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China: Wie sich China in Europa einkauft

von silke.wettach@wiwo.de , Brüssel, yvonne esterhazy , London, anne grüttner , Madrid, gerhd höhler , Athen, matthias kamp und Peking

Pekings Machthaber nutzen die Krise in Europa und investieren Milliarden in klamme EU-Länder. Dort ist das Geld willkommen – doch die Angst vor Abhängigkeiten wächst.

Giorgos Papandreou und Wen Quelle: dpa
Giorgos Papandreou und Wen Jiabao Quelle: dpa

Mary O’Rourke erinnert sich noch genau an den Moment, als sie die Pläne für das Millionenprojekt zum ersten Mal vor sich sah, ausgebreitet auf dem Boden ihres Wohnzimmers. Ken So, ein alter Freund der Familie und Besitzer des örtlichen China-Restaurants, hatte die irische Parlamentsabgeordnete in ihrem Heim in Athlone besucht, einer Kleinstadt mit 7000 Einwohnern. Ein Konferenzzentrum im Stil eines chinesischen Palasts, zwei Fünf-Sterne-Hotels, ein Bahnhof, eine Schule, ein Krankenhaus, ein Golfplatz und ein 180 Meter hoher Aussichtsturm entstanden vor O’Rourkes Augen. „Es war aufregend“, sagt die frühere Ministerin.

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Bis zu 35 000 Besucher pro Woche soll die Großinvestition in das Städtchen ziehen, versprechen die Investoren. Bisher verirrten sich nur Angler wegen der reichen Lachsbestände in den umliegenden Gewässern nach Athlone, das ziemlich genau in der Mitte Irlands liegt – weit weg vom nächsten internationalen Flughafen. Das Projekt, im Volksmund Shanghai-on-Shannon genannt, mag an Größenwahn grenzen. Doch selbst Irlands Premierminister Brian Cowen macht sich dafür stark. Chinesische Politiker bestätigen ihm, dass „China einem Freund wie Irland in diesen schwierigen Zeiten beistehen wird, wo es nur kann“.

Vermeintliche Großzügigkeit

Irlands Hoffnungen beruhen auf den Erfahrungen anderer gebeutelter Länder der Euro-Zone. In den vergangenen Monaten hat sich China in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien als Retter in der Not präsentiert. Sein Land habe „nicht gleichgültig weggeschaut, als manche Mitglieder der Euro-Zone in Schwierigkeiten waren“, rühmt sich Chinas Premierminister Wen Jiabao und kündigt den Fortgang der Wohltaten an. „Wir werden weiter Hilfe leisten und gewissen Ländern über ihre Schwierigkeiten hinweghelfen.“

Den Chinesen fällt ihre vermeintliche Großzügigkeit leicht. Mehr als 2,4 Billionen Dollar Devisenreserven haben sie angehäuft, für die sie Verwendung suchen. Da kommt es ihnen nur gelegen, dass klamme Euro-Länder um jeden Investor dankbar sind, der Geld ins Land bringt und Staatsanleihen erwirbt, die andere eiligst aus dem Depot räumen.

Offener Empfang

An der Peripherie Europas werden die Chinesen wie Heilsbringer empfangen, im Herzen Europas wird ihr wachsendes Engagement dagegen mit Argwohn betrachtet. Wenn China europäische Anleihen kaufe, sinnierte kürzlich in Brüssel der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger, dann stehe dahinter nicht die Caritas: „China übernimmt die EU, und wir Europäer verkaufen unsere Seele.“

Nach Asien und Afrika ist nun Europa dran. China rollt den alten Kontinent von den Rändern her auf – und kommt in der Ersten Welt an. Während in den USA und in Mitteleuropa die Vorbehalte und Berührungsängste gegenüber der aufsteigenden Großmacht erheblich sind und China vor allem als Absatzmarkt für eigene Exporte genehm ist, werden die Chinesen in Europas krisengebeutelter Peripherie mit offenen Armen empfangen. Als der Ministerpräsident der größten Diktatur der Welt im Oktober durch Europa tourte, durfte Wen Jiabao in Athen vor dem Parlament sprechen, wo er mit reichlich Applaus bedacht wurde. In Rom ließ Ministerpräsident Silvio Berlusconi dem asiatischen Gast zu Ehren das Kolosseum rot anstrahlen.

