Brexit-Gegnerin Jo Cox: Arbeitsloser Gärtner muss sich wegen Mordes verantworten

Brexit-Gegnerin Jo Cox: Arbeitsloser Gärtner muss sich wegen Mordes verantworten

, aktualisiert 14. November 2016, 16:19 Uhr
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Die Politikerin hatte sich für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union eingesetzt.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine Woche vor dem Brexit-Referendum wurde die Labour-Abgeordnete Jo Cox umgebracht. Jetzt hat der Prozess gegen den Verdächtigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem politisch motivierten Verbrechen aus.

LondonVor dem Londoner Strafgericht Old Baileys hat der Prozess wegen der Ermordung der britischen Abgeordnete und Brexit-Gegnerin Jo Cox begonnen. Angeklagt ist der 53-jährige arbeitslose Gärtner Thomas M.. Der Mord geschah am 16. Juni – genau eine Woche vor dem historischen EU-Referendum. Die Staatsanwaltschaft geht von einem politisch motivierten Verbrechen aus. Die 41 Jahre alte Cox hatte sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark gemacht.

Das Verfahren begann am Montag zunächst mit der Auswahl der Geschworenen. Der Richter forderte die zwölf Geschworenen auf, sich nicht durch die Medien beeinflussen zu lassen. Sie sollten während des vermutlich dreiwöchigen Prozesses etwa nicht im Internet über den Fall recherchieren.

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Die Ermordung hatte Großbritannien seinerzeit schockiert. Cox war während einer Bürger-Sprechstunde in ihrem Wahlkreis in der Nähe von Leeds attackiert worden. Der Angreifer soll „Britain first“ (Großbritannien zuerst) gerufen haben, er habe mehrere Schüsse abgegeben und auf sein Opfer eingestochen.

Bei einer ersten gerichtlichen Vernehmung sagte der Angeklagte auf die Frage, wie er heiße: „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien“. Die Untersuchungsrichterin hatte bereits vorher geraten, einen Psychiater hinzuzuziehen.

Die Polizei ging eigenen Angaben zufolge Hinweisen nach, dass der Angeklagte früher Kontakte zu einer Nazigruppe in den USA sowie zu einer Rassistenorganisation in Südafrika hatte. Andere Hinweise deuteten dagegen darauf hin, dass es sich bei ihm um einen Einzelgänger und eine verwirrte Person handeln dürfte.

Der Brexit-Wahlkampf war nach dem Mord an Cox vorübergehend ausgesetzt worden. Es gab Vorwürfe, die aufgeheizte Stimmung habe die Tat begünstigt. Führende Politiker riefen zur Mäßigung auf, es dürfe keinen Hass und keine Ausgrenzung in der politischen Debatte geben.

Cox hatte sich vor allem auch für die Rechte von Flüchtlingen eingesetzt - der Kampf gegen Migranten war damals ein Hauptthema im Brexit-Wahlkampf. Bei dem historischen Referendum Ende Juni votierten die Briten mit fast 52 Prozent, aus der Europäischen Gemeinschaft auszutreten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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