Briten vs. EU: Offene Beziehung oder Scheidung?

Briten vs. EU: Offene Beziehung oder Scheidung?

, aktualisiert 11. Dezember 2011, 17:02 Uhr
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Britische Zeitungen.

Quelle:Handelsblatt Online

Aus Europas Hauptstädten schallt Großbritanniens Premier Cameron heftige Kritik entgegen. Daheim wird er als „Eiserner Held“ gefeiert. Wollen die Briten eine offenere Beziehung zur EU oder steht die Scheidung kurz bevor?

LondonFür Neuankömmlinge in Großbritannien kann es verwirrend sein, wenn der Nachbar erzählt, er fahre im Urlaub nach „Europe“. Europa? Sind wir da nicht schon? Im Alltagsenglisch wird mit „Europe“ gerne all das bezeichnet, was „auf dem Kontinent“ liegt - also eben nicht das Vereinigte Königreich selber. Und damit ist die über die Jahrhunderte geprägte, komplizierte Beziehung zwischen den Insulanern und der anderen Seite des Ärmelkanals bestens in Worte gefasst.

„Niemand ist eine Insel“, schrieb der englische Dichter und Metaphysiker John Donne im 17. Jahrhundert. „Jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlands.“ Wirklich? In einer immer stärker globalisierten, zusammenwachsenden Welt scheint die Option der einsamen Insel vielen Briten plötzlich gar nicht mehr so bedrohlich.

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Während die Entscheidung von Premierminister David Cameron, beim EU-Gipfel eine einheitliche Lösung für mehr Haushaltsdisziplin und Kontrolle zu blockieren, in Europas Hauptstädten geschockt hat, sieht es Daheim anders aus. Zwar schlagen Cameron auch dort Protestwogen entgegen, und die pro-europäischen Koalitionspartner von den Liberaldemokraten bekommen so langsam den Mut, sich zu wehren. Insgesamt scheint hat die Krise des Euro Großbritanniens Wunsch nach Distanz zu Brüssel noch zu verstärken. Statt einer Ehe scheint eine offene Beziehung ein Modell der Zukunft zu sein.

Es werde enorm schwierig werden, die Haushaltsdisziplin und den politischen Zusammenhalt zwischen 23 oder mehr EU-Ländern zu garantieren, sagt der Direktor der renommierten Denkfabrik Chatham House in London, Robin Niblett, voraus. Vor allem die gigantischen Unterschiede bei der Wettbewerbsfähigkeit ständen dabei im Weg. „Es ist derzeit vielleicht gar nicht so schlecht für Großbritannien, am Rande davon zu bleiben.“

Großbritanniens Wirtschaft braucht Europa. Das bestreitet auch Cameron nicht. Aber die Angst, irgendwann tatsächlich alleine dazustehen, wirkt nicht besonders ausgeprägt.


Briten stehen hinter Cameron

Eine Umfrage für die konservative Zeitung „Mail on Sunday“ ergab, dass rund 62 Prozent der Briten hinter Camerons Entscheidung für mehr Distanz zu Brüssel stehen. 48 Prozent wollen einen Ausstieg aus der EU. Zwar ist das Skandalblatt als enorm europakritisch bekannt, doch auch aus moderateren Kreisen wird nicht gerade mehr Europa gefordert. Selbst Oppositions-Chef Ed Miliband von der sozialdemokratischen Labour-Partei hatte Cameron am Freitag vor allem katastrophale Fehler bei den Verhandlungen und mangelndes Fingerspitzengefühl vorgeworfen.

Cameron hat aus Parteiinteressen gehandelt und es den Europagegnern in den eigenen Reihen Recht gemacht. Die linksliberale Zeitung „The Guardian“ argumentierte am Sonntag, für einen Schutz der Arbeitsplätze im Londoner Finanzdistrikt sei ein solch radikales Verhalten absolut nicht nötig gewesen. Dafür droht dem Premier jetzt ein riskanter Koalitionsstreit, denn am Sonntag schlug Liberaldemokratenchef Nick Clegg erstmals zurück.

Er sei „bitter enttäuscht“ und fürchte, Großbritannien werde in Europa isoliert und an den Rand gedrängt, sagte Clegg. Er werde sich mit Händen und Füßen gegen eine noch stärkere Trennung von Brüssel wehren, kündigte er an. Dass die Koalition mitten in einer Zeit strenger Sparmaßnahmen und großer wirtschaftlicher Probleme gehalten werden muss, ist aber natürlich auch ihm klar.

Außenminister William Hague ist bemüht, Dramatik aus der Situation zu nehmen. „Wir sind nicht an den Rand gedrängt, das kann ich ihnen versichern“, sagte er am Sonntag dem Sender Sky News. „Unsere Zustimmung ist in der EU bei zahlreichen anderen Entscheidungen wichtig, die in den kommenden Monaten anstehen.“ Man arbeite in Fragen der Außenpolitik und des Binnenmarktes eng zusammen: „Und das wird auch so bleiben.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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