China-Besuch: Guttenberg gibt den Weltpolitiker

China-Besuch: Guttenberg gibt den Weltpolitiker

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Sinn für symbolische Momente: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg besucht die Chinesische Mauer.

von Matthias Kamp

Bei seinem Besuch in Peking kann sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ein wenig von dem Berliner Polit-Hick-Hack erholen: Erst besucht er die Große Mauer, dann entwirft der politische Shootingstar noch schnell eine neue Weltordnung.

Sein Englisch ist nahezu akzentfrei - das fäll auf. Weil im Publikum fast ausschließlich Diplomaten und Militärvertreter aus aller Welt sitzen, wechselt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach einer kurzen Begrüßung auf Deutsch schnell ins Englische. Dicht gedrängt sitzen die Zuhörer an diesem Dienstagvormittag im Europasaal der deutschen Botschaft in Peking. Guttenbergs Vortrag ist unter dem Titel „Strategische Herausforderungen im 21. Jahrhundert – Perspektiven für China, Deutschland und Europa“ angekündigt.

Erst um halb drei Uhr morgens war der Verteidigungsminister mit seiner Entourage in Peking gelandet. Gerade Mal zwei Stunden habe er geschlafen, erzählt Guttenberg lächelnd, dann ging es los zu einem Ausflug an die Große Mauer vor den Toren der chinesischen Hauptstadt. Man merkt dem 38-Jährigen die Strapazen nicht an, und das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. „An impressive sunrise“, schwärmt Guttenberg vom Besuch der Mauer. Eine Visite des beeindruckenden Bauwerks muss wohl sein, so wie 2009 bei Guttenbergs USA-Reise ein Termin am New Yorker Times Square ins Programmm musste. Guttenberg ist ein Mann der Bilder.

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China übernimmt mehr Verantwortung auf der Weltbühne

Dann wird es ernst. Der Verteidigungsminister will über internationale Bedrohungen reden. Über den Terrorismus, über Piraterie, auch über den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel, vor allem aber darüber, welche Rolle Peking künftig bei der Bewältigung solcher Konflikte spielen kann. „Europa hat bei der Sicherheitspolitik hohe Erwartungen an China“, sagt Guttenberg. So möchte der Verteidigungsminister, dass das Land künftig eine wichtigere Rolle beim Aufbau Afghanistans spielt. Schon jetzt bilde China Beamte in Afghanistan aus, so der CSU-Politiker. Auch wenn China keine militärische Rolle am Hindukusch spielen werde, solle das Land künftig mehr Verantwortung im zivilen Bereich übernehmen. Auch plädiert Guttenberg in Peking für eine engere Kooperation zwischen der Nato und China und will den sicherheitspolitischen Dialog zwischen Peking und Berlin intensivieren.

Nach dem Fall der Berliner Mauer, dem Zerfall der Sowjetunion und der europäischen Integration ist der Aufstieg Chinas die nächste große geopolitische Veränderung. Und dieser Aufstieg ist mit mehr Verantwortung auf der Weltbühne verbunden. Das ist Guttenbergs Botschaft in Peking. Schon jetzt sei das Land an zehn UN-Missionen beteiligt. Auch stelle China beispielsweise die Chefin der Weltgesundheitsorganisation. „China übernimmt mehr Verantwortung auf globaler Ebene“, sagt Guttenberg, und er möchte, dass es in diese Richtung weitergeht.

Doch die Entwicklung eines Chinas, das die Globalisierung entscheidend mit präge, sei keinesfalls neu, erklärt der Verteidigungsminister in Peking. Schon einmal, im Mittelalter, sei das Reich der Mitte eine globalsierte Macht gewesen, erklärt Guttenberg seinen Zuhörern. Damals seien chinesische Seefahrer mit ihren Flotten in der ganzen Welt unterwegs gewesen und hätten Handel getrieben.

Seinen Redetermin in der deutschen Botschaft in Peking absolviert Guttenberg, wie er derlei Termine immer absolviert: souverän, geschliffen, ohne jeden Schnitzer. Weiter geht es für den CSU-Politiker in Peking mit einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie. Der symbolträchtigste Termin steht allerdings morgen früh auf dem Programm. Da soll Guttenberg Xi Jinping treffen. Xi ist stellvertretender Chef der chinesischen Militärkommission und gilt als Nachfolger von Staatspräsident Hu Jinatao, der 2012 abtritt. „Kronprinz trifft Kronprinz“, heißt es in Peking hinter vorgehaltener Hand.

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