China: Verfrühte Freude über flexibleren Yuan

KommentarChina: Verfrühte Freude über flexibleren Yuan

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Kommentator für die Wirtschaftswoche Matthias Kamp

von Matthias Kamp

Am Wochenende hat Chinas Zentralbank eine flexiblere Wechselkurspolitik verkündet. Doch am Montag blieb der Kurs des chinesischen Yuan zum US-Dollar unverändert. Eine rasche Aufwertung ist denn auch nicht zu erwarten.

Begeisterung rund um den Globus hat Chinas Zentralbank mit ihrer Ankündigung vom Wochenende ausgelöst. China werde sein Wechselkursregime „weiter reformieren und die Flexibilität beim Wechselkurs erhöhen“, hatte die People’s Bank of China am Samstag auf ihrer Internetseite verkündet. Von einem „konstruktiven Schritt, der bei der Sicherung des Aufschwungs helfen und zu einer ausgewogenen Weltwirtschaft führen kann“, sprach sogleich US-Präsident Barack Obama.

Zwei Tage danach herrscht bereits Ernüchterung. Am ersten Handelstag nach der Ankündigung der Zentralbank ist der Wechselkurs des Yuan zum amerikanischen Dollar praktisch unverändert zum Kurs vom vergangenen Freitag. Und das dürfte in nächster Zeit auch so bleiben.

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„Mit einer nennenswerten Aufwertung braucht niemand zu rechnen“, sagt ein ehemaliger Berater der Zentralbank, „denn der Widerstand einzelner Interessengruppen gegen eine rasche Aufwertung ist gewaltig.“ Vor allem die breite Masse der exportorientierten Firmen in China betreibe Lobbyarbeit bei der Regierung gegen eine Anpassung des Wechselkurses. Sorge bereitet den Chinesen auch der schwache Euro, der Ausfuhren aus dem Reich der Mitte in die Eurozone verteuert.

Keine einmalige Aufwertung de chinesischen Währung

Die Richtung gaben heute schon mal die staatlich kontrollierten chinesischen Tageszeitungen vor. Chinas Exporteure seien nicht in der Lage, größere Fluktuationen beim Yuan zu bewältigen, schrieben das „China Securities Journal“ und die englischsprachige „China Daily“ übereinstimmend.

Die Nachfrage im Ausland bleibe unsicher, und die chinesischen Ausfuhren könnten in der zweiten Jahreshälfte auf Grund der Schuldenkrise in Europa wieder zurückgehen, kommentierte das „China Securities Journal“, Chinas größte Finanzzeitung. Im Mai hatten Chinas Ausfuhren um 48,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt. Auf dem Höhepunkt der Krise hatten in den großen Exportzentren im Osten des Landes Zehntausende Unternehmen dicht gemacht. Bis zu 20 Millionen Wanderarbeiter hatten ihre Jobs verloren.

Yuan soll schwanken

Mit ihrer Ankündigung vom Wochenende wollte die Zentralbank vor allem möglicher Kritik an Chinas Wechselkurspolitik auf dem G20-Gipfel, der in dieser Woche im kanadischen Toronto beginnt, zuvorkommen. Pekings Staatsführer rechnen vor allem mit größerem Druck aus Washington, denn in den USA stehen im Herbst Kongresswahlen an. Im Wahlkampf dürfte der unterbewertete Yuan eine Rolle spielen. In den Augen vieler Amerikaner ist die schwache chinesische Währung, die die Exporteure im Reich der Mitte subventioniert, ein Grund für die hohe Arbeitslosigkeit in den USA.

Im Sommer 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, war Chinas Zentralbank zur festen Bindung des Yuan an den US-Dollar zurückgekehrt. Zuvor war Chinas Währung an einen Korb aus US-Dollar, Euro, Yen und anderen Währungen gekoppelt gewesen. Analysten schließen aus der jüngsten Ankündigung der Zentralbank, dass Peking nun zum Währungskorb zurückkehren wird und den Yuan in einer täglichen Bandbreite von 0,5 Prozent schwanken lassen wird.

„Einzelheiten dazu, wie die Reform des Wechselkursregimes von statten gehen soll, wie der Währungskorb aussieht und  wie schnell eine Yuan-Anpassung kommt, gibt es aber nicht“, sagt Wang Tao, China-Chefökonomin bei UBS in Peking. Sicher sei allerdings, dass es keine einmalige Aufwertung de chinesischen Währung zum US-Dollar geben werde. „Auch keine symbolische von zwei bis drei Prozent“, so Wang.

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