Cherno Jobatey über Barack Obama : Politik von unten per Internet

Cherno Jobatey über Barack Obama : Politik von unten per Internet

Bild vergrößern

Die "Obama-Show" wird stark durch das Internet getragen

Neue Medien spielten in der US-Politik schon immer eine Rolle. Wie US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama das Internet nutzt, um in der Schlacht um das Amt des US-Präsidenten Stimmen für sich zu sammeln

Schmutzkampagnen gehören zum US-Wahlkampf wie der Truthahn alljährlich zum Thanksgiving-Feiertag im November. Die Republikaner rüsten zur Schlacht und manch einer fragt sich: Wird Obama gelingen, was frühere Kandidaten wie zum Beispiel John Kerry und Al Gore nicht schafften? Kann Obama brutale Schmutzkampagnen stoppen? Man denke da nur an die mittlerweile fast schon legendäre Swift-Boat-Kampagne, mit der anonyme Vietnam-Veteranen eben jener Patrouillenboote den Kämpfer Kerry erfolgreich als unentschlossenen Feigling darstellten gegen den Kriegsverweigerer Bush.

McCains Britney-Spears-Paris-Hilton-Obama-Vergleich in einem TV Spot, in dem er Obamas Popularität gleichstellt, mit denen zweier Promis, die in den USA für Gehaltlosigkeit, Unbildung und Verantwortungslosigkeit stehen, war wahrscheinlich nur der Auftakt für einen harten Wahlkampf. Schon nach kurzer Internetsuche findet man schnell Beispiele, für Verleumdungen und Anwürfe, in denen sich Obama-Gegner mit ihren Argumenten positionieren. Aber auch in den Buchläden hat sich die Rechte in Stellung gegen den Demokraten gebracht: Der gleiche Autor, Jerome Corsi, der damals so erfolgreich Kerry mit seinem Veteranenbuch attackierte, legt mit seinem neuen Buch The Obama Nation auf Obama an und warnt vor linksradikaler Politik.

Anzeige

Doch Obama scheint gegen derlei Angriffe gut gerüstet. Er setzt auf das Internet und nutzt es bis jetzt sehr erfolgreich. In einer in der Politik so noch nie da gewesenen Form kommuniziert er direkt mit potenziellen Wählern: er verbreitet seine Botschaften, bietet viele Möglichkeiten zum Engagement und Mitmachen und fragt - na klar – auch sehr erfolgreich nach Kleinstspenden für den Wahlkampf.

Mit Hilfe des Internets Drachentöter der Clinton-Wahlkampf-Maschinerie

Mit Hilfe des Internets gelang es Obama schon während der US-Vorwahlen zum Drachentöter der Clinton-Wahlkampf-Maschinerie zu werden. Viele Beobachter hielten den Clinton-Apparat für den besten und effektivsten seit Langem bei den Demokraten. Legendär, wie sich Anfang der 90er Jahre der weithin unbekannte Gouverneur eines armen Südstaates erst gegen die eigene Partei in den Vorwahlen, und dann im Rennen um das Weiße Haus gegen den damaligen amtierenden Präsidenten George H. W. Bush durchsetzte. Bill Clinton wurde als Präsident sogar in eine zweite Amtszeit gewählt und gilt trotz vieler Skandale bis heute als geachteter „elder statesman“.

Hillary Clintons Kandidatur war denn auch für viele nur eine Formsache. Aber Obamas moderner Wahlkampf verschaffte ihm, dem Junior-Senator aus Illinois (quasi aus dem Nichts kommend) entscheidende Vorteilsmomente in einem der härtesten und längsten Vorwahlkämpfe.

Neue Medien spielten in der US-Politik schon immer eine Rolle: Das damals neue Medium Fernsehen etwa gab John F. Kennedy wahrscheinlich den knappen Vorsprung vor seinem Konkurrenten Richard Nixon. JFK wusste um die Kraft von Schminke, Lächeln und einem weißen Blatt Papier auf dem Tisch, um das Scheinwerferlicht von unten zu reflektieren. So erschien Kennedys gut ausgeleuchtetes, strahlendes Gesicht auf den heimischen Bildschirmen. Nixons grummelige abendliche Bartstoppeln ließen ihn im konservativen Amerika dagegen unsympathisch wirken.

Präsidentschaftskandidat Obama scheint der Erste zu sein, dem auffiel, dass das Internet mehr kann, als nur E-mail-Briefträger oder Helfer bei der Spendenakquise zu sein. Obama mailt nicht einfach nur, er kommuniziert per Internet: Und das nicht zu knapp.

TV-Moderator Cherno Jobatey

TV-Moderator Cherno Jobatey

Bei Wahlpartys verkaufte Obamas Wahlkampftruppe von Anfang an nicht nur Buttons und T-Shirts. Obamas Helfer sammelten fleißig E-mail-Adressen und Handy Nummern. Wer ein T-Shirt kaufte, ließ sich auch gleich als Kleinstspender registrieren und gab dann auch noch seine E-mail-Addresse oder Handynummer preis.

Mit der erteilten Erlaubnis werden Mails auch nicht als Spam empfunden. Der amerikanische Marketingguru Seth Godin erfand hierfür den Begriff des Permission-Marketing. Ist man erstmal registriert, beginnt die Kontaktaufnahme Obamas mit einer E-mail/SMS, die den Unterstützer als "friend" anspricht.

Der neue Freund wird dann mit allen multimedialen Mitteln in den Kampf für Obama einbezogen: Drei bis vier mal die Woche erreicht ihn eine E-mail aus dem Obama-Lager. Jede Mail nimmt kurz Stellung zu einem aktuellen Tagesthema, darunter steht noch ein weiterführender Link. Klickt man auf den Link, erklärt Obama höchstpersönlich in einem Video mit einfachen Worten seine Position.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%