Chiphersteller: Ex-Infineon-Chef in Shanghai willkommen

Chiphersteller: Ex-Infineon-Chef in Shanghai willkommen

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Grace Semiconductor-Chef Schumacher

In München vom Hof gejagt, in Shanghai hochwillkommen: Ex- Infineon-Chef Ulrich Schumacher will den Chiphersteller Grace zum Global Player machen.

Ein großer Mann stürmt durch die Tür auf den Lift zu. Zerknittertes, hellblaues Hemd, keine Krawatte. Auf dem linken Arm ein aufgeklapptes Laptop, mit der rechten Hand hämmert er im Gehen auf die Tasten ein. Ulrich Schumacher in Aktion.

Immer rastlos, so ist Schumacher vielen Deutschen noch als Porsche fahrender Chef des Chipkonzerns Infineon in Erinnerung. Doch er rast nicht mehr durch die Münchner Infineon-Zentrale, sondern durch einen fünfstöckigen Bau am Stadtrand von Shanghai: Hier ist die Zentrale von Grace Semiconductor, einem der ersten chinesischen Hersteller von Halbleitern. Der Name ist Programm: Auf Chinesisch wird er mit den beiden Schriftzeichen „Hong“ und „Li“ umschrieben, die „großartig“ und „prächtig“ bedeuten.

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Und das soll Schumacher als CEO umsetzen: Er soll aus dem kleinen Chipproduzenten einen internationalen Konzern machen. Chinas Regierung möchte der Welt beweisen, dass das Land mehr kann als nur Billigproduktion. Speicherchips statt Spielzeug, lautet das Motto für Chinas nächste Entwicklungsstufe.

Seit einem Jahr führt Schumacher nun schon das chinesische Unternehmen mit seinen 1.600 Mitarbeitern. Lange überlegt hatte er nicht, ob er den Posten übernehmen will. Nicht dass er keinen Job hatte, nachdem er 2004 als Infineon-Chef aufgrund von Korruptionsvorwürfen, die nie bewiesen wurden, zurückgetreten war. Als er die Jobofferte erhielt, war er gerade für den US-Finanzinvestor Francisco Partners auf der Suche nach lukrativen Beteiligungen in der Halbleiterbranche.

Dabei stieß er auf Grace Semiconductor. Noch während er mit den Chinesen über einen möglichen Einstieg der Amerikaner verhandelte, bot ihm die Grace-Führung den Chefposten an. „Wenn ich in die Firma investieren würde, heißt das vor allen Dingen, dass ich an sie glaube“, sagt Schumacher, „deshalb habe ich zugesagt.“

Gute Voraussetzungen

Dass er der richtige Mann für die China-Mission ist, glauben auch unabhängige Experten. