China: Wie ein Detektiv vom Jäger zum Gejagten wurde

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China: Wie ein Detektiv vom Jäger zum Gejagten wurde

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Korruption und Veruntreuung in China: Peter Humphrey deckte jahrelang auf und wurde vom Jäger zum Gejagten.

von Philipp Mattheis

Jahrelang deckte Detektiv Peter Humphrey im Auftrag internationaler Firmen in China Korruption und Veruntreuung auf. Dann nahm er die falschen Leute ins Visier.

Anfang 2013 erhält Mark Reilly, Chinachef des britischen Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline, ein paar unangenehme E-Mails. Die Absender drohen ihm, Dokumente zu Bestechungspraktiken zu veröffentlichen. Auch ein Beweisvideo privater Verfehlungen liege ihnen vor. Viele vermuten hinter den E-Mails eine ehemalige Glaxo-Mitarbeiterin, die bis Dezember 2012 für „Beziehungen zur Regierung“ zuständig war. Mit der Drohung, die Dokumente anderenfalls zu veröffentlichen, soll sie von Reilly eine hohe Summe verlangt haben.

Reilly sieht sich als Opfer einer Kampagne. Er wendet sich an den Detektiv und Ermittler Peter Humphrey. Humphrey und seine Frau haben sich mit ihrer Firma ChinaWhys seit Jahren darauf spezialisiert, Korruption und Veruntreuung in China aufzudecken. Zu ihren Kunden zählen namhafte internationale Firmen, auch viele deutsche. Er soll belastendes Material über die Erpresserin finden.

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So benehmen Sie sich in China richtig

  • Begrüßung

    Der Händedruck sollte nicht zu kräftig, sondern locker bis weich sein. Nicht die Dame wird zuerst begrüßt, sondern der Ranghöchste. Wenn Sie Leute vorstellen: Niemals mit dem Zeigefinger auf jemanden zeigen – extrem unhöflich! Besser ist es, die ganze Handfläche zu benutzen.

  • Essen

    Reis wird immer zuletzt gereicht. Zum Essen wird die Schale dicht an den Mund geführt, der Reis mit Stäbchen geschaufelt. Nie mit den Essstäbchen gegen die Schale tippen – das tun nur Bettler! Absolut tabu ist es, die Stäbchen in den Reis zu stecken: Symbol für Tod. Nudeln ebenfalls mit Stäbchen zum Mund führen und schlürfend einsaugen. Schlürfgeräusche sind durchaus erwünscht, als Zeichen dafür, dass es einem schmeckt.

  • Einladung

    Chinesen werden dabei aus Höflichkeit zurückhaltend essen. Sie wollen wiederholt zum Essen aufgefordert werden.

  • Getränke

    Meist werden Schnaps, Bier oder Wein zum Essen gereicht, die Gläser randvoll gegossen. Das Personal schenkt immer neu nach, ansonsten der Mann der Frau, der Ranghöhere dem Rangniederen. Bei der Aufforderung „Ganbei“ („Das Glas trocknen“) trinken alle ihr Glas in einem Zug aus. Dazu erhebt sich die Runde.

  • Geschenke

    Werden erwartet. Gerne Obst, Kuchen oder alkoholische Getränke. Jedoch keine Uhren – auf Chinesisch kann „eine Uhr schenken“ auch „eine Beerdigung besuchen“ bedeuten. Die Präsente werden nie in Anwesenheit des Schenkenden ausgepackt – Zeichen von Gier.

  • Hotels

    Möglichst nicht in einem Hotel mittlerer Kategorie absteigen. Status und Prestige sind in China extrem wichtig. Chinesen fragen beim ersten Meeting gerne, in welchem Hotel man wohnt.

  • Kleidung

    Formale Kleidung – dunkler Anzug und Krawatte – sind im Geschäftsalltag ein Muss. Wer Jeans und Krawatte trägt, wird nicht ernst genommen. Ebenso sind schrille Farben tabu. Für Frauen gelten in China inzwischen westliche Konventionen: Standard ist der dunkle Hosenanzug.

  • Kritik

    Direkte und offene Kritik ist in China tabu. Stattdessen beteuern: Der Mitarbeiter habe seine Sache gut gemacht und beim nächsten Mal schaffe er es sicher auch.

  • Pausen

    Besprechungen am Vormittag enden um halb zwölf – dann wird in China Mittag gegessen. Abendessen beginnen spätestens um 18.30 Uhr.

