China: Die Angst vor dem eigenen Volk

China: Die Angst vor dem eigenen Volk

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Produktion bei Foxconn

von Matthias Kamp

Die Herrscher in Peking fürchten ein Überschwappen der Protestwelle aus Nordafrika. Darum verschärfen sie den Kampf gegen die Armut - und den Druck auf Kritiker.

Sun Xinxing hatte keine andere Wahl. Er schmiss sein Studium hin. Zwei Jahre hatte der heute 33-Jährige Elektrotechnik in Zhengzhou, einer Provinzhauptstadt in Zentralchina, studiert. Dann geriet seine Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Sun suchte sich eine Stelle in einer Fabrik, um seinen Eltern zu helfen. Seitdem hangelt er sich von Job zu Job. Seit fünf Monaten arbeitet er bei Foxconn, dem Unternehmen aus Taiwan, das unter anderem für Apple die iPhones baut.

Rund 950 Yuan verdient Sun im Monat. Das sind ziemlich genau 104 Euro und entspricht dem gesetzlichen Mindestlohn der Stadt Zhengzhou, in der die Foxconn-Fabrik steht. "Wenn ich jeden Tag zwei Überstunden mache und samstags eine volle Schicht arbeite, habe ich am Monatsende 1700 Yuan", sagt Sun. Trotzdem: Viel Geld ist das nicht in einer Stadt, in der ein Kilo Hühnerfleisch 18 Yuan, ein Kilo Brokkoli 15 Yuan oder zwei Liter Pflanzenöl 60 Yuan kosten. Der Traum von der eigenen Wohnung wird für Sun wie für Millionen anderer Durchschnittsverdiener in China wohl nie in Erfüllung gehen: "Unerschwinglich."

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Vor kaum etwas fürchten sich Chinas kommunistische Machthaber mehr als vor unzufriedenen Arbeitern wie Sun. Die Sorge, der Frust könnte sie demnächst ähnlich wie in Ägypten, Tunesien oder Libyen zu Hunderttausenden auf die Straßen treiben, treibt Pekings Politikern den Schweiß auf die Stirn.

Die Polizei reagiert

Am letzten Februar-Wochenende kursierten erneut Online-Aufrufe zu Demonstrationen in Peking und in 22 anderen chinesischen Städten. Der Apparat reagierte mit der vollen Härte des Polizeistaates. Hunderte Polizisten, Zivilbeamte, bewaffnete Polizei sowie Schlägertrupps, teils als Straßenkehrer getarnt, riegelten Pekings Haupteinkaufsstraße Wangfujing ab. Dort, vor einem McDonald’s-Restaurant, sollten die Proteste angeblich stattfinden. Polizei und Staatssicherheit setzten vorübergehend zahlreiche Journalisten fest, einer wurde krankenhausreif geschlagen. Das harsche Vorgehen verwundert umso mehr, als es am Ort des Geschehens keinerlei Zeichen von Demonstrationen gab. Die anonymen Aufrufe im Internet haben Peking offenbar tief verunsichert. Schon im Vorfeld hatten die Behörden Dutzende Aktivisten festgenommen oder unter Hausarrest gestellt sowie die Online-Zensur verschärft.

Angst vor Preisauftrieb

Gleichzeitig versuchen die Herrscher, das Volk zu beruhigen. In einem Internet-Chat versicherte Premierminister Wen Jiabao, die Regierung werde alles tun, um den Anstieg der Immobilienpreise und vor allem die Preissteigerung bei Lebensmitteln zu bekämpfen. Im Januar kletterten die Verbraucherpreise um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Man werde die Wirtschaft insgesamt auf ein solideres Fundament stellen, versprach Wen. Künftig solle das Wachstum nur noch bei sieben Prozent liegen. Im vergangenen Jahr ist Chinas Wirtschaft noch um 10,3 Prozent gewachsen. Auch der Nationale Volkskongress befasst sich anlässlich der Verabschiedung seines neuen Fünfjahresplans mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und den daraus resultierenden sozialen Spannungen.

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