China: Mehr Truppen für Xinjiang

China: Mehr Truppen für Xinjiang

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Militär in den Straßen von Kashgar, China

In Xinjiangs Provinzhauptstadt Urümqi herrscht am heutigen Freitag gespannte Ruhe. In den Straßen sind weitere Truppen aufgezogen, vor der größten Moschee stehen gepanzerte Wagen. Wenige Tage nach den schweren Unruhen mit mehr als 150 Toten ist die Stimmung noch immer aufgeheizt. Ein Funke reicht, um die Unruhen wieder aufflammen zu lassen.

Zwei weiße gepanzerte Fahrzeuge flankieren das Eingangstor zu Urumqis größter Moschee. Zwischen den Wagen stehen rund 30 bewaffnete Militärpolizisten. Hinter ihnen, im Hof der Moschee, sind Militär-Lkw geparkt. Dazwischen haben Truppen mit Helmen und Schilden Stellung bezogen.

Zutritt zur Moschee haben Urumqis Muslime heute nicht. Aus Angst, die Uiguren könnten das Freitagsgebet für Proteste nutzten, bleibt das Gebetshaus gschlossen. Einige Hundert  Meter weiter in der Yanan-Straße sollen einige Uiguren gegen die Schließung der dortigen Moschee lautstark protestiert haben. Schließlich hätten bewaffnete Polizei und Militär eingelenkt und die Moschee zum Freitagsgebet geöffnet.

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Fünf Tage nach den schweren Unruhen, bei denen zuerst muslimische Uiguren Han-Chinesen angriffen und zwei Tage später Han-Chinesen gewaltsam gegen Uiguren vorgingen, ist die Stimmung in Urumqi, der Hauptstadt von Chinas Westprovinz Xinjiang, noch immer zum Reißen gespannt. Gerüchte über Tote in der weiter westlich gelegenen Stadt Kaschgar machen die Runde. Andere erzählen von erschossenen Han-Chinesen und Uiguren in Urumqi. In einem Stadtviertel, erzählt ein Mann, seien in der vergangenen Nacht 74 Uiguren verhaftet worden. Zu verifizieren sind solche Angaben kaum, zeigen aber, wie angespannt die Lage noch ist. Ein geringfügiger Anlass reicht, um die Unruhen, bei denen am vergangenen Sonntag nach Angaben der chinesischen Regierung 156 Menschen gestorben sind, wieder zum aufflammen zu bringen.

Weiteres Militär in Xinjiang

Für die Regierung wäre dies ein Alptraum, könnten weitere Ausschreitungen doch zu einer ernsthaften Destabilisierung der westlichen Gebiete Chinas führen. Peking verlegt darum mehr und mehr Truppen und Eliteeinheiten aus anderen Provinzen nach Xinjiang. Auch, so heißt es, sollen sich inzwischen einige hochrangige Mitglieder der Pekinger Führung in Urumqi aufhalten. Fest steht wohl, dass die Zentralregierung in der 3000 Kilometer entfernten Hauptstadt mit der Reaktion der lokalen Führung auf die Unruhen vor fünf Tagen hoch unzufrieden ist. Polizei war erst Stunden nach Beginn der Ausschreitungen zur Stelle und griff dann in vielen Fällen nicht ein.

Ein Opfer der zögerlichen Reaktion der Polizei ist Cai Cuiying, eine Han-Chinesin. An Hals, Oberschenkel und Armen hat die 71-Jährige rotblaue und grüne Flecken. „Mindestens zehnmal haben sie mit einem Knüppel auf mich eingeschlagen“, flüstert Cai. Sprechen kann sie kaum; im Xinjiang Volkskrankenhaus kümmern sich die Ärzte um sie. Neben dem Bett in der neunten Etage des Hospitals sitzt Cais Tochter und kann es noch immer nicht fassen: „Wie kann man eine alte Frau so schlagen. Ich dachte erst, meine Mutter sei tot.“

Als die alte Frau am Sonntagabend gegen acht Uhr den Abfall rausbringen wollte, ging es los. „Eine Horde junger Uiguren“, erzählt sie, „kamen mit Knüppeln und Steinen in den Hof gerannt und schlugen auf mich ein.“ Keiner der Männer sei älter als 18 gewesen, glaubt Cai. Von den Uigruen aus ihrer Nachbarschaft, sagt die Frau, war niemand dabei. „Die kamen von außerhalb.“ Wie es zu der massiven Gewalt gegen die Han-Chinesen gekommen ist, kann sich Cai nicht erklären. „Ich verstehe das nicht, wir sind doch mit den Uiguren in all den Jahren immer gut ausgekommen“, sagt sie.

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