Buch "Stresstest": Geithner und wie er die Welt sah

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Buch "Stresstest": Geithner und wie er die Welt sah

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Timothy Geithner hat zu Beginn der Finanzkrise auch in Europa die Strippen gezogen

von Frank Doll

Als Präsident der New Yorker Federal Reserve und US-Finanzminister war Timothy Geithner eine zentrale Figur bei der Rettung der Wall Street. Sein Buch "Stresstest" dient der Legendenbildung in eigener Sache.

Sechs Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise ist erstmals ein Buch aus der Feder eines der damals politischen Verantwortlichen erschienen: „Stresstest“ von Timothy Geithner.

Geithner war bis Januar 2009 Präsident der Federal Reserve Bank von New York und damit eine zentrale Figur bei der Rettung der amerikanischen Investmentbanken. Sheila Blair, Vorsitzende des US-Einlagensicherungsfonds, hat Geithner einmal als den „Bailouter in Chief“ bezeichnet.

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Von der New Yorker Fed wechselte Geithner auf den Posten des US-Finanzministers und war in dieser Funktion 2009 unter anderem für das mehr als 800 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket verantwortlich. Das Amt des Finanzministers bekleidete er bis Januar 2013.

Auf Kollisionskurs

Während der Euro-Krise reiste Geithner mehrfach nach Europa und drängte vehement auf größere Rettungsfonds- und Schutzschirme. Diese Haltung brachte ihn auf Kollisionskurs mit der Bundesregierung. Während Geithner auf schuldenfinanzierte Ausgabenprogramme zur Ankurbelung der Konjunktur setzte, empfahl die Bundesregierung die schnelle fiskalische Sanierung. Geithner forderte den Bail-out von Banken und Regierungen, die deutsche Seite sah darin das Fehlverhalten belohnt und fürchtete als Folge weitere Krisen.

Der frühere US-Finanzminister Timothy Geithner hat nach eigenen Angaben auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2010 seinen Rücktritt erwogen. Quelle: AP

Der frühere US-Finanzminister Timothy Geithner hat nach eigenen Angaben auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2010 seinen Rücktritt erwogen.

Bild: AP

Das Buch ist aus der Perspektive eines amerikanischen Politikers geschrieben und dient vor allem der Rechtfertigung des eigenen Handelns. Eine Einordnung der Ereignisse und Maßnahmen bleibt Geithner dem Leser schuldig. Dazu fehlt Geithner das ökonomische Verständnis. Eine Schwäche, die er mit Ben Bernanke, dem damaligen Chef der US-Notenbank teilt („subprime is contained“).

Bis zu seiner Tätigkeit bei der New Yorker Fed hatte Geithner nie in der Finanzbranche oder in der Wirtschaft gearbeitet, abgesehen von einem Kurzauftritt beim Beratungsunternehmen Kissinger Associates. Wie Bernanke hat auch Geithner weder die Hypothekenkrise kommen sehen noch deren Gefahrenpotenzial erkannt.

Das gibt er in seinem Buch auch zu. Er verzichtete deshalb darauf, von den von ihm beaufsichtigen Banken Kapitalerhöhungen zu verlangen. Weder er noch seine Mitarbeiter hatten einen derart desaströsen Krisenverlauf erwartet.

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Geithners wohl größte Fehleinschätzung leistete er sich bei der Citigroup, wo der ehemalige US-Finanzminister Robert Rubin inzwischen im Direktorium saß. Citigroup hatte mehr als 1000 Milliarden Dollar an Risikopositionen außerhalb der Bilanz versteckt und benötigte mehrere staatliche Rettungsaktionen. In seinem Buch gibt Geithner lapidar zu: „It wasn`t as well capitalized as we thought“ und „Bob Rubin´s presence at Citi surely tempered my skeptiscism“.

Geithners Grundthese: Die Bankenrettung 2008/2009, die Konjunkturpakete und das Öffnen der Geldschleusen durch die Fed hätten eine jahrelange Depression verhindert.

Das kann man glauben oder auch nicht. Um historische Vergleiche und Einordnungen bemüht sich Geithner erst gar nicht. Dabei gibt es in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte gleich mehrere große Finanz- und Wirtschaftskrisen mit unterschiedlichen Lösungsansätzen – mit und ohne Beteiligung von Staat und Notenbank.

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