China: Die Spiele sind zu Ende, jetzt beginnt die Arbeit

China: Die Spiele sind zu Ende, jetzt beginnt die Arbeit

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Peter Mandelson, EU-Kommissar für Handel

Peter Mandelson, EU-Kommissar für Handel, schreibt über die Veränderungen durch die Olympischen Spiele, Chinas Rolle als industrieller Wettbewerber und die wirtschaftliche Stabilität des Riesenreiches.

 Vielerorts in China konnte man ihn förmlich hören, den Seufzer der Erleichterung, als die olympische Fackel an Großbritannien übergeben wurde. Nachdem sie die größte und wichtigste globale Sportveranstaltung ausgerichtet hatten, konnten die Menschen endlich wieder zu ihrer Alltagsarbeit zurückkehren – sich der täglichen Herausforderung stellen, einen neuen globalen Wirtschaftsmotor zu steuern. 

Dass die Olympischen Spiele von Peking zu Ende sind, bedeutet nicht, dass China nun nicht mehr im Rampenlicht stünde. Die tiefgreifenden Veränderungen, die in Peking im Vorfeld der Spiele stattfanden, sind für Chinas Stadtplaner nichts Besonderes, im Gegenteil: Das Bautempo in Städten wie Shanghai, Chongqing und Shenzhen ist so rasant, dass sogar die Einheimischen zuweilen nach dem Weg fragen müssen. 

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Die Entwicklung der chinesischen Städte ist ein Indikator dafür, was in unserer vernetzten globalen Wirtschaft geschieht. Der chinesische Boom verändert die wirtschaftliche Landschaft. Bis 2050 wird die chinesische Volkswirtschaft wahrscheinlich größer sein als die der USA, und auch Indien, Brasilien, Russland und Indonesien sind Kandidaten für Spitzenplätze. Uns in Europa bleibt nichts anderes übrig, als mit China zu leben und zu arbeiten.

Chinas Bedeutung für die globale Wirtschaft als industrieller Wettbewerber und geopolitischer Player wird uns in Europa unweigerlich Kopfzerbrechen bereiten. Aber China ist auch eine Nachfragemaschine, die wir sehr gut bedienen können.

Ein Engländer brachte es im 19. Jahrhundert auf den Punkt: Wenn jedermann in China seinen Hemdschoß um einen Fuß verlängern würde, hätten die englischen Textilmühlen ein Jahr zu tun. Nun, heute verkaufen die Chinesen uns Textilien. Die Version für das 21. Jahrhundert, für Deutschland zumindest, würde lauten: Wenn jedermann in China einen Volkswagen fahren würde, … oder Riesling trinken, … oder ein Konto bei einer deutschen Bank hätte, … Aber das kann ja noch kommen.

Die Konsumausgaben in Chinas Städten steigen jedes Jahr um 10-12 %. Dieser Markt ist größer als Frankreich, Deutschland und Spanien zusammengenommen und wird bis Ende des Jahrzehnts über eine Kaufkraft von schätzungsweise einer Billion Euro jährlich für hochwertige Güter verfügen. Diese Verbraucher suchen Qualität nicht nur bei ihren eigenen Herstellern, sondern auch bei uns.

Sicher, es gibt nach wie vor ein Ungleichgewicht in der Beziehung. Die EU verzeichnet noch immer ein beträchtliches Handelsdefizit gegenüber China - 2007 waren es etwa 160 Milliarden EUR. Die anhaltende Schwäche des Dollar gegenüber dem Yuan bedeutet, dass das Gros der chinesischen Exportzuwächse derzeit in der EU erzielt wird. Das ist selbstverständlich gut für die Verbraucher und auch für Unternehmen, die nach preisgünstigeren Inputgütern Ausschau halten. Aber eine Handelsbeziehung zu China kann nur Bestand haben, wenn sie in beide Richtungen ausgewogen ist.

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