
Das Gelände ist in den Farben des Bayer-Konzerns mit blauen und grünen Luftballons geschmückt. Vor dem Eingang trommelt eine chinesische Frauen-Combo; Vorstandschef Werner Wenning und andere hochrangige Konzernmanager tragen eine Orchidee im Knopfloch. Rund 60 Kilometer von Shanghai entfernt, im Industriepark Caojing, weihen Bayer-Manager und chinesische Lokalpolitiker an diesem Septembertag drei neue Bayer-Produktionsanlagen ein. Hier entstehen künftig Kunststoffe und Lackrohstoffe. 1,4 Milliarden Euro investiert Bayer in Caojing – das größte Auslandsinvestment des Konzerns. Auf 1,5 Quadratkilometern produziert der Leverkusener Konzern mittlerweile in Caojing. Das Engagement soll sich lohnen: Denn am gewaltigen Wachstum des chinesischen Marktes – in den vergangenen Jahren um jeweils zehn Prozent – an der verstärkten Nachfrage etwa nach Autos und Konsumgütern, will Bayer kräftig mitverdienen. Eine der neuen Anlagen in Caojing stellt etwa Polyurethan her, der Kunststoff wird bevorzugt im Automobilbau eingesetzt. Nebenan werden künftig 100.000 Tonnen Polycarbonat produziert, für die Fertigung etwa von CDs und DVDs. Bis 2008 will Bayer die Produktion auf 200.000 Tonnen ausweiten. „Die chinesischen Hersteller haben Schwierigkeiten, Polycarbonat zu produzieren“, sagt Bayer-Chef Wenning. Und der Bedarf ist groß: Insgesamt 1,5 Millionen Tonnen Polycarbonate werden in China jährlich verbraucht, das ist mehr als die Hälfte des Weltmarktes. Ein neuer Auftrag ist auch schon klar: Das futuristische Dach des Tianjin Stadions für die Olympischen Spiele 2008 in Peking soll aus Polycarbonat bestehen. „Wir gehen nicht nach China, weil wir hier für ein paar Euro Vorteile bei den Lohnkosten haben, sondern weil unsere Märkte hier sind“, sagt Wenning. „Wir bauen in China nichts auf, was wir in Deutschland stilllegen.“ Auch vom wachsenden Umweltbewusstsein in China will Bayer profitieren. „Die Chinesen sind sehr bemüht, ihre Probleme in den Griff zu bekommen“, sagt Wenning, „als neulich Benzol in einem Gewässer entdeckt wurde, hat man uns gefragt, was denn jetzt am besten zu tun sei.“ Insgesamt setzte Bayer im vergangenen Jahr in China (inklusive Hongkong und Taiwan) 1,3 Milliarden Euro um. Knapp fünf Prozent des Konzernumsatzes sind das. 2006 sollen sich die Bayer-Einnahmen im Reich der Mitte um 20 Prozent auf über 1,5 Milliarden Euro erhöhen. Derweil arbeitet Bayer an der Steigerung seines Bekanntheitsgrads in China: Über der Innenstadt von Shanghai, zwischen all den Wolkenkratzern, ist auf dem Dach des Hotels Shanghai Mansion das Bayer-Kreuz zu sehen. Und über den Citigroup Tower, eines der neuen Wahrzeichen der Stadt, läuft seit Kurzem Leuchtwerbung von Bayer.













