_

China: Unruheprovinz Xinjiang: Ausgebeutet statt entwickelt

von Matthias Kamp (Urumqi)

Bei den Rassenunruhen in Chinas Nordwestprovinz Xinjiang entlädt sich lang angestauter Frust über die Zentralregierung – auch wegen deren Umgang mit den riesigen Rohstoffreserven der Region. WirtschaftsWoche-Korrespondent Matthias Kamp berichtet aus der Unruheprovinz.

Paramilitärs patroullieren in Quelle: AP
Paramilitärs patroullieren in Urumqi, in Chinas Provinz Xinjiang Quelle: AP

Aus der Vogelperspektive sehen sie aus wie schwarze Stecknadeln mit roten Köpfen. Alle ein bis zwei Kilometer ragt in der Region Korla südlich von Urumqi ein Bohrturm aus dem Steppenboden. Auf jedem der Stahlungetüme flattert die rote chinesische Flagge. Hier, in der unwirtlichen Gegend im Nordwesten des Landes fördert Peking Öl und Gas.

Anzeige

Im Zuge des Wirtschaftsbooms in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Chinas staatliche Energieriesen die Produktion in der Gegend um Urumqi massiv ausgeweitet. Allein im so genannten Tarim-Becken, in dem die Stadt Korla liegt, haben die Konzerne die Förderung zwischen 2000 und 2007 verzwanzigfacht. In anderen Regionen der Provinz Xinjiang, die etwa ein Sechstel der Fläche Chinas ausmacht, ist es ähnlich.

Unter der Steppe Xinjiangs liegen Chinas größte Öl-, Gas-, Kohle-, Uran- und Goldreserven. Unter anderem die große Bedeutung, die die Provinz für die Energieversorgung des Riesenreichs hat, erklärt Pekings Furcht vor Abspaltungstendenzen jeder Art. „Schon bevor die Chinesen die Ölfelder entwickelt haben, wolten sie Xinjiang keine Unabhängigkeit zugestehen“, sagt ein muslimischer Bewohner in Korla, „doch jetzt wäre es absolut unmöglich.“

Wie besorgt Chinas KP über die jüngsten Entwicklungen in Xinjiang ist, zeigt die Rückkehr von Staats- und Parteichef Hu Jintao aus Italien heute mittag (Ortszeit Peking). Noch vor Beginn des G8-Gipfels war Hu zurück nach Peking geflogen, um sich um die Stabilisierung der Situation in der Unruheregion zu kümmern, wie es in Regierungskreisen heißt. Normalerweise lässt Peking kaum ein hochkarätiges Forum aus, um seinen Status als neue Weltmacht zu unterstreichen.

Doch zum Teil hat Chinas Regierung sich die feindselige Haltung der muslimischen Uiguren in Xinjiang selbst zuzuschreiben. So profitieren etwa von der Öl- und Gasförderung in der Region Korla vor allem die Zentralregierung in Peking und die Han-Chinesen in der Region. Im Jahr 2005 fielen in der petrochemischen Industrie der Region Steuereinnahmen von umgerechnet fast 1,5 Milliarden Euro an. Gerade Mal 24 Millionen Euro wanderten in den Haushalt der Lokalregierung Xinjiangs, den Rest strich Peking ein.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.10.2009, 00:46 UhrAnonymer Benutzer: grundrechte

    Sehr geehrte Herr Schmidt,
    ihrer Aussage nach zu beurteilen ist jene Situation, die man in Xinjiang auffindet, eine, die der natürlichen Auslese gleichzustellen ist.

    Dennoch ist es nicht angebracht, Menschen, denen Grundrechte, wie Religionsfreiheit und die Freiheit der persönlichen Entfaltung verweigert werden, als Halbaffen zu bezeichnen, welches den Vorwurf bestätigt, Uiguren seien keine vollwertigen Menschen.

    Einem Volk, das seit über 60 Jahren repressive Politik zu überleben hat, und im Mittelalter eine Hochkultur war, ohne die Zentralasien kulturell nicht so fortgeschritten wäre, dies zu unterstellen, zeigt und beweist nunmehr, dass ihr Gehirn nicht mal die Hälfte dem eines Affens entspricht.

    Mit freundlichen Grüßen

    Kritiker

  • 27.07.2009, 20:21 UhrAnonymer Benutzer: der mächtige

    boykott china!

  • 14.07.2009, 20:31 UhrAnonymer Benutzer: j.b.

    Also, das ist ja wohl unerhört! Wer sagt denn bitte, dass die Rohstoffe eines Landes dem gehören, der sie sich nimmt!! Haben wir etwa schon eine globale Gesetzgebung?

    Hochverehrter Schmidt, würden Sie sich nicht wehren, wenn jmd. einfach die Reserven ihres Landes wegnimmt und Sie nicht dran teilhaben lässt!! Das wäre doch pures Konfliktpotenzial! Oder würden Sie dann etwa zum Halbaffen werden? Ach ja, Sie sind ja eigtl. schon einer, denn Sie sind genauso ein Mensch wie auch die Uiguhren. Ein bisschen mehr Respekt bitte.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.