China: Inhaftierter Nobelpreisträger hat Leberkrebs

China: Inhaftierter Nobelpreisträger hat Leberkrebs

, aktualisiert 26. Juni 2017, 16:45 Uhr
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Der Friedensnobelpreisträger wurde 2009 zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er in einem Manifest ein Ende der Ein-Parteien-Herrschaft gefordert hatte.

Quelle:Handelsblatt Online

Liu Xiaobo gilt als bekanntester politischer Häftling Chinas. Jetzt wird er auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen, weil bei ihm Leberkrebs diagnostiziert wurde. Unterstützer fürchten um sein Leben.

PekingDer inhaftierte chinesische Dissident und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo hat Leberkrebs. Die Krankheit sei schon weit fortgeschritten, Liu sei deshalb aus medizinischen Gründen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden, teilte sein früherer Anwalt Mo Shaoping am Montag der Nachrichtenagentur AP mit. Der 61-Jährige befindet sich demnach in einem Universitätskrankenhaus in der Stadt Shenyang.

Liu ist der bekannteste politische Gefangene Chinas. Er war im Jahr 2009 zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er in einem Manifest ein Ende der Ein-Parteien-Herrschaft gefordert hatte. 2010 war ihm wegen seines Kampfes für grundlegende Menschenrechte in China vom norwegischen Nobelkomitee der Friedensnobelpreis zugesprochen worden – zum Unmut der chinesischen Regierung. Erst im April normalisierte Peking nach sechs Jahren wieder seine Beziehung zur Regierung in Oslo.

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Ob Liu Besuche von Angehörigen gestattet werden, ist unklar. Anwalt Mo sagte, die Frau des Aktivisten, Liu Xia, sei seines Wissens nach nach Shenyang gereist. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte, er habe keine Informationen zu Lius Fall.

Nach Angaben Mos wurde die Diagnose bei Liu am 23. Mai gestellt. Zumindest vor zehn Tagen sei sein Zustand noch stabil gewesen, sagte der Anwalt unter Berufung auf Angehörige Lius. Allerdings äußerte er sich besorgt, weil eine Bewährung aus medizinischen Gründen nur bei besonders schwer Erkrankten gewährt werde.

Weggefährten des Dissidenten zeigten sich schockiert. „Das sind bedauernswerte Nachrichten für ihn und seine Familie, und es ist ein Dämpfer für Chinas Demokratiebewegung, denn so viele Menschen haben – zu Recht – ihr Vertrauen in ihn gesetzt“, sagte der Rechtsgelehrte Zhang Xuezhong. Er forderte, dass bei der Behandlung Lius keine Kosten und Mühen gescheut werden und dass alle Details dazu offengelegt werden.

Die Soziologieprofessorin Guo Yuhua von der Tsinghua-Universität in Peking pflichtete ihm bei. Liu sollte auch eine Reise ins Ausland erlaubt werden, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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