präsident Temer im Amt. Im brasilianischen Unterhaus kommt keine Zweitdrittelmehrheit gegen ihn zustande - ein mögliches Gerichtsverfahren bleibt aus.

Der brasilianische Präsident Michel Temer bleibt im Amt. Er überstand am Mittwochabend (Ortszeit) ein Votum im Unterhaus und entging damit einer Suspendierung wegen Bestechungsvorwürfen. Stunden nach dem Beginn der Abstimmung hatte er genügend Unterstützer gesammelt, um sich auf seinem Posten zu halten - schlussendlich stimmten 263 für ihn und 227 gegen ihn. In der Kammer sitzen insgesamt 513 Mitglieder, die restlichen Stimmen waren Enthaltungen oder die Stimmberechtigten waren nicht anwesend.

Die Opposition hatte vergeblich versucht, das Votum zu verzögern - schon vorab ein Hinweis darauf, dass sie vermutlich nicht genügend Unterstützung für Temers Suspendierung bekommen würde. Sie hätte eine Zweitdrittelmehrheit oder 342 Stimmen gebraucht, um in dem Fall voranzuschreiten. Wäre Temer vorläufig vom Amt freigestellt worden, hätten die Vorwürfe vor Gericht verhandelt werden können. Das höchste Gericht des Landes hatte den Antrag gestellt, dass die entsprechende Anklage genehmigt wird.

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Die Abstimmung wurde von dem einflussreichen Netzwerk Globo übertragen - jeder Abgeordneter wurde angekündigt und gab sein Votum einzeln ab. Im Vergleich zu Temers Gegnern zeigten sich seine Unterstützer wenig redebedürftig. Alle 513 Mitglieder müssen sich im kommenden Jahr zur Wiederwahl stellen. Die Beliebtheitswerte des Präsidenten sind im Keller: Laut jüngsten Umfrage liegt er nur noch bei fünf Prozent Unterstützung in der Bevölkerung.

Korruptionsvorwürfe Temer-Skandal belastet Brasiliens Börse

Staatspräsident Michel Temer soll persönlich dabei mitgewirkt haben, einen gefährlichen Mitwisser in einem Korruptionsfall zum Schweigen zu bringen. Die Proteste gegen Temer nehmen zu, Brasiliens Börsenkurse fallen.

Brasiliens Präsident Michel Temer ist seit 2016 im Amt - und läuft bereits Gefahr, über eine Bestechungsaffäre zu stolpern. Quelle: REUTERS

Ende Juni hatte der Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot Anschuldigungen gegen Temer wegen Bestechung erhoben. Er soll vom Fleischkonzern JBS Gelder in Höhe von rund zwölf Millionen Dollar angenommen haben. Weil die Vorwürfe den amtierenden Präsidenten betreffen, war die Abstimmung unter Abgeordneten nötig.

Auch wenn das Votum siegreich für Temer ausfiel, ist ein Ende seiner juristischen Schwierigkeiten nicht in Sicht. Es wird damit gerechnet, dass Janot noch weitere Vorwürfe gegen Temer erhebt, wodurch es Ende August noch eine weitere Abstimmung über eine Suspendierung Temers im Abgeordnetenhaus geben könnte.

Seit der Amtsübernahme vor etwas mehr als einem Jahr stolpert seine Regierung von Skandal zu Skandal. Trotzdem hat sie es geschafft, einige umstrittene Gesetzesvorhaben durchzubringen, darunter eine Lockerung von Arbeitsgesetzen und Rentenkürzungen. Die ambitionierten Wirtschaftsreformpläne, die von brasilianischen Unternehmen unterstützt werden, haben dem 76-Jährigen letztlich geholfen, bislang im Amt zu bleiben.

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