
WashingtonKämpfer und Anhänger der Terrorgruppe Al-Kaida bauen nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten ihre Präsenz in Syrien stetig aus. So entstehe allmählich ein Netzwerk von gut organisierten Terrorzellen. Die USA befürchten, dass die Al-Kaida in Syrien so stark werden könnte wie schon im Irak und dass es nach einem Sturz von Präsident Baschar Assad schwer werden könnte, die Terrorgruppe wieder aus Syrien zu vertreiben.
Schon jetzt sollen einige hundert islamistische Kämpfer, die der Al-Kaida nahestehen, in Syrien aktiv sein. Und ihre Zahl wächst weiter, täglich kommen weitere ausländische Kämpfer aus den benachbarten Ländern nach Syrien. Mit ihnen kommt auch die Erfahrung zum Bombenbau und zur Koordination von Einheiten für Anschläge, wie US-Experten erläuterten. Mehr als zwei Dutzend Anschläge sollen schon auf das Konto dieser Gruppen gehen.
Führer der syrischen Rebellen versuchten den USA schon deutlich zu machen, dass die Al-Kaida-Kämpfer immer mehr an Einfluss gewinnen. Denn die bringen mit, was den Rebellen fehlt: Waffen und Geld. So komme es auch schon mal vor, dass Rebellen gemeinsam mit den Extremisten kämpften, um der besser ausgestatteten syrischen Armee begegnen zu können.
Die wachsende Präsenz der Extremisten ist aber genau der Punkt, weshalb Washington und andere Regierungen so zurückhaltend mit Waffenlieferungen sind. Sie befürchten, dass die Waffen in den Händen der Terroristen landen könnten. Ein Problem dabei ist sicher auch, dass die syrische Opposition immer noch sehr zersplittert ist, dass es keine klare Führung gibt.
Rebellen distanzieren sich von den Extremisten
Während in den USA immer noch versucht wird zu verstehen, mit wem man es bei der syrischen Opposition eigentlich zu tun hat und was deren genaue Ziele und Motive sind, gehen den Kämpfern der Rebellen immer wieder in entscheidenden Momenten Munition und Waffen aus, um weiter gehen die Regierungstruppen vorgehen zu können. So etwa zuletzt im Kampf um die Metropole Aleppo. „Die Kampfflugzeuge und Hubschrauber töten uns, sie sind 15 Stunden am Tag in der Luft", berichtete ein Kämpfer, Mohammad al Hassan, aus Aleppo. „Ich weiß nicht, wie lange wir das noch durchhalten."
Bezogen auf die gesamte Bewegung gegen Assad sind die Al-Kaida-Aktivisten wohl immer noch eine kleine Minderheit. Es gebe vielleicht rund 200 Extremisten in Syrien, heißt es aus US-Geheimdienstkreisen. Aber ihre Zahl wachse. Zudem kommunizierten die Zellen nun auch mehr miteinander und koordinierten manchmal ihre Angriffe. Den Rebellen sei das alles bewusst, erklärte kürzlich der Antiterrorexperte des US-Außenministeriums, Daniel Benjamin. Sie hätten versichert, dass sie wachsam seien und „nichts mit der Al-Kaida oder den Extremisten zu tun haben" wollten.
Wie weit der Einfluss der Extremisten inzwischen reicht, wird in der US-Regierung immer wieder diskutiert. Anzeichen dafür, dass sie Entscheidungen der Rebellen beeinflussten, gebe es bislang keine, heißt es in Washington.
Trotzdem müssten die USA entschieden gegen die Al-Kaida-Gruppen in Syrien vorgehen, fordert der Experte Seth Jones von der Rand Corporation, einem US-Beratungsunternehmen. Das könne mit US-Truppen geschehen oder indem Rebellen oder andere überzeugt würden, die Al-Kaida zu bekämpfen.
Wenn es der Al-Kaida gelinge, sich durch den Kampf an der Seite der Rebellen die Anerkennung der Bevölkerung zu gewinnen, dann werde es schwer, die Terrorgruppe wieder von dort zu vertreiben, egal wie Syrien in Zukunft aussehe, erklärt der frühere CIA-Experte Bruce Riedel, der nun für das Brookings Institute arbeitet. „Sehen sie sich den Irak an, wir haben sie dort immer und immer wieder dezimiert", sagt Riedel. „Sie sind immer noch da."














