
Viel wurde geschrieben über die Hunderte Dollar Millionen, die online eingesammelt wurden. Insgesamt zwei Millionen Menschen spendeten für Obamas Wahlkampf. Im Juli allein kamen rund 65 000 Spender hinzu. Insgesamt kamen so rund $ 300 Millionen zusammen. So fiel es Obama auch leicht, auf öffentliche Gelder zu verzichten, und publikumswirksam zu erklären, der erste Kandidat seit Langem zu sein, dessen Kampagne vom Volk getragen werde. Im Juli sammelte Obama mit $ 51 Millionen etwa doppelt so viel ein, wie McCain. Ohne das hier beschriebene System wäre das alles nicht möglich gewesen.
Natürlich ist Obama auch noch ein sehr begabter Politiker, der Hillary Clinton schlug, auch weil er bienenfleißig Wahlkampf nach traditionellen Methoden zu führen versteht.
Überhaupt scheint „unterschätzt werden“ eine seiner Strategien zu sein: Während McCain in diesen krisengeschüttelten Zeiten zu erkennen gab, nichts von Wirtschaft zu verstehen, in Vorwahl-Debatten gar eine ökonomische Krise verneinte, gibt es für Obama lediglich Themen, die er noch nicht angesprochen hat.
Wie viele Asse er im Ärmel hat, konnte man erahnen bei seiner mittlerweile berühmten Reverend-Wright-Replik, die sicherlich nicht zufällig ein Youtube-Hit wurde mit mehr als vier Millionen Abrufen. Obamas langjähriger Pastor geisterte in Filmaufnahmen durchs Internet und dann die Medien, in denen er „Amerika verdammte“. Tödlich im patriotischen Amerika, die bloggende Rechte (und alle Konkurrenten) freuten sich.
Pro-aktive Kampagne gegen Lügen
Ohne allzu lang planen zu können, schüttelte Obama eine Rede zum Thema Hass und Zusammenleben quasi aus dem Ärmel, die von vielen Beobachtern als historisch gefeiert wurde. Obamas Worte wurden in einem Atemzug genannt mit jener legendären „I have a dream“-Rede Martin Luther Kings. So prallten die heftigen Angriffe ab, auch die von Clinton.
Bis jetzt hat er es geschafft, die Schmutzkampagnen abzuwehren. Zur besonderen Gegenwehr erfand er noch die pro-aktive Kampagne „Kampf dem Schmutz, verbreite die Wahrheit“,die nach bewährtem Muster gegensteuert. Wieder setzt er aufs Mitmach-Web: Wer immer eine Lüge hört oder liest, wird gebeten sie zu melden, dann hilft das Team beim Argumentieren. Eine E-mail wird vorbereitet, die der Obama-Anhänger, wie schon die anderen, weiterleiten soll.
Bis jetzt blieb keine der Lügen hängen. Denn Obama schafft es mit seinen Netzwerken, Fakten an den gängigen Medien vorbei zu kommunizieren, mit dem Nebeneffekt, dass seine loyalen Anhänger als Mitmacher noch loyaler werden.
Die neue Technik allein reicht natürlich nicht, um Wahlen zu gewinnen. Aber sie kann den entscheidenden Schub erzeugen, der eben jenen kleinen entscheidenden Vorsprung produzieren wird.
Auf jeden Fall wird Obamas Wahlkampf die Vermittlung politischer Inhalte verändern. Sein Internet-Wahlkampf ist einfach, effizient und vergleichsweise billig: Gab das Obama-Team am 17. August laut der Campaign Media Analysis Group nur an diesem einen Sonntag $ 400.000 für die Ausstrahlung neuer, aggresiver Anti-McCain-TV-Werbespots aus, so soll amerikanischen Zeitungen zufolge Obamas Wahlkampfmanager für die gesamte bisherige online-Kampagne etwa eine Million Dollar an die Agentur gezahlt haben, die seine Webaktivitäten erfand und koordiniert.














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Alle Kommentare lesen04.11.2008, 19:36 UhrAnonymer Benutzer: erwin
Sehr aufschlussreich und interressant! Cherno ist nicht nur ein guter Gittarist sondern hat auch politischen Durchblick. Meine Meinung: Obama soll gewinnen in der Hoffnung, dass der amerikanische Amoklauf in der Welt endlich aufhört. Die schwachsinnigsten und verrecherischen islamisten sind kein Grund für das Außerkraftsetzen der Menschenrecht.
26.08.2008, 17:21 UhrAnonymer Benutzer: Nikolai A. Behr
in der Tat ein sehr aufschlußreicher Artikel. Der begriff des Permission-Marketing ist auch bei uns bereits Teil der politischen Diskussion. Allerdings noch in einem anderen Zusammenhang: Man denke an die zahlreichen Äußerungen unserer Politiker in den vergangenen Tagen zum Schutz der Verbraucher vor Mißbrauch ihrer Kundendaten. Hier wird sich der eine oder andere von ihnen entscheiden müssen, zwischen dem Adresseinsatz für Wahlkampfzwecke und dem bestmöglichen Daten-Schutz des Konsumenten. Checken Sie ihren Spam-Filter im nächsten Wahlkampf!
26.08.2008, 09:55 UhrAnonymer Benutzer: Peter Schmidt Hamburg
interessanter Artikel, hatte zwar schon davon gehört, mir war aber nicht wirklich klar, wie Obamas Online-Wahlkampf funktioniert. Wenn ich den Artikel lese, frag ich mich, warum unsere Parteien eigentlich noch Plakate kleben.