
Aus der Vogelperspektive sehen sie aus wie schwarze Stecknadeln mit roten Köpfen. Alle ein bis zwei Kilometer ragt in der Region Korla südlich von Urumqi ein Bohrturm aus dem Steppenboden. Auf jedem der Stahlungetüme flattert die rote chinesische Flagge. Hier, in der unwirtlichen Gegend im Nordwesten des Landes fördert Peking Öl und Gas.
Im Zuge des Wirtschaftsbooms in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Chinas staatliche Energieriesen die Produktion in der Gegend um Urumqi massiv ausgeweitet. Allein im so genannten Tarim-Becken, in dem die Stadt Korla liegt, haben die Konzerne die Förderung zwischen 2000 und 2007 verzwanzigfacht. In anderen Regionen der Provinz Xinjiang, die etwa ein Sechstel der Fläche Chinas ausmacht, ist es ähnlich.
Unter der Steppe Xinjiangs liegen Chinas größte Öl-, Gas-, Kohle-, Uran- und Goldreserven. Unter anderem die große Bedeutung, die die Provinz für die Energieversorgung des Riesenreichs hat, erklärt Pekings Furcht vor Abspaltungstendenzen jeder Art. „Schon bevor die Chinesen die Ölfelder entwickelt haben, wolten sie Xinjiang keine Unabhängigkeit zugestehen“, sagt ein muslimischer Bewohner in Korla, „doch jetzt wäre es absolut unmöglich.“
Wie besorgt Chinas KP über die jüngsten Entwicklungen in Xinjiang ist, zeigt die Rückkehr von Staats- und Parteichef Hu Jintao aus Italien heute mittag (Ortszeit Peking). Noch vor Beginn des G8-Gipfels war Hu zurück nach Peking geflogen, um sich um die Stabilisierung der Situation in der Unruheregion zu kümmern, wie es in Regierungskreisen heißt. Normalerweise lässt Peking kaum ein hochkarätiges Forum aus, um seinen Status als neue Weltmacht zu unterstreichen.
Doch zum Teil hat Chinas Regierung sich die feindselige Haltung der muslimischen Uiguren in Xinjiang selbst zuzuschreiben. So profitieren etwa von der Öl- und Gasförderung in der Region Korla vor allem die Zentralregierung in Peking und die Han-Chinesen in der Region. Im Jahr 2005 fielen in der petrochemischen Industrie der Region Steuereinnahmen von umgerechnet fast 1,5 Milliarden Euro an. Gerade Mal 24 Millionen Euro wanderten in den Haushalt der Lokalregierung Xinjiangs, den Rest strich Peking ein.













