Buch über Obama: Schützenhilfe von Big Bill

Buch über Obama: Schützenhilfe von Big Bill

, aktualisiert 09. November 2011, 06:49 Uhr
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Trotz einiger kritischer Tönen verteidigt Bill Clinton (rechts) die Politik seines Nach-Nachfolgers Barack Obama.

von Markus ZienerQuelle:Handelsblatt Online

In seinem neuen Buch kritisiert Bill Clinton Präsident Obama ein wenig – und gibt ihm viel Rückendeckung. Der frühere Präsident hat außerdem noch ein paar Tipps, wie das ökonomische Schlammassel überwunden werden kann.

WashingtonZweimal Kritik an der Politik seines Nach-Nachfolgers Barack Obama genügte, um dem neuen Buch von Ex-Präsident Bill Clinton die Aufmerksamkeit der Medien zu garantieren. Obama habe versäumt, frühzeitig die Schuldenobergrenze zu erhöhen als dazu noch die politischen Mehrheiten vorhanden waren. Und im Kongresswahlkampf 2010 fehlte Obama die politische Botschaft. Doch wer glaubt, Bill Clinton rechnet nach rund drei Jahren der Präsidentschaft von Obama mit diesem ab, der irrt sich gewaltig.

Das Buch von Bill Clinton mit dem Titel „Back to Work“, das heute in den USA erschienen ist, liest sich vor allem als Unterstützung der Politik des gegenwärtigen Präsidenten. Und was dabei als Kritik daherkommt sind im Grunde nur eher väterliche Ratschläge des 65-Jährigen Clinton gegenüber dem 50-Jährigen Obama. Die Botschaft von „Back to Work“ ist klar: Obama ist im Kern auf dem richtigen Weg. Und die Dinge würden wohl besser laufen, wären da und dort nicht ein paar handwerkliche Fehler passiert. Allerdings: Mit der Blockadepolitik durch die Tea Party, einer fragmentierten republikanischen Partei und dem Erbe der Rekordschulden ist es auch nicht unbedingt einfach, erfolgreich zu regieren.

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Auf knapp 200 Seiten philosophiert Clinton über die gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA und phasenweise liest sich das Werk wie ein zu Papier gebrachter Redeauftritt. Denn auch bei seinen öffentlichen Auftritten lässt sich Clinton gerne von einem Thema zum nächsten tragen. Dann schmückt er seine Ausführungen mit Anekdoten, kommt dabei gelegentlich ziemlich vom Weg ab, aber vermittelt dem Zuhörer am Ende das Gefühl, dass Clinton einfach weiß, wie und warum alles mit allem zusammenhängt. „Eigentlich sind es mehrere Bücher in einem“ schreibt daher auch die „New York Times“ über „Back to Work“. Das macht es aber auch interessant, weil es am Ende eben mehr ist als nur eine Sammlung kluger Gedanken.


Plädoyer für starken Staat

Ganz gegen den Trend plädiert Clinton dabei für einen starken Staat, der angesichts der heraufziehenden Herausforderungen gut gerüstet sein müsse. Die demographische Entwicklung mit einer alternden Gesellschaft und den Belastungen für das Sozialbudget sei dabei eines der größten Probleme, das sich eben nicht durch einen Rückzug des Staates lösen lasse, sagt Clinton. Um die Regierung handlungsfähig zu erhalten, müsse zwar kräftig gespart werden, damit Washington nicht unter der Schuldenlast zusammenbreche. Doch zumindest in der Zukunft müssten die Vermögenden in den USA mehr schultern, sprich: höhere Steuern zahlen, damit Gestaltungsraum bleibt.

Das klingt nicht viel anders als das, was Obama will. Aber Clinton sagt auch: Dies alles funktioniert nur dann, wenn es endlich wieder Wachstum gibt. Ein Wachstum, wie es während seiner Präsidentschaft durchgängig acht Jahre lang der Fall war. Daran erinnert Clinton auch und wenn man solche Reminiszenzen liest, dann mag man gar nicht glauben, dass diese goldenen Zeiten nur gerade mal ein Dutzend Jahre zurückliegen. Es muss ein anderes Amerika gewesen sein, über das Bill Clinton seinerzeit präsidierte.

Doch so ganz zufällig ist es dann doch nicht, dass der Ex-Präsident ein Jahr vor den nächsten Wahlen dieses Buch präsentiert. Denn wenig verhohlen sagt Clinton mit dieser Schrift auch, dass er nicht wirklich zufrieden ist, wie die gegenwärtige Regierung ihre Politik verkauft. Eine richtige Politik, wie Clinton meint, die jedoch den Wählern viel zu defensiv erklärt werde. Das eben sei auch der Grund gewesen, warum die Kongresswahlen 2010 für die Demokraten so desaströs endeten. Denn während die Republikaner den Menschen einbläuten, dass Obama ein schuldenmachender Sozialist sei, hätten dem die Demokraten zu wenig entgegenzusetzen gehabt.

Clinton spart in „Back to Work“ aber auch nicht mit ganz praktischen Handreichungen, wie der aktuelle ökonomische Schlammassel zu überwinden sei. Manche Vorschläge, wie die Hilfen für Hypothekenschuldner, die Schaffung von Investitionsanreizen oder die verbesserte Anwerbung von hochbegabten ausländischen Wissenschaftlern, sind nicht neu. Andere, wie etwa die Idee, das deutsche Modell zu kopieren, das hochqualitative Produkte hervorbringt und bei dem auch kleinere und mittlere Firmen exportieren, lesen sich zumindest gut. Manchmal, so beschleicht es den Leser, dürfte Clinton beim Verfassen seiner Sätze aber vielleicht doch ganz froh gewesen sein, dass er es nicht mehr ist, der durch all die Mühen der Ebene durch muss. Aufschreiben ist doch deutlich einfacher.

Quelle:  Handelsblatt Online
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