Buchrezension Joseph Nye: Gibt es einen Krieg zwischen den USA und China?

Buchrezension Joseph Nye: Gibt es einen Krieg zwischen den USA und China?

, aktualisiert 17. Dezember 2011, 10:03 Uhr
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Wie werden sich die Beziehungen zwischen USA und China entwickeln?

von Thorsten GierschQuelle:Handelsblatt Online

Die USA sind das mächtigste Land der Welt – noch. Denn vor allem China holt mit großen Schritten auf. Doch kann das Land der Mitte die USA wirklich einholen und wird es Kämpfe um die Macht geben?

DüsseldorfDas wird Barack Obama nicht gerne hören: „Die USA müssen lernen, wieder eine intelligente Macht zu sein.“ Dieser Satz stammt aus dem Buch „The Future of Power “ von Joseph Nye. Es hat in den USA für großes Aufsehen gesorgt und ist nun auch auf Deutsch erschienen.

Joseph Nye ist Professor an der Kennedy School of Government in Harvard, war früher aber auch selbst Politiker, zum Beispiel als stellvertretender Verteidigungsminister in der Clinton-Regierung. Sein Buch „Soft Power“ wurde 2004 zum Welthit.

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Die Ideen des international höchst angesehenen Politologen werden sehr ernst genommen – und seine Kritik auch. Seine These: Wenn die USA nicht erheblich an Macht einbüßen wollen, müssen sie ihre Politik ändern.

Zwar hat noch nie ein Land so große Macht gehabt wie die USA im Moment. Aber offenkundig ist, dass Länder wie China enorm aufholen – wirtschaftlich wie politisch. Auch wenn die USA das mächtigste Land der Welt bleiben werden: Für Nye steht eindeutig fest, dass die Vereinigten Staaten Partner brauchen, um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern zu können. Sie können nicht aus eigener Kraft Frieden und Wohlstand bewahren.

Zudem müssen die USA die richtige Strategie finden zwischen harter und weicher Macht. Und diese Strategie sollte ihr Hauptaugenmerk auf folgende fünf Herausforderungen richten:

Nyes Empfehlung lautet stark verkürzt: Die USA müssen harte und weiche Macht besser kombinieren und geschickter einsetzen. Damit ist nicht der Unterschied zwischen Militär und Diplomie gemeint: Unter „harter“ Macht versteht Nye, wenn ein Staat mit Zuckerbrot und Peitsche operiert. Mit „weicher“ Macht meint er, wenn man auf Überzeugungsart und Attraktion setzt. Einen Flugzeugträger kann man also mit harter und mit weicher Macht einsetzen


Netzwerke sind das wichtigste Element der Macht

Wie die ideale Strategie im Detail lautet, das erklärt er auf 384 Seiten in seinem höchst lesenswerten Buch. Dazu gehört auch die umfangreiche Antwort auf die Frage, was „Macht“ eigentlich ist. Und vor allem, wie man Macht auch in Zukunft noch erwerben kann. Denn die Zeiten haben sich geändert und auch die Möglichkeiten, Macht dazu zu gewinnen. Ein wichtiges Stichwort lautet Cybermacht, also das riesige Potenzial, dass das Internet mit sich bringt. Übrigens kommt Nye hier zu dem Schluss, dass Cyberattacken für Terroristen einen „deutlich geringeren Nutzwert“ haben als physische Attacken. Denn sie jagen potenziellen Opfern nur bedingt einen Schrecken ein.

Schon heute und in der Zukunft noch viel mehr sind Netzwerke das wichtigste Element strukturierter Macht. Dazu gehört auch eine geschickte Art der Kommunikation: „Ergebnisse politischen Handelns hängen nicht mehr in ersten Linie davon ab, wessen Streitkräfte den Krieg gewinnen, sondern wessen Story am besten ankommt“, schreibt Nye. Der Krieg gegen den Terror könne nur in den Nachrichtenredaktionen gewonnen werden.

Ein eigenes Kapitel bekommt auch die Wirtschaftsmacht. Ein durchaus kompliziertes Thema mit vielen gegenseitigen Abhängigkeiten. Das gilt beim Thema Rohstoffe, aber auch beim Anleihekauf (USA/China).

Grundsätzlich hänge Macht immer vom Kontext ab. Es gibt Schüler, die spielen in den Pausen das große Wort und erniedrigen die Kameraden, kriegen aber im Unterricht die Zähne nicht auseinander.

Machtverschiebungen hat es in den vergangenen Jahrhunderten zuhauf gegeben. Im Gegensatz zu diesem alten Phänomen gibt es aber auch ein rech neuartiges: Die Diffusion von Macht. Damit ist gemeint, dass immer mehr Dinge passieren, die außerhalb der Kontrolle selbst der mächtigsten Staaten liegen.

Es tummeln sich immer mehr kleine Akteure auf der Weltbühne. Regierungen haben weniger Kontrolle über die politische Agenda, Macht wird in Zukunft immer breiter verteilt sein. Aber wenn die Geschichte eines lehrt: Das muss nicht zwingend ein Nachteil für die Menschen sein.

 

Bibliografie:

Joseph Nye
Macht im 21 Jahrhundert. Politische Strategien für ein neues Zeitalter
Siedler Verlag, München 2011
384 Seiten

Quelle:  Handelsblatt Online
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