Chinas Präsident in Berlin: Weltmarktführer unter sich

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Chinas Präsident in Berlin: Weltmarktführer unter sich

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Chinas Präsident Xi Jinping ist auf Staatsbesuch in Berlin und möchte seine strategische Partnerschaft mit Deutschland besiegeln.

von Matthias Kamp und Christian Ramthun

Den Staatsbesuch von Xi Jinping nutzt Kanzlerin Merkel zum Aufbau einer strategischen Partnerschaft. Doch intensive Geschäfte sind wichtiger als große Politik.

Im Schatten der Krim-Krise findet der Besuch des chinesischen Präsidenten in Deutschland statt. Das suggeriert eine gewisse weltpolitische Normalität und zeigt, dass es in der Welt noch anderes als den Ärger mit Putin und der Ukraine gibt. Aber ein Zeichen setzen Präsident Xi Jinping und Bundeskanzlerin Angela Merkel doch, indem „wir unsere strategische Partnerschaft besiegeln“, wie Merkel es ausdrückt. Deutschland und China hätten inzwischen gegenseitiges politisches Vertrauen aufgebaut. In über 60 ständigen Dialog- und Kooperationsformaten arbeiten beide Seiten auf Regierungsebene mittlerweile zusammen. Die politische Zusammenarbeit ist der nicht zu unterschätzende Kitt für die intensiven wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern, die von Jahr zu Jahr um den Titel des Exportweltmeisters ringen und einander als Absatzmärkte dringend brauchen.

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Xi Jinping in Deutschland Frankfurt wird Drehscheibe für Yuan-Handel

Frankfurt wird zu einer wichtigen Drehscheibe für den boomenden Handel zwischen Europa und China. Beim Besuch von Präsident Xi Jinping in Deutschland soll eine entsprechende Erklärung unterzeichnet werden.

Ein Taxifahrer hält chinesische Yuan in den Händen. Beim Deutschland-Besuch von Xi Jinping wurde eine Kooperation vereinbart, die den Finanzplatz Frankfurt zu einer wichtigen Drehscheibe im Handel mit der Währung machen soll. Quelle: dpa

Der wichtigste Markt des Münchner Halbleiterherstellers Infineon? China. Wo verkauft BMW die meisten Autos? In China. Wo setzt Konkurrent Volkswagen die meisten Fahrzeuge ab? Natürlich in China, möchte man fast sagen. In kaum drei Jahrzehnten ist das Riesenreich im Osten zu einer bestimmenden Größe in den Geschäftsstrategien deutscher Unternehmen geworden. Sehr viel bestimmender als das geografisch näher liegende Russland.

Im Durchschnitt erwirtschaften die Dax-Konzerne inzwischen elf Prozent ihres Umsatzes im Reich der Mitte. Jeden Tag tauschen Deutschland und China Waren im Wert von fast 500 Millionen Dollar aus. Mehr als 8000 deutsche Firmen haben Aktivitäten im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Unterm Strich ist Deutschlands China-Engagement eine einzige Erfolgsstory.

Doch in letzter Zeit nimmt der Frust zu, mischen sich in die euphorischen auch immer mehr nachdenkliche Stimmen. Und es stimmt ja auch: Chinas Wirtschaft wächst deutlich langsamer als noch vor fünf Jahren, die Verschuldung ist dramatisch gestiegen. Bis zu vier Billionen US-Dollar Schulden, so lauten einige Schätzungen, schieben Kommunen, Kreise, Provinzen und Staatsbetriebe vor sich her. Auch legen Chinas Behörden Unternehmen aus dem Ausland immer strammere Fesseln an. Der Staat verlangt den Transfer von in der Heimat mühsam entwickelten Technologien, diskriminiert deutsche Hersteller von Windkraftanlagen bei öffentlichen Ausschreibungen, zwingt Daimler, BMW und Volkswagen in Joint-Ventures und verschleppt bewusst die Erteilung weiterer Lizenzen für Versicherer wie Allianz. Außerdem haben Know-how-Klau und Industriespionage aus China in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen.

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Doch wie man es dreht und wendet: Zum weiteren Engagement im Reich von Xi Jinping gibt es keine Alternative. Erste Anzeichen einer leichten Erholung in Europa können über die beunruhigenden Signale etwa aus Frankreich nicht hinwegtäuschen. In den USA sind die wirtschaftlichen Aussichten zwar etwas besser, doch die Musik spielt in Fernost. China glänzt mit Wachstumsraten von sieben Prozent und mehr.

Sicherlich wird es in den kommenden Jahren in Chinas wirtschaftlicher Entwicklung den einen oder anderen Rückschlag geben. Doch im chinesischen Hinterland leben immer noch 400 Millionen Menschen, die tagein tagaus an nichts anderem arbeiten, als an ihrem Aufstieg in die Mittelschicht. Sie wollen Autos, Wohnungen und Versicherungen. Anders als viele andere Länder, haben Deutschlands Unternehmen genau die Produkte, Technologien und Lösungen, die China für seinen Aufstieg in den kommenden Jahrzehnten benötigt.

Staats- und Parteichef Xi Jinping weiß, dass Chinas Entwicklung in eine kritische Phase getreten ist. Darum hat er so sehr auf die Verabschiedung des Reformpakets im vergangenen November gedrängt – dem umfassendsten seit den Reformen Anfang der Neunzigerjahre, als China seine Staatsbetriebe privatisiert hat. Xi ist sich darüber im Klaren, dass er sämtliche in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten erreichten Erfolge gefährden würde, würde er die Reformen nicht mit Hochdruck vorantreiben.

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