Britisches Pfund unter Druck: Hedgefonds als Alibi für Politikversagen

KommentarBritisches Pfund unter Druck: Hedgefonds als Alibi für Politikversagen

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Das britische Pfund: Im Visier der Spekulanten

von Martin Gerth

Nach dem Euro haben Hedgefonds mit dem britischen Pfund ein neues Spekulationsopfer gefunden. Angesichts der dramatischen Haushaltslage in Großbritannien wetten sie auf ein schwächeres Pfund. Bereits 1992 setzte der miliardenschwere Hedgefondsgründer George gegen die britische Währung - und gewann. Damals wie heute waren einige Spekulanten Nutznießer der Währungsschwäche aber nicht die Auslöser.

Nachdem Hedgefonds wegen des griechischen Schuldendesasters gegen den Euro wetteten, haben sie mit dem britischen Pfund ein neues Opfer gefunden. Sie setzen darauf, dass die Regierung um Premier Gordon Brown die finanzielle Lage des Landes massiv geschönt hat. Die Fakten sprechen eher für ein schwaches als für ein starkes Pfund: Inzwischen ist das Haushaltsdefizit der Briten auf 12,6 Prozent des BIP angewachsen. Nur Island und Griechenland haben noch mehr Schulden angehäuft.

Die derzeitige Lage erinnert an 1992, als Hegdefonds-Gründer George Soros erfolgreich gegen das britische Pfund wettete. Auch wenn Soros damals sein Image als böser Spekulant einmal mehr bestätigte, der eigentlich Schuldige war die britische Regierung, die es versäumte hatte, die eigene Währung rechtzeitig abzuwerten. Soros hatte lediglich das Marktungleichgewicht ausgenutzt.

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Unsolide Haushaltspolitik

Jetzt wo das britische Pfund wieder schwächelt, tauchen Gerüchte von einer neuen Verschwörung der Hedgefonds aus. Die Versäumnisse der politisch Verantwortlichen in Großbritannien treten dabei in den Hintergrund – ganz im Sinne von Gordon Brown, der derzeit Wahlkampf macht. Es ist nicht verwunderlich, wenn nach den Schummeleien der Griechen beim Euro-Beitritt, jetzt das Pfund unter die Räder kommt, wo Zweifel an der Zuverlässigkeit der britischen Haushaltspolitik aufkommen.

Zudem werden der Einfluss und die Cleverness der Hedgefonds bei Währungsspekulationen häufig überschätzt. Im Januar und Februar büßten sogenannte Makro-Fonds, die auf volkswirtschaftliche Trends darunter auch Währungsschwankungen wetten, laut US-Branchendienst Hegde Fund Research im Schnitt ein Prozent an Wert ein. Sie konnten also den Absturz des Euro von 1,45 Dollar Mitte Januar auf derzeit 1,36 Dollar gar nicht in Performance ummünzen. 

Es liegt der Verdacht nahe, dass die Politiker die Aktivitäten der Hedgefonds als willkommenes Alibi für eigenes Versagen nutzen. Nicht sie, sondern die bösen Spekulanten seien schuld. Dabei sind Soros und andere Investoren nicht für das Schuldendesaster der europäischen Staaten verantwortlich.

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