China: In der Krise sind sich die Chinesen selbst die nächsten

China: In der Krise sind sich die Chinesen selbst die nächsten

Bild vergrößern

Arbeitssuche auf Chinesisch: Die Wirtschaftskrise hat viele Wanderarbeiter im Reich der Mitte den Job gekostet. Hier bewirbt ein Arbeitssuchender seine Fähigkeiten auf einem "Jobmarkt in Zhengzhou

Wer gehofft hatte, China würde seine gewaltigen Reserven mobilisieren und sich an vom Finanz-Tsunami gebeutelten Banken und Unternehmen im Ausland beteiligen, ist enttäuscht worden. Chinas Staatsfonds CIC ist vor allem damit beschäftigt, chinesische Banken, allen voran die Agricultural Bank of China, zu unterstützen.

Eine Beteilgung an dem fast insolventen Familienunternehmen Schaeffler etwa, wie sie ein arabischer Staatsfonds erwägt, kommt nicht in Frage. Der Autohersteller Geely hat Gerüchte dementiert, es würde von Ford den schwedischen Hersteller Volvo übernehmen. Und einem Hersteller von Halbleitern in Shanghai haben die Behörden untersagt, eine Fabrik in den USA kaufen. Das Reich der Mitte als Rettungsanker der Welt fällt aus.

Chinas Unternehmen und die Regierung nutzen ihre prall gefüllten Schatullen, um die heimische Wirtschaft zu stützen – und sie tun gut daran. Im letzten Quartal 2008 brach das Wirtschaftswachstum auf 6,8 Prozent ein, die für die Konjunktur wichtigen Exporte schrumpften im Januar um 17 Prozent.  Analysten hatten mit einem Minus von 10,8 Prozent gerechnet. Die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch und mit ihr die Furcht der Partei vor sozialen Unruhen – das Regime, so die Befürchtung in Peking, könnte ins Wanken geraten. Die Regierung muss sich etwas überlegen, um die Leute von den Straßen zu bekommen. Also wird im Inland investiert, was das Zeug hält.

Anzeige

Mit ihren ersten Gehversuchen im Ausland sind die Chinesen ohnehin enttäuscht worden. Beteiligungen des Staatsfonds an Blackstone und Morgan Stanley beispielsweise erwiesen sich als Flop, als deren Aktien im vergangenen Jahr abstürzten. Der belgische Finanzkonzern Fortis ging pleite, nachdem der chinesische Versicherer Ping An eingestiegen war. „Ihr verbrennt unser Geld“, beschimpften Parteikader führende Manager bei CIC. In Internetforen fordern Chinas Bürger, das Land solle das viele Geld nutzen, um das Bildungssystem zu verbessern, statt von Amerikanern kaputt gewirtschaftete Banken zu kaufen.

Aber China muss aufpassen, nicht übers Ziel hinauszuschießen und zu sehr nach Innen zu schauen. Schon haben Behörden angekündigt, die Subventionen für die Landwirtschaft erhöhen und heimische Agrarbetriebe durch schärfere Importkontrollen schützen zu wollen. Auch hat Premierminister Wen Jiabao eine Abwertung der chinesischen Währung nicht explizit ausgeschlossen. Das könnte Handelskonflikte zur Folge haben.

Immerhin hat ein Vizeminister des Pekinger Handelsministeriums erklärt, eine Klausel „Buy Chinese“ (analog dem "Buy American" in den USA) sei für das chinesische Konjunkturpaket undenkbar. China wolle das Vier-Billionen-Yuan-Programm auch dazu nutzen, Technologie und Produkte in Europa zu kaufen. Unternehmen wie Siemens machen sich große Hoffnungen. Bleibt abzuwarten, was davon letztlich wirklich in europäischen Auftragsbüchern ankommt.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%