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Chefstratege der Société Générale: "Die Euro-Zone wird zusammenbrechen"

von Yvonne Esterházy

Société-Générale-Chefstratege Albert Edwards über ausufernde Staatsschulden, deren drastische Folgen und mögliche Wege aus der Krise.

Albert Edwards, Chefstratege der französischen Großbank Société Générale
Albert Edwards, Chefstratege der französischen Großbank Société Générale
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Herr Edwards, die europäischen Staaten werden Griechenland künftig wohl bilateral helfen. Wird die Europäische Währungsunion jetzt überleben?

Ich glaube nicht. Die Rettungsmaßnahmen für Griechenland werden den Kollaps allenfalls verzögern, letztlich aber nicht verhindern. Das Grundproblem bleibt, dass nämlich das Zinsniveau innerhalb der Euro-Zone für alle Länder gleich ist. Das wiederum hat dazu geführt, dass mehrere Länder in der Währungsunion nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Wann erwarten Sie den Kollaps? Binnen der nächsten zwölf Monate?

Genau kann ich das nicht vorhersagen, vielleicht zieht es sich noch länger hin. Aber ich bin sicher, dass das System entweder zusammen-brechen wird oder dass ein oder mehrere Mitgliedstaaten austreten werden, was dann im Grunde auf dasselbe hinausläuft.

Welche Länder werden die Euro-Zone verlassen?

Die üblichen Verdächtigen, die sogenannten PIGS: Portugal, Irland, Griechenland, Spanien, – wobei ich mir bei Irland nicht ganz so sicher bin. Sie haben nicht nur enorme Staatsschulden, sondern auch hohe Leistungsbilanzdefizite (siehe Kasten auf S. 2).  Ihre Ökonomien haben infolge der – für sie – zu niedrigen Zinssätze in der Euro-Zone einen ungesunden Boom hinter sich, der zu übermäßigen Lohnsteigerungen und hohen Inflationsraten führte. Das hat ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschadet.

Aber könnte man sie nicht zum Abbau ihrer Defizite zwingen?

Diese Länder werden es nicht schaffen, ihre riesigen Haushaltsdefizite (siehe Kasten auf S. 2)  auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken, wie es der Maastricht-Vertrag vorschreibt. Wer das versucht, muss in Kauf nehmen, dass auch die Wirtschaftsleistung um etwa denselben Betrag schrumpft. Die damit verbundenen sozialen Kosten sind hoch. Wenn ein Land so extrem sparen und Ausgaben kürzen muss, dann tut das richtig weh. Durchziehen kann man das nur mit einer Bevölkerung, die das mitmacht, und dafür sehe ich in Südeuropa keine Anzeichen. Verglichen damit sind Japan und Deutschland geschlossenere Gesellschaften – sie können besser mit wirtschaftlichen Zumutungen umgehen.

Das müssen Sie aber begründen.

Japan ist ein Land mit großem gesellschaftlichem Zusammenhalt, und die Japaner neigen nicht zu gewaltsamen Protesten. In Spanien sind 45 Prozent der Jugendlichen unter 25 Jahren arbeitslos. Das dürfte schon jetzt ein riesiges Problem sein und würde sich noch verschlimmern, wenn man auf einen drakonischen Konsolidierungskurs setzt. Massenarbeitslosigkeit dürfte den extremen Parteien – sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite des politischen Spektrums – enormen Zulauf verschaffen, wie wir es in der Geschichte bereits gesehen haben.

Die Versuchung ist groß, dass eine Partei dann verspricht: „Wählt uns, dann treten wir aus der Währungsunion aus.“ Manche Leute wollen es nicht wahrhaben, aber das Undenkbare kann Realität werden.

Welche Folgen hätte der erste Austritt für die Währungsunion insgesamt?

Die Finanzmärkte würden sich auf die übrigen schwachen Länder einschießen und sie eines nach dem anderen zum Austritt zwingen. Parallel dazu wird der Druck der Bevölkerung in den betroffenen Ländern zunehmen, ihre Regierungen zum Verlassen der Euro-Zone zu zwingen.

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32 KommentareAlle Kommentare lesen
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  • 24.08.2010, 01:55 UhrAnonymer Benutzer: M. Barth

    Die Eurozone kann nicht von den derzeit schwachen Mitgliedern her aufgelöst werden kann. Wie sollte Griechenland eine eigene Währung parallel zum EUR in Umlauf setzen? Sie würde nicht zirkulieren, da sie keiner haben will. Griechenland müßte z.b. alle im Land gehaltenen EUR-Guthaben überraschend beschlagnahmen und zwangsweise zu einem festgelegten Kurs in die neue griechische Währung umtauschen, um eine Zirkulation zu erzwingen - problematisch. Möglich ist nur eine Auflösung der Eurozone von Deutschland aus, d.h. Deutschland muß die D-Mark wieder einführen. Dabei würden bestehende EUR-Ansprüche nicht automatisch umgetauscht. Anschließend steigt die DM gegenüber dem EUR am Markt, die auf EUR lautenden deutschen Staatsschulden werten ab, die deutschen Sparer verlieren dabei, da ihre vorhandenen EUR-Guthaben gegenüber der DM wohl um ca. 10 bis 20% abgewertet würden - ein innenpolitisches Problem.

  • 23.05.2010, 09:36 UhrAnonymer Benutzer: Wolfgang

    Desto schneller, desto besser. Die alternative ist m.E. aber nicht dir Rückkehr zur alten DM, sondern die, dass sich die wirtschaftlich und politisch Stabilen zusammen schließen und eine Gemeinschaft bilden. Nur eine Gemeinschaft in der alles zusammen passt, kann überleben.

    Eine solche Gemeinschaft würde auch von der bürgern unterstützt werden, allerding unter der Voraussetzung dass sie wirklich demokratisch zu stande kommen würde und auch demokratisch weiter geführt würde. Hier verstehe ich unter demokratisch, dass die bürger ein direktes Mitspracherecht erhalten und dass keine großenwahnsinnigen Politiker oder beamte wie derzeit die brüsseler uns bevormunden können und dürfen.

    Es bleibt den schwachen und instabilen überlassen ob sie eine Gemeinschaft eingehen wollen oder nicht.

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