Buschfunk : Die WM ist politisch aufgeladen wie noch nie

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kolumneBuschfunk : Die WM ist politisch aufgeladen wie noch nie

Kolumne von Alexander Busch

Brasilien steht im Mittelpunkt - zum Leid der Regierung. Jeder kleine Protest bekommt vor den Augen der Welt ein neues Gewicht. Auch der Weltfußballer Ronaldo nutzt die Copa für einen politischen Seitenwechsel.

In Brasilien beginnt am Donnerstag die WM – aber in vier Monaten wird auch gewählt. Deswegen ist die Copa in Brasilien diesmal immens politisch. Jede Interessengruppe, jeder Verband, jede politische Gruppierung versucht noch vor dem Anpfiff schnell die Regierung zu erpressen. Für eine schnelle Zusage im Etat, eine Lohnerhöhung oder eine Gesetzesänderung, die keiner richtig mitbekommt. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit erhält jeder Mini-Protest ein ganz neues Gewicht. Auch die ersten Profiteure der jetzigen Regierung wechseln jetzt öffentlich die Seiten. Der populärste Wendehals ist der dreifache Weltfußballer Ronaldo, nicht zu verwechseln mit Christiano Ronaldo von Real Madrid.

Der brasilianische Ronaldo ist bis heute WM-Torschützenkönig. Er war es, der 2002 den Patzer des deutschen Nationaltorhüters Oliver Kahn ausnutzte und Brasilien zum Sieg gegen Deutschland schoss. Sein letztes Spiel für den legendären Corinthians verfolgte die ganze Nation. Er wurde von der Regierung in das WM-Vorbereitungskomitee gehievt, um dort den grauen und von Korruptionsvorwürfen belasteten Funktionären etwas Glanz und Fußballatmosphäre zu verschaffen. Mit seiner Sport-Marketing-Agentur ist Ronaldo heute reich geworden. Er ist jedoch genervt, wegen des schlechten Images der WM in Brasilien. Deswegen soll er – so behauptet er - nicht einen einzigen Werbevertrag für die Spiel abgeschlossen haben. Pelé, sein berühmter Vorgänger in der Seleção,  dagegen tourt um die ganze Welt als Werbeikone.

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Quelle: AP

Doch nun entdeckt Ronaldo plötzlich, dass er sich schäme für Brasiliens Rückstand bei den WM-Vorbereitungen: „Weil es mein Land ist und ich dieses Land liebe und wir jetzt diesen schlechten Eindruck im Ausland hinterlassen“, sagt er treuherzig, als habe er als mächtiges Komiteemitglied nichts mit allem zu tun. Die Fifa habe Recht, wenn sie Brasilien kritisiere, dass das Land nicht vorwärts komme. Zudem ärgere ihn als Unternehmer, dass die Regierung immer nur davon rede dass alles prima sei, was ja nicht der Fall sei. Er gesteht: „Ich fühle mich unsicher als Unternehmer.“ Das alles hört sich an, als habe er vorher die Phrasen mit einem Medienberater geübt.

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Drei Stunden nach dem Interview verkündete Ronaldo über Twitter, dass er sich dem führenden Oppositionskandidaten Aécio Neves anbieten würde, in dessen Wahlkampf zu helfen. „Ich stehe meinem engen Freund für jede Aufgabe zur Verfügung.“ Die Seiten hat Ronaldo damit gewechselt. Auf den Sitz im WM-Komitee verzichtet er jedoch nicht.

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