Buschfunk: Südamerikaner als neue Touristen in Brasilien

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Ein mexikanischer Fußballfan jubelt bei der WM in Fortaleza.

Kolumne von Alexander Busch

Der Ansturm aus den Nachbarländern zur WM in Brasilien ist gewaltig - und unerwartet. Die Region kann davon nur profitieren.

Es heißt immer, die Südamerikaner würden mit dem Rücken zu ihrem Kontinent leben. Weil ein Brasilianer, Argentinier oder Mexikaner bis vor kurzem nicht darauf gekommen wäre, als Tourist in Cartagena, Valparaiso oder Oaxaca vorbeizuschauen. Latinos reisen lieber nach New York, Paris, Rom oder als Jugendliche nach Disneyland und später zum Einkaufen nach Miami.

Jetzt, bei der WM ändert sich das: Und nicht nur, weil die lateinamerikanischen Mannschaften gut aus der Vorrunde hervorgegangen sind. Die Brasilianer sind völlig überrascht über den Ansturm aus den Nachbarländern. Obwohl man den Begriff „Nachbarschaft“ ziemlich weit fassen muss: Von Costa Rica muss man im besten Fall zweimal umsteigen und ist schnell 20 Stunden unterwegs nach Brasilien. Das kolumbianische Bogotá ist von Cuiabá eigentlich „nur“ durch den Amazonas getrennt. Doch mit Anschlussflügen waren viele Kolumbianer fast einen ganzen Tag im Flieger unterwegs, um noch pünktlich zum Spiel gegen Japan zu gelangen.

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Der Direktflug von Mexiko-Stadt nach São Paulo dauert genauso lange wie nach Frankfurt. Und trotzdem war das Stadion beim Spiel Brasilien-Mexiko fast zur Hälfte mit Mexikanern gefüllt, die mit ihren Schlachtgesängen die Brasilianer nicht nur auf dem Spielfeld überraschten. In Brasília, der Hauptstadt ging das Bier aus, nachdem die Fans aus Kolumbien seit Donnerstag einfach durchgefeiert hatten, um dann am Wochenende die Busse ins nahe Cuiabá (läppische 1200 Kilometer und 20 Stunden Ruckelpistenfahrt) zu nehmen für das Spiel gestern.

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Im südbrasilianischen Porto Alegre trafen 80.000 Argentinier ein beim Spiel gegen Nigeria. Nur 20.000 von ihnen hatten Eintrittskarten. In São Paulo hat die Präfektur jetzt das Sambodromo, also die Karnevalsmeile freigeräumt, dass die argentinischen Fans dort in ihren Autos und Bussen übernachten können. Die Chilenen sind in Kolonnen mit bis zu 1000 Autos über die Anden bis nach Rio de Janeiro gekommen. Das sind 3800 Kilometer jetzt im Winter zum Teil vereiste Landstraßen – die sie jetzt nach dem Aus gegen Brasilien wieder zurückfahren müssen.

Wenn der unerwartete Ansturm der Touristen aus den Nachbarländern den Lateinamerikanern zeigt, dass sie sich näher sind, als es die Anden, Amazonas und Panamakanal vermuten lassen – dann hat die ganze Region schon gewonnen durch die WM.

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