Bürgermeisterwahl: Bill de Blasio - ein Neuanfang für New York

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Bürgermeisterwahl: Bill de Blasio - ein Neuanfang für New York

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Bill de Blasio posiert mit seiner Frau Chirlane und den Kindern Chiara und Dante.

von Angela Hennersdorf

Die New Yorker wählen den Linksdemokraten Bill de Blasio zu ihrem neuen Bürgermeister, weil er ihnen versprochen hat, die Millionenmetropole sozialer und gerechter zu machen – kann ihm das tatsächlich gelingen?

Die erste Frage, die sich New Yorker stellen, wenn sie sich neu kennenlernen, lautet: „Wo wohnst du? In Manhattan?“ Wer das verneint, wird mitleidig angeschaut. Wer dann auch noch gesteht, in Brooklyn zu wohnen - so ungefähr vergleichbar mit der Schälsick auf der rechten Rheinseite in Köln -  kann sich nur noch retten, wenn er oder sie schnell den Zusatz - in Park Slope hinzufügt. „Oh, how nice“, heißt es dann plötzlich. Während Brooklyn überwiegend sozialer Brennpunkt ist, hat sich das Viertel Park Slope in dem New Yorker Stadtteil zum linken Szeneviertel entwickelt. Es ist das Mekka berühmter Schriftsteller wie Paul Auster, Martin Amis oder Jonathan Safran Foer. Junge erfolgreicher New Yorker, mit guten Jobs in der City, zieht es in das Viertel auf der anderen Seite des East River.

Wie hat sich Bill de Blasio beim Kampf um das Amt des Bürgermeisters in New York City damit geschmückt, in dem links-liberalen Viertel zu wohnen und eben nicht in Manhattan wie sein Vorgänger Michael Bloomberg, der in einem schicken Stadthaus auf der vornehmen Upper East Side in Manhattan residiert. Mit dem Image des links-liberalen Demokraten aus Brooklyn ging de Blasio auf Stimmenfang beim Kampf um das Bürgermeisteramt gegen den Republikaner Joseph Lhota. Der lebt zwar auch in Brooklyn. Aber, dass der 52-jährige de Blasio mit seiner schwarzen Ehefrau und zwei Kindern in einem etwas heruntergekommenen Reihenhaus in Park Slope wohnt, das machte ihn authentisch bei den New Yorkern. Vollmundig versprach er, die Millionenmetropole sozialer und gerechter zu machen. Statt Luxuswohnungen will er bezahlbaren Wohnraum schaffen. Mehr Geld will er in Kindergärten und Vorschulen stecken. Die Botschaft ist angekommen: Mit großer Mehrheit quer durch alle Schichten wählten die New Yorker den Außenseiter de Blasio zum 109. Bürgermeister von Big Apple.

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Kann der Mann seine linke Agenda umsetzen?

Probleme hat die größte Stadt der USA allemal. In 12 Jahren hat Vorgänger Bloomberg New York zwar sicherer und grüner gemacht. Doch wirtschaftlich hinkt die Stadt hinterher. Die Zahl der Arbeitslosen in New York City liegt mit 8,6 Prozent über dem nationalen Durchschnitt von derzeit 7,2 Prozent. In der Finanzkrise 2007/8 hat die Stadt rund 165.000 Jobs verloren, erst 150.000 sind neu geschaffen worden. Traditionell ist es Wall Street, die die Stadt aus der Rezession führt. Doch in der Finanzbranche sieht es gar nicht gut aus. Im September gingen 1700 Jobs in der Branche verloren.

Die Schere zwischen reich und arm klafft in der Stadt immer weiter auseinander. Zum Teil sind die Wohnungsverhältnisse in New York mit denen in einem Entwicklungsland zu vergleichen. Rund 55.000 Menschen in New York City sind obdachlos, viele tausende Menschen sind auf Essensmarken angewiesen. Der Anteil der Armen ist von 20,1 im Jahr 2010 auf 21,2 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen, während rund 400.000 Millionäre in der Stadt residieren. Fast die Hälfte der Einwohner lebt unter der Armutsgrenze. Von den Jobs bei McDonald’s & Co lässt sich in New York nicht leben – trotz eines gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Dollar in der Stunde.

Wie in vielen anderen US-Städten droht auch der Haushalt der Stadt New York unter der Last der Rentenzahlungen und Krankenversicherung für die städtischen Angestellten zusammenzubrechen. Millionen gibt New York City  für Polizei, Feuerwehr, Sozialhilfe und Lehrer aus. Neue Tarifverträge mit den Gewerkschaften hat Vorgänger Bloomberg nicht abgeschlossen. Jetzt fordern die traditionell starken Gewerkschaften Lohnerhöhungen von rund acht Millionen Dollar. Dieses Geld ist schlicht nicht da – daran kann auch de Blasio nichts ändern.

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