Camerons fiktiver Appell: „Frau Merkel, holen Sie die Big Bazooka raus“

Camerons fiktiver Appell: „Frau Merkel, holen Sie die Big Bazooka raus“

, aktualisiert 18. November 2011, 16:52 Uhr
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Der britische Premier David Cameron.

Quelle:Handelsblatt Online

Der britische Premier spricht Großbritanniens Sorgen um den Euro beim Besuch der Kanzlerin heute an. Was Cameron mit Blick auf die EZB tatsächlich wünscht, schreibt unser Gastautor in einer fiktiven Rede auf.

LondonEs ist eine wirkliche Freude, wieder in Berlin zu sein. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Englisch rede - ich weiß, dass man in Europa jetzt Deutsch spricht, aber diese neue Sitte hat die britischen Küsten noch nicht erreicht. Bei unserem ersten Treffen haben wir uns versprochen, immer Klartext zu reden. Es ist Zeit für ein paar sehr offene Worte darüber, wie Sie mit der Euro-Krise umgehen. Dabei habe ich großen Respekt für die deutsche Wirtschaft und für Ihre Art, mit komplexen politischen Aufgaben umzugehen wie der, Ihre Landsleute für das Herauspauken anderer Euro-Länder zu gewinnen.

Sie denken, dass eine Politische Union die Antwort auf das Euro-Chaos ist. Auf Ihrem Parteitag haben Sie das "mehr Europa, nicht weniger" genannt. Das können wir natürlich niemals akzeptieren - Sie wissen ja, wie diese verdammten Hinterbänkler mir im Nacken sitzen. Aber ich muss zugeben: Ihre Position ist schlüssig. Weder George Osborne noch ich sehen, wie der Euro überleben soll, wenn es nicht sehr viel mehr fiskalische Integration gibt.

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Sie werden das zweifellos vorantreiben, und ich wäre nicht einmal überrascht, wenn Sie meine Sorgen darüber - ich habe immerhin ein Vetorecht! - als amüsante Bedeutungslosigkeit ansähen. Das ist aber heute nicht die Frage. Die Politische Union vorzubereiten wird Jahre zäher Verhandlungen erfordern, und niemand weiß, ob ein neuer Vertrag angenommen wird. Meine Sorge, über die ich offen mit Ihnen reden will, ist viel unmittelbarer. Nein, es geht nicht um eine "Tobin-Tax" auf Finanztransaktionen. Ich muss dagegen sein, sonst würde ich in der City gehängt. Aber ganz unter uns: Ich stimme mit dem Erzbischof von Canterbury überein, dass es keine blöde Idee ist.

Meine Sorge, Frau Bundeskanzlerin, dreht sich um Folgendes: Sie haben das Ziel, den Euro zu retten, aber Sie sind nicht für die nötigen Mittel. Sie meinen es sicher ernst, wenn Sie sagen "Scheitert der Euro, scheitert Europa" und dass es um eine historische Aufgabe geht.


„Die Investoren glauben nicht, dass Sie eine Strategie haben“

Doch die Investoren glauben nicht, dass Sie eine Strategie dafür haben, Ihr Versprechen zu halten. Sie fürchten, dass die wichtigsten Euro-Länder - Italien, Spanien, sogar Frankreich - zu kämpfen haben, um ihre Schulden zu zahlen. Sie glauben nicht, dass die bislang vereinbarten Hilfen ausreichen und dass die EZB auf eigene Faust eingreifen könnte. Und sie machen Sie für diese Lage verantwortlich. Das ist nicht fair: Ich weiß, dass Ihre Hände gebunden sind durch das Bundesverfassungsgericht, das Parlament und die Öffentlichkeit. Ich verstehe auch, dass eine große Mehrheit in Deutschland von Ihnen verlangt, unseren südlichen Freunden Feuer unterm Hintern zu machen.

Aber sehen Sie doch mal, was Sie schon alles erreicht haben. Neue Regierungen in Athen, Lissabon, Dublin und Rom und wohl auch in Madrid nach der Wahl am Sonntag. Die übernehmen Ihre Agenda der Haushaltskürzung. Um Ihren Fraktionschef zu zitieren: Sie sprechen Deutsch. Das Risiko aber ist, dass alles scheitert, weil es kurzfristig an finanzieller Unterstützung fehlt.

Deshalb meine Frage an Sie: Werden Sie nun die Restriktionen der EZB lockern und sie massiv zugunsten der notleidenden Mitglieder intervenieren lassen? Wenn Sie es wollen, werden die Anwälte einen vertragskonformen Weg finden. Das ist die "Big Bazooka", nach der ich gerufen habe. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Ich stimme aus vollem Herzen zu, der Euro muss gerettet werden. Scheitert er, wäre das ein Desaster für Europa und für die ganze Welt. Wie ich in einem anderen Zusammenhang gern sage: Wir sitzen hierbei in einem Boot.

Quelle:  Handelsblatt Online
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