Alle wollen sie die solventen Investoren bei Laune halten. Wen kündigte an, griechische Staatsanleihen zu kaufen, sobald Griechenland wieder in großem Stil an die Finanzmärkte zurückkehren werde. Seit Juni haben die Chinesen spanische Staatsanleihen im Wert von 625 Millionen Dollar gekauft, und es kursieren Spekulationen, bis zu 20 Prozent der jüngsten Anleiheemissionen in Portugal seien nach China gegangen. „Falls nötig, ist China bereit, alle nur mögliche Hilfe zu leisten“, hat Wen versprochen.

26 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.03.2011, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: jesus wong

    When China buys, no good. When China is not buying, no good either.
    i have read your articles so often i feel very sick. Corruption is only
    in China, Middleton vom Guttenburg they are all Chinese. Das ist egal. The World biggest enemies are bbC, CNN and most of the jounalists.
    the World has no peace with those bastards.

  • 29.11.2010, 17:32 UhrAnonymer Benutzer: aus Ningbo

    hey, keine Panik!

    klar, Chinas Macht beeindruckt schon, und wenn man Chinesen fragt, dann sagen sie: "Wie koennen alles!!". Was sie (die Chinesen) aber nicht wissen ist: sie koennen eben NiCHT alles, im Gegenteil, sie muessen noch RiCHTiG viel lernen!

    ich lebe seit vielen Jahren in China (11 Jahre) und wenn man die Fassade auch nur ein bisschen ankratzt... merkt man dass dahinter ein klapperiges Holzgeruest steht. insofern bin ich mal SEHR gespannt wie die Autobahn aussehen soll die Chinesen da fuer die Polen bauen... ob das eine richtige Entscheidung der Polen war? ich befuerchte das wird noch RiCHTiG teuer.

    Und, mir scheint es ist noch viel zu frueh fuer Chinesische Manager auslaendische Toechter zu fuehren. in Afrika mag ihr Fuehrungsstil funktionieren, aber in Europa? Dazu fehlt es den Chinesen doch noch sehr an Effizienz und Modernitaet und Management Know HOw.

    Und noch ein Gedanke: soo langfristig wie immer alle Glauben ist CHina garnicht. Hier werden innerhalb eines Jahres businessplaene entworfen, ausprobiert und ueber den Haufen geworfen. von langfristigen, nachhaltigen Strategien ist man hier WEiT entfernt.

    also, mal ruhig blut!

  • 29.11.2010, 12:21 UhrAnonymer Benutzer: ich

    War es nicht Lenin der sagte: Wir besiegen die Kapitalisten nicht auf dem Schlachtfeld, aber wir werden ihnen noch den Strick verkaufen, an dem wir sie zuletzt aufhängen werden!

    Das ist der Unterschied zu der schwachsinnigen Quartalssicht (und Politik) der Amerikaner und letztendlich des ganzen US-dominierten westlichen Wirtschafts- und Wertesystems:
    ie Chinesen denken und handeln in Dekaden!
    Und unsere Politiker und Wirtschaftsbosse sind - sorry - zu blöde das zu begreifen.

    Schade um unser schönes deutsches Modell, das wir nach dem Krieg mühsam aufgebaut hatten - seine Tage sind wohl unausweichlich gezählt.
    Die "Übernahme" der Macht durch die Chinesen und ihre Art die Welt zu sehen und zu gestallten hat schon längst begonnen und wird früher oder später auch bei uns seine unschöne Wirkung zeigen.

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