China und Konjunktur: Hart und schmerzhaft

China und Konjunktur: Hart und schmerzhaft

, aktualisiert 19. Januar 2016, 10:56 Uhr
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Der Arbeitsmarkt ist von entscheidender Bedeutung für Peking.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

Weltwachstumstreiber China verliert weiter an Fahrt. Das war unvermeidbar. Denn Peking muss das Wirtschaftsmodell umsteuern. Daraus ergibt sich eine entscheidende Frage. Ein Kommentar.

Chinas Wirtschaft ist 2015 so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr gewachsen. Zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Kulturrevolution vor fast fünf Jahrzenten ist auch die Stromproduktion rückläufig. Sind das die Indikatoren eines Crashs? Nein. Die Zentralregierung musste die Strukturreform vorantreiben. Daher konnte das Wachstum nicht langfristig auf einem hohen Niveau bleiben.

Auch der Rückgang der Energieerzeugung 2015 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist kein Indikator, dass die Wirtschaft in große Schwierigkeiten geraten ist. Während die energieintensive Schwerindustrie leidet, gewinnt der Dienstleistungssektor. Zudem unternehmen viele Firmen Anstrengungen, um ihre Energieeffizienz zu steigern. Das ist sicherlich ein Teil der Erklärung für den Rückgang.

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Chinas Führung hat die zentralen Probleme des von Investitionen und Exporten abhängigen Wirtschaftsmodells erkannt. Mit zahlreichen Programmen soll der Dienstleistungssektor gestärkt werden. Gerade Internetfirmen wie Alibaba und Tencent entwickeln sich zu starken Wachstumstreibern. Alleine das Geschäft mit Onlinehandel ist in den vergangen fünf Jahren im Durchschnitt um etwa 40 Prozent jährlich gewachsen.

Die entscheidenden Probleme liegen an anderen Stellen. Chinas Schulden wachsen rund doppelt so schnell wie das Wirtschaftswachstum. Die großen Staatsbanken vergeben hauptsächlich Kredite an große Staatsunternehmen. Ineffiziente Betriebe können über Jahre dank günstiger Staatskredite weiter produzieren, obwohl sie kaum noch Kunden haben. Die Überproduktion etwa im Stahlsektor schadet auch europäischen Firmen.

Bei diesen Themen wird sich zeigen, ob sich die Reformer in Peking durchsetzen können. Wird die Zentralregierung die Staatsbetriebe reformieren und ineffizienten Firmen den Geldhahn abdrehen? Ein Umbau dieser Firmen ist lange überfällig. Aber die Folgen könnten schmerzhaft werden: Sinkende Produktion, weniger Steuereinnahmen und steigende Arbeitslosigkeit.

Gerade der Arbeitsmarkt ist von entscheidender Bedeutung für Peking. Bislang konnte Firmen im Dienstleistungssektor viele Arbeiter aus der Industrie auffangen, etwa mit dem rasanten Aufbau von einen Logistiksystem der Online-Händler Alibaba und JD.com, die Produkte nach dem Kauf im Internet innerhalb kürzester Zeit zu ihren Kunden auch in ländlichen Regionen Chinas liefern wollen. Aber das Potenzial ist begrenzt.

Das Jahr 2016 könnte ein Jahr der Entscheidung für Peking werden. Werden sich progressive Reformer gegen die mächtigen Staatsbetriebe durchsetzen? Oder können sich einflussreiche Interessengruppen behaupten und nötige Reformen weiter aufschieben?

Quelle:  Handelsblatt Online
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