China-Exporte: Der Dalai-Lama-Effekt

China-Exporte: Der Dalai-Lama-Effekt

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Der Dalai Lama ist spiritueller Führer und geistiges Oberhaupt der Tibeter

Staaten, die das tibetische Oberhaupt empfangen, müssen danach mit sinkenden Exporten nach China rechnen, sagt eine neue Studie.

Als US-Präsident Barack Obama im Februar den Dalai Lama empfing, reagierte die chinesische Regierung wie auf Knopfdruck: Sie bestellte den US-Botschafter ein, sprach von "verletzten Gefühlen" – und drohte mit wirtschaftlichen Sanktionen.

Nur eine Drohgebärde? Mitnichten. Wie zwei Wissenschaftler der Universität Göttingen herausgefunden haben, müssen Staaten, deren Vertreter den Dalai Lama treffen, anschließend mit sinkenden Exporten nach China rechnen. Jede Zusammenkunft mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter betrachtet Peking als Affront – und nutzt seine Kontrolle über die heimische Wirtschaft, um den Handel mit kritischen Staaten einzuschränken.

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13 Prozent weniger Exporte

Um die Existenz dieses "Dalai-Lama-Effekts" nachzuweisen, verwendeten die Forscher eine Methode, die in der empirischen Sozialwissenschaft als Gravitationsmodell bezeichnet wird. Anhand des Modells lässt sich prüfen, welche Faktoren die Handelsbeziehungen zwischen Ländern beeinflussen.

Üblicherweise fließen dort Einflussgrößen wie Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerungsgröße und die räumliche Entfernung zwischen zwei Staaten ein. Als zusätzliche Variable fügten die Wissenschaftler nun die Reiseziele des Dalai Lama hinzu. Als Zeitraum wählten sie 1991 bis 2008. Sie unterteilten diese Periode in zwei Abschnitte, um für die Zeit vor und nach der Machtübernahme von Staatschef Hu Jintao 2002 separate Tests durchführen zu können. Ergebnis: Seit Beginn der Hu-Ära nutzt Peking seine wirtschaftliche Macht in verstärktem Maße, um Druck auszuüben. Empfängt ein Land den Dalai Lama, sinken seine Exporte nach China in den darauffolgenden Jahren um durchschnittlich 13 Prozent.

Dalai-Lama-Effekt hält zwei Jahre

Besonders empfindlich reagiert das kommunistische Regime, wenn hochrangige Politiker – etwa Kanzler, Premierminister und Präsidenten – den Dalai Lama treffen. In solchen Fällen schrumpft der Export nach China besonders stark. Weniger deutlich sinkt er nach Zusammenkünften mit Diplomaten und Abgeordneten. Unterschiede zeigen sich auch bei den Warengruppen: Besonders stark geht der Verkauf von Maschinen, Lokomotiven, Schiffen und Trucks zurück – also solcher Produkte, die während Staatsbesuchen gern von Wirtschaftsdelegationen verkauft werden. Weniger stark betroffen sind Konsumgüter und Chemikalien. Obama, Merkel & Co. können sich aber trösten: In der Regel verschwindet der  Dalai-Lama-Effekt nach zwei Jahren wieder, so die Forscher.

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