China: Hongkong: Opfer der Finanzkrise

China: Hongkong: Opfer der Finanzkrise

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Blick über Hongkong: Kaum eine Stadt in Fernost leidet mehr unter der Finanzkrise

Kaum eine Stadt in Fernost leidet unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise so wie Hongkong. Im Sinkflug befinden sich der Export, das Bankgeschäft und der Tourismus.

Angus Cheung ist Immobilienmakler und hat sein Büro im Hongkonger Stadtteil Wanchai. In die Fenster des kleinen Geschäfts im Erdgeschoss hat der kurz gewachsene Chinese die neuesten Wohnungsangebote gehängt. Wanchai ist das Vergnügungsviertel Hongkongs.

Doch nach Feiern steht Cheung derzeit nicht der Sinn. „Der Patient liegt auf der Intensivstation“, sagt der Makler und meint die Immobilienpreise, die infolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zwischen 10 und 20 Prozent gefallen sind. Cheung zeigt auf die Schilder ringsherum. „Zu vermieten“ oder „zu verkaufen“ steht überall auf den Tafeln.

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Der Immobilienmarkt ist längst nicht die einzige Branche, die derzeit leidet. Ob Außenhandel, Tourismus oder Finanzdienstleistungen: Die weltweiten Turbulenzen hinterlassen in der Finanz- und Handelsmetropole Hongkong tiefe Schleifspuren. Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft der ehemaligen britischen Kolonie gerade mal noch um 1,7 Prozent, nach 4,2 Prozent im zweiten Vierteljahr.

Technisch befindet sich Hongkong bereits in der Rezession. Im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre war Hongkong noch um 7,3 Prozent gewachsen. Für das kommende Jahr rechnet Ma Jun, China-Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong, damit, dass die Wirtschaftsleistung der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt um 1,8 Prozent schrumpfen wird.

Dass die Krise Hongkong mit einer solchen Wucht trifft, hat einen einfachen Grund. Die Wirtschaft der Sonderverwaltungsregion hängt vor allem vom Außenhandel, Tourismus, von Finanzdienstleistungen und vom Immobilienmarkt ab – Branchen, die von der globalen Krise unmittelbar betroffen sind.

So exportiert Hongkong jedes Jahr Güter im Wert von 400 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Es sind vor allem Textilien, Schuhe und Elektronikprodukte aus China, die über Hongkongs Containerhafen, einem der größten der Welt, nach Europa und Amerika verschifft werden. Doch mit der rapide nachlassenden Nachfrage im Westen bricht der Containerumschlag regelrecht zusammen. Seit Juli sind die Frachtraten in Hongkong um fast 40 Prozent gefallen.

Ähnlich heftig ziehen die weltweiten Turbulenzen die Tourismusbranche der Stadt in die Tiefe. Hongkong ist traditionell das Drehkreuz für Asienreisende. Doch weil die Konsumenten im Westen ihr Geld zusammenhalten, brach die Zahl der Besucher aus Übersee im Oktober um 25 Prozent ein, Tendenz fallend.

Hotels klagen über leere Betten, Restaurants melden Konkurs an, und Hongkongs Airline Cathay Pacific fliegt mit halbleeren Maschinen um die Welt. Jetzt will die Gesellschaft massenhaft Flüge streichen und bietet dem Personal unbezahlten Urlaub an.

Noch schlimmer trifft es den Finanzsektor, ein traditionelles Standbein der Wirtschaft in Hongkong. Weil das Geschäft mit Krediten, Derivaten und Börsengängen zusammengebrochen ist, entlassen die großen Finanzinstitute ihre Mitarbeiter zu Tausenden. So wollen Morgan Stanley und Goldman Sachs in Hongkong jeweils rund 100 Angestellte vor die Tür setzen.

Die Development of Singapore will sich in Hongkong von 200 Mitarbeitern trennen, Standard Chartered Bank ebenfalls, und auch die deutschen Geldhäuser bauen in Hongkong massiv ab. Die angeschlagene HSH Nordbank will von 150 Mitarbeitern in Hongkong noch fünf behalten, die Krisenbank BayernLB schließt ihre Niederlassung gleich ganz. Die Umzugsunternehmen der Stadt können sich derzeit vor Anfragen kaum retten – für die entsandten Mitarbeiter der Banken geht es zurück in die Heimat.

Kaum rosiger sind die Aussichten für den Immobilienmarkt. Für das kommende Jahr rechnet Deutsche-Bank-Ökonom Ma mit einem Rückgang der Immobilienpreise zwischen 20 und 30 Prozent. Die neuesten Zahlen verheißen wenig Gutes.

Die Zahl der Wohnungsverkäufe ist im November auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren gefallen, und ein Ende der Abwärtsspirale ist nach Meinung der meisten Analysten nicht in Sicht. Immobilienmakler Cheung dürfte auch in Zukunft nicht zum Feiern zumute sein.

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