Bürgerkrieg in Syrien : Ab Mitternacht herrscht Waffenruhe in Aleppo

Bürgerkrieg in Syrien : Ab Mitternacht herrscht Waffenruhe in Aleppo

, aktualisiert 04. Mai 2016, 20:13 Uhr
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In Aleppo soll es eine Feuerpause geben.

Die syrische Provinz Aleppo ist heftig umkämpft. Nun haben sich die USA und Russland auf eine Feuerpause geeinigt. Um Mitternacht soll sie in Kraft treten.

Nach einem massiven Aufflammen der Kämpfe in der syrischen Stadt Aleppo haben Moskau und Washington für die nordsyrische Stadt eine Waffenruhe vermittelt. Wie das US-Außenministerium mitteilte, werde nach einer entsprechenden Vereinbarung mit Russland die in anderen Teilen Syriens geltende Waffenruhe auf das umkämpfte Aleppo ausgeweitet. Die Feuerpause solle um Mitternacht in Kraft treten. Aleppo ist der am stärksten umkäpfte Schauplatz in dem Bürgerkrieg.

„Wir setzen auf Russland als Ko-Vorsitzenden der internationalen Syrien-Unterstützergruppe, seinen Einfluss auf das Assad-Regime geltend zu machen. Die USA werden das ihre tun“, heißt es in einem Statement des US-Außenministeriums. Die russische Führung äußerte sich vorerst nicht zu der Einigung.

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Zuvor hatten sich in Berlin Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault um eine Wiederbelebung der Friedensgespräche bemüht und gleichzeitig eine Waffenruhe in Aleppo gefordert. „Wenn es für Aleppo unverzüglich in den nächsten Stunden keine Feuerpause gibt, bricht alles zusammen“, sagte Steinmeier. Ohne Feuerpause werde es auch „keine Rückkehr nach Genf“ zu den Friedensverhandlungen zwischen Regime und Opposition geben.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

  • Islamische Front

    Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

  • Nusra-Front

    In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

  • Islamischer Staat

    Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

    Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

    Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

  • Syrische revolutionäre Front

    Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


  • Mudschaheddin-Armee

    Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


  • Höchstes Militärkommando

    Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Der Führer der gemäßigten syrischen Opposition, Riad Hidschab, sah in Berlin jedoch keine großen Chancen für baldige neue Friedensverhandlungen in Genf. Die Gespräche seien „in einer Sackgasse angekommen“, sagte Hidschab bei dem Syrien-Treffen. Als Grundbedingung für eine Friedenslösung nannte er den Rücktritt von Assad. Eine Regierung der nationalen Einheit lehnte er strikt ab.

Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt in den vergangenen Wochen hatte die syrische Opposition die Friedensgespräche in Genf verlassen. Insgesamt sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen ums Leben gekommen.

In Berlin soll auch ein neues Treffen der internationalen Syrien-Kontaktgruppe vorbereitet werden, die sich zuletzt im Februar in München getroffen hatte. Dazu findet am kommenden Montag in Paris ein weiteres Vorbereitungstreffen mit zehn Staaten statt, wie Ayrault mitteilte. Dabei werde Ayrault mit seinen Kollegen aus Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Emiraten und der Türkei über die Lage in Syrien beraten, kündigte Regierungssprecher Stéphane Le Foll an.

Nach Berichten von Menschenrechtsbeobachtern gab es in Aleppo bei den jüngsten Kämpfen auf beiden Seiten viele Opfer. Jets und Hubschrauber flogen demnach Angriffe auf Regimegegner. Rebellen hätten Dutzende Geschosse auf die Viertel unter Kontrolle des Regimes abgefeuert. Laut den Menschenrechtsbeobachtern starben in den vergangenen Tagen rund 280 Zivilisten in der Stadt.

Bürgerkrieg in Syrien Fluglinien fürchten russische Raketen

Russische Marschflugkörper kreuzen internationale Flugrouten: Luftfahrtbehörden sind beunruhigt. Präsident Putin preist hingegen das militärische Engagement seines Landes im syrischen Bürgerkrieg.

Russische Kampflugzeuge vom Typ Sukhoi Su-27 nehmen an einer Vorführung in Moskau teil. Quelle: dpa

Zu Kämpfen zwischen Regime und Opposition kam es am Mittwoch auch östlich der Hauptstadt Damaskus, wie die Menschenrechtsbeobachter weiter erklärten. Flugzeuge hätten mehr als 20 Angriffe geflogen.

Der russische Generalmajor Igor Konaschenkow sagte, Moskau habe zusammen mit den USA am Dienstag (3. Mai) eine Waffenruhe für Aleppo ausrufen wollen. Andauernde Angriffe auf syrische Regierungstruppen hätten dies verhindert, sagte der Offizier. Er wies Berichte über den Bau einer zweiten russischen Luftwaffenbasis in Syrien zurück. Vom derzeitigen Stützpunkt Hamaimim könne Russlands Luftwaffe alle Ziele in Syrien erreichen.

Bei einem Treffen von elf Verteidigungsministern des internationalen Bündnisses gegen die Terrormiliz Islamischer Staat drängten die USA ihre Partner zu einem stärkeren Kampf gegen den IS. „Die Koalition muss und kann mehr tun“, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Mittwoch nach einem Treffen in Stuttgart. Er brachte auch einen Einsatz der Nato ins Spiel, die sich bisher heraushält.

Deutschland will sich weiter nicht direkt an Kampfhandlungen beteiligen, aber die Ausbildung von Kämpfern, Waffenlieferungen und Aufklärungsflügen verstärkt fortsetzen. „Keiner kann alles machen“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Zur Anti-IS-Koalition gehören über 60 Staaten, die unterschiedliche Beiträge leisten. Das Bündnis hat nach eigenen Angaben fast 12.000 Luftangriffe gegen den IS in Syrien und im Irak geflogen.

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