  • Small Talk

    Beim Kennenlernen sind persönliche Fragen nach Familienstand, Kindern, sogar nach Höhe des Gehalts üblich. Nicht ausweichend antworten! Wer zudem über die Bundesliga Bescheid weiß, genießt hohes Ansehen: Europäischer Fußball ist bei Chinesen beliebt. Tabu sind dagegen Politik, Kritik an Missständen, Umweltverschmutzung und Menschenrechten

  • Verhandlungen

    Am Beginn steht ein ausgedehntes Essen, während dem Gespräche über Geschäftliches tabu sind. Das entscheidende Thema kommt zum Schluss. Sollte es mal haken, auf keinen Fall aus der Haut fahren! Das bedeutet Gesichtsverlust. Besser freundlich bleiben und beteuern, dass man am Abschluss interessiert sei. Oft kommt dann nach wenigen Tagen ein Anruf, der Entgegenkommen zeigt.

  • Vier

    Die Zahl kann auf Chinesisch auch „Tod“ bedeuten. Nie etwas schenken, das in irgendeiner Weise diese Zahl enthält!

  • Visitenkarten

    Immer viele mitnehmen, mit beiden Händen überreichen und genauso annehmen. Karte noch einen Moment betrachten.

Von hier an könnte die Geschichte einen erwartbaren Verlauf nehmen: Humphrey wäre der Erpresserin auf die Spur gekommen, hätte den Manager aus der Schusslinie gebracht, sein Honorar bekommen. Die Erpresserin wäre angeklagt worden, vielleicht hätten die Beteiligten auch Stillschweigen vereinbart.

Stattdessen wird Humphrey wenig später selbst festgenommen, angeklagt und für zwei Jahre in Shanghai ins Gefängnis gesperrt. Erst am 17. Juni dieses Jahres kommt er frei – und erzählt seine Geschichte.

WirtschaftsWoche: Herr Humphrey, Sie sind gerade aus der Haft entlassen, wohnen nun in einem Haus in Südengland. Warum wurden Sie überhaupt von den chinesischen Behörden inhaftiert?

Momentan kann ich keine Namen von Personen oder Unternehmen nennen. Aber: Ein europäischer Großkonzern beauftragte uns, eine Schmutzkampagne zu untersuchen. Der Chinachef des Unternehmens wurde erpresst. Jemand verlangte viel Geld, sonst würde er die Korruptionspraktiken dieses Unternehmens veröffentlichen. Die Vorgesetzten des Chinachefs wollten wissen, wer dahintersteckt.

Was geschah dann?

Wir konnten herausfinden, dass diese erpresserische Person selbst Dreck am Stecken hat. Wir schrieben einen Bericht und händigten ihn dem Chinachef des Unternehmens aus.

Über allem steht die KP Chinas langer Weg zum Rechtsstaat

Peking will den Rechtsstaat stärken - so, wie die Kommunistische Partei ihn versteht. Dabei geht es vor allem um Recht als Herrschaftsinstrument. Der Weg zu mehr Fairness für die Bevölkerung ist noch weit.

Quelle: REUTERS

Obwohl über den Fall öffentlich berichtet wurde, nimmt Humphrey den Namen GlaxoSmithKline (GSK) nicht in den Mund, wohl auch, um eine spätere außergerichtliche Einigung mit dem Konzern nicht zu gefährden.

Kurz nachdem er und seine Frau im Sommer 2013 ihren Bericht abgegeben haben, durchsuchen chinesische Behörden die Büros von GSK. Der Konzern hatte über Jahre chinesische Ärzte und Krankenhäuser mit Geld und Geschenken dazu animiert, seine Medikamente zu verschreiben. Es flossen Bestechungsgelder in dreistelliger Millionenhöhe. GSK wird im September 2014 zu einer Strafe von drei Milliarden Yuan verurteilt, rund 430 Millionen Euro. Chinachef Mark Reilly erhält eine Bewährungsstrafe von drei Jahren.

Anstatt aber das Verfahren damit abzuschließen und dem Rechercheur im Stillen zu danken, erheben Shanghais Behörden Anklage gegen Humphreys Firma ChinaWhys. Der Vorwurf: illegaler Datenhandel.

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2 Kommentare zu China: Wie ein Detektiv vom Jäger zum Gejagten wurde

  • Der Mann muss Nerven haben...

  • Der Mann hat Nerven - und darf eine auskömmliche Abfindung vom Ex-Auftraggeber erwarten, die es ihm ermöglichen sollte, sein weiteres Leben und das seiner Familie angemessen zu finanzieren.

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