Chaos in Ägypten: Ägypten fürchtet einen "Tag des Zorns"

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KommentarChaos in Ägypten: Ägypten fürchtet einen "Tag des Zorns"

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Die Muslimbrüder sind nach dem Putsch gegen Ex-Ministerpräsident Mursi in Aufruhr.

von Hans Jakob Ginsburg

Anhänger der Muslimbrüder wollen nach dem Freitagsgebet wütend durch die Straßen ziehen, die Regierung mit Härte reagieren. Reißen die Ägypter ihr eigenes Land in den Abgrund? Die Bilder aus Kairo deuten darauf hin – das kann aber auch optische Täuschung sein.

In Ägypten wächst die Sorge vor neuer Gewalt nach dem Freitagsgebet. Die Anhänger der Muslimbrüder riefen zu erneuten Massenprotesten und einem "Tag des Zorns" nach der gewaltsamen Räumung zweier Protestcamps am Mittwoch mit mehr als 600 Toten und tausenden Verletzten auf. Die Nationale Heilsfront, eine lose Allianz liberaler und linker Kräfte, forderte indes, die Ägypter müssten gegen die offensichtlichen Terror-Akte der Muslimbrüder auf die Straße gehen. Das Innenministerium hat einem Medienbericht zufolge erklärt, die Sicherheitskräfte würden scharfe Munition einsetzen. um Angriffe auf die Beamten oder öffentliche Gebäude abzuwehren.

Der UN-Sicherheitsrat rief unterdessen nach einer Dringlichkeitssitzung in New York zum Ende der Gewalt auf. Alle Beteiligten würden zu maximaler Zurückhaltung aufgefordert, sagte die derzeitige Vorsitzende des Gremiums, die argentinische UN-Botschafterin Maria Cristina Perceval, nach einer Sitzung der 15 Mitglieder des Rates.

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In Kairo haben Auslandsvertretungen einschließlich der deutschen Auslandskammer ihre Tätigkeit unterbrochen, einige Fabriken im Besitz ausländischer Investoren sind bis auf weiteres geschlossen, am Donnerstag hat die blutige Gewalt sogar auf das Touristen-Ghetto Hurghada am Roten Meer übergegriffen. Was bedeutet, dass der bedeutende Wirtschaftsfaktor Tourismus erst einmal ausfällt. Den Tod auf dem Nil schaut sich der Vergnügung suchende Europäer lieber daheim im Fernsehen (Realität) oder auf CD (mit Peter Ustinov und David Niven) an als hautnah in einem Land am Rande des Bürgerkriegs.

Weitere Proteste angekündigt Kairo versinkt im Chaos

Mindestens 278 Tote und rund 2000 Verletzte – das ist die vorläufige Bilanz. Eine Lösung am Verhandlungstisch rückt in weite Ferne. Nobelpreisträger ElBaredei zieht sich erschrocken zurück.

Ägyptische Sicherheitskräfte räumten die beiden Lager von Anhängern des abgesetzten und inhaftierten Präsident Mohammed Mursi. Dabei gab es hunderte Tote und tausende Verletzte Quelle: dpa

Trotzdem wird auch diese Welle der Gewalt und Zerstörung ein Ende finden, und dann werden 82 Millionen Ägypter wieder ihre Rolle im Zentrum der arabischen Welt und als Schwergewicht an der Brücke zwischen Afrika und der Mittelmeerraum spielen. Eine neue Militärdiktatur, nach den Ereignissen dieses Sommers womöglich brutaler als das 2011 gestürzte Mubarak-Regime, wird genau wie jenes um ausländische Investoren buhlen und das Elend im Lande mit ruinösen Trostpflästerchen behandeln.

Oder es gibt eine gelenkte Demokratie mit mittelmäßigen Politikern am Gängelband selbstsüchtiger Generäle, die auf Dauer dafür sorgen, dass die wilden Islamisten nichts zu sagen haben. So ein System hatten wir jahrzehntelang in der Türkei – wirtschaftlich ist das wahrscheinlich die beste Garantie dafür, dass ein viel versprechendes Entwicklungsland ganz lange ein viel versprechendes Entwicklungsland bleibt und nie etwas Besseres. Vielleicht sorgt in allernächster Zeit sogar der stetige Wertverfall der Landeswährung für Exporterfolge – das jedenfalls ist der ökonomische Hoffnungsschimmer, an den sich ägyptische Industrielle derzeit klammern.

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Unter der Führung des Generals Abdelfattah al-Sisi herrscht neue Unterdrückung, und  Teile der ägyptischen Unternehmerschaft sehen das ganz gerne. Anders lässt sich der Abscheu nicht verstehen, mit dem die von einigen reichen Industriellen finanzierte Bürgerbewegung den Rücktritt des Vizepräsidenten Mohammed ElBaradei kommentierte, der für die blutige Politik des Generals nicht mehr seinem guten Namen hergeben wollte.

Der Stahlindustrielle Ezz, besonders korrupter Profiteur des Mubarak-Klüngels, ist seit ein paar Tagen aus der Haft entlassen. Und an der Kairoer Börse wartet man auf den großen Zufluss von Kapital aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Emiraten und Kuwait. Im Rahmen der Diversifizierung ihrer Anlagen passt das arme Ägypten hervorragend in die Portfolios der Ölscheichs.

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