China: Tibet: Zutritt verboten

China: Tibet: Zutritt verboten

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Kangding: An fast jeder Ecke kontrollieren Polizisten und Soldaten die Straße

Zum 50. Jahrestag der Flucht des Dalai Lama nach Indien drohen im tibetischen Teil Chinas neue Unruhen. Touristen bleiben aus, die Wirtschaft leidet.

Lärm und Hektik der chinesischen Metropolen sind in Kangding weit weg. Schmale Gassen durchziehen das Städtchen im Südwesten Chinas. Links und rechts stehen kleine Holzhäuser, in manchen haben sich Restaurants und Souvenirläden einquartiert. Das Gemurmel tibetischer Mönche im nahgelegenen Anjue-Kloster vermischt sich mit dem Plätschern des Bachs, der durch den Ort fließt. Im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Sechs- und Siebentausender des Himalaya – eine atemberaubende Kulisse.

Kangding, das auf Tibetisch Dardo heißt, hat gut 100.000 Einwohner und liegt im Westen der Provinz Sichuan. Bis zur Grenze nach Tibet sind es noch etwa 400 Kilometer. Wie in den südlichen Gebieten der Nachbarprovinzen Qinghai und Gansu, leben auch in diesem Teil Chinas hauptsächlich Tibeter; die Han-Chinesen sind in der Minderheit.

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Tourismus bricht ein

Von den landschaftlichen Reizen Westchinas haben sich in den letzten Jahren immer mehr Touristen anlocken lassen. So kamen 2006 rund 940.000 Besucher in die Region Kangding, im Jahr darauf waren es schon 1,1 Millionen. Doch seit genau einem Jahr stockt der Touristenstrom. Nur noch gut 300.000 Reisende besuchten 2008 Kangding und Umgebung. Die Einnahmen aus dem Tourismus brachen um rund 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 31 Millionen Euro ein. Für eine Region, in der der Fremdenverkehr ein Viertel zur Wirtschaftsleistung beiträgt, eine mittlere Katastrophe. In den anderen tibetischen Regionen Chinas ist das kaum anders.

Grund für das jähe Ende des Touristenbooms sind die Unruhen in Tibets Hauptstadt Lhasa und den tibetischen Gebieten Westchinas im März 2008. Zunächst hatten Mönche in den Straßen Lhasas friedlich gegen Pekings Politik in Tibet demonstriert. Später setzten radikale Tibeter Häuser und Geschäfte von Chinesen in Brand und attackierten die Inhaber. Zum Jahrestag der Ausschreitungen in dieser Woche befürchtet die chinesische Regierung erneut Unruhen – zumal dieser mit dem 50. Jahrestag des Aufstands der Tibeter gegen Peking und der anschließenden Flucht des Dalai Lama nach Indien zusammenfällt.

Die fortdauernden Spannungen lassen eine baldige Erholung des Geschäfts mit dem Tourismus nicht zu. „Früher kamen immer viele Reisende aus der ganzen Welt“, sagt die Inhaberin eines Restaurants im Zentrum von Kangding. Die Wände des Lokals sind mit bunten, tibetischen Teppichen dekoriert. Zu den Spezialitäten des Hauses gehören gekochtes Yakfleisch und gefüllte Teigtaschen. Seit den Unruhen im vergangenen Jahr aber, klagt die Frau, habe sich kein Tourist mehr sehen lassen. „Wann es besser wird, weiß ich nicht“, sagt die Restaurantbesitzerin.

Touristen dürfen nicht nach Tibet

China: Kangding liegt in der Provinz Sichuan, westlich von Chengdu

China: Kangding liegt in der Provinz Sichuan, westlich von Chengdu (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Auswahl)

Um in den tibetischen Gebieten für Ruhe zu sorgen, hat die chinesische Regierung die Sicherheitsvorkehrungen in den letzten Wochen massiv verstärkt – in der verträumten Berg-Idylle herrscht ein Klima der Angst und Einschüchterung. In der Provinzstadt Kangding etwa stehen an fast jeder Straßenecke Polizeiwagen. Gleich in mehreren Stadtteilen hat die Armee zusätzliche Stützpunkte eingerichtet; hinter hohen Zäunen stehen reihenweise nagelneue Militärlaster. An der Ausfallstraße Richtung Westen kontrolliert die Militärpolizei jedes Fahrzeug. Ausländische Journalisten haben seit einigen Wochen zu den meisten tibetischen Regionen Chinas keinen Zugang mehr. Die Provinz Tibet ist zudem für Touristen aus dem Ausland gesperrt. Es habe in der Vergangenheit in der Region „Probleme mit der sozialen Stabilität“ gegeben, umschreibt An Deqiang, Vizeminister der Propaganda-Abteilung in Kangding, den Konflikt mit den Tibetern. Darum hätten die Behörden „bestimmte Maßnahmen“ ergreifen müssen.

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