China: Chinas Medienmacht und die Auslandspropaganda

China: Chinas Medienmacht und die Auslandspropaganda

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Ein Zeitungsstand in China. Die Medien haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem

Chinas Image in der Welt ist schlecht. Mit einer milliardenschweren Medienoffensive will Peking das nun ändern. Zudem will das Land seine Stellung in der internationalen Medienlandschaft deutlich ausbauen.

Der Hauptsitz der „Global Times“ liegt in einer der teuersten Gegenden Pekings. In der Nachbarschaft des gläsernen Baus erheben sich Luxushotels wie das Shangri-La und das Park Hyatt. Nebenan stehen die markanten Türme des chinesischen Staatssenders CCTV, 100 Meter weiter will sich Chinas Parteiblatt, die „Volkszeitung“, demnächst eine neue Zentrale bauen. Mediencity haben Pekings Stadtplaner das prestigeträchtige Viertel im Herzen der Hauptstadt getauft.

Im vierten Stock des „Global -Times“-Hochhauses sitzt Li Hongwei und korrigiert die Druckfahnen der nächsten Ausgabe. Der schmächtige Chinese ist stellvertretender Chefredakteur des Blattes, Chinas zweiter englischsprachiger Tageszeitung nach der „China Daily“. Sie gehört zum Verlag der „Volkszeitung“ und ist erst vor gut einem Jahr an den Start gegangen. Leser sind vor allem in China lebende Ausländer. Doch Li und seine Kollegen in Verlag und Chefredaktion denken weiter. „Wir wollen mit unserer Zeitung irgendwann ins Ausland gehen“, sagt er. Die internationale Meinungsbildung werde von Blättern wie der „New York Times“ oder der „Washington Post“ bestimmt, sinniert der Journalist. „Da wollen wir mitmischen.“

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Kleiner Baustein im großen Plan

Sein Blatt ist dabei ein kleiner Baustein eines großen Plans des kommunistischen Regimes. Pekings Parteiführer wollen ihr Land zu einer globalen Medienmacht ausbauen, die auf einer Stufe mit den USA und Großbritannien steht. Geld ist reichlich vorhanden, denn die Werbeeinnahmen der Staatsmedien schießen in die Höhe. Rund 6,5 Milliarden Dollar will China in den kommenden Jahren in die „Auslandspropaganda“ investieren, wie Partei-Insider die weltweite Offensive nennen. Große Staatsmedien wie CCTV und die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua sollen neue Angebote in zahlreichen Sprachen entwickeln und in asiatischen Nachbarländern, im arabischen Raum, aber auch in Europa und Amerika verbreiten. Auch mit einem englischsprachigen Nachrichtensender nach dem Vorbild von al-Dschasira will Chinas Regierung der Welt künftig ihre Sicht zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen vermitteln.

Gesteuert wird der Frontalangriff auf CNN, BBC & Co. unter anderem von Pekings Mediencity aus. Die Stoßrichtung hat Li Changchun vorgegeben, Mitglied im Ständigen Ausschuss des KP-Politbüros. Es gehe darum, „energisch die Errungenschaften der KP, des Sozialismus und der Reformpolitik sowie das großartige Mutterland zu preisen“.

Chinas Parteiführer haben erkannt, dass ihr Land ein Imageproblem hat. Wie ein Weckruf wirkte das PR-Desaster beim olympischen Fackellauf vor zwei Jahren, als in vielen ausländischen Städten massive Polizeikräfte die Fackelträger vor wütenden Demonstranten abschirmen mussten. Es genügt nicht, so die Erkenntnis in Peking, die Herrschaft nach innen diktatorisch zu verteidigen. Das Reich der Mitte will sich der Welt als modernes und vermeintlich weltoffenes Land präsentieren und dafür sorgen, dass das Ausland bei China an mehr denkt als Raubkopien, Umweltsünden und Menschenrechtsverletzungen.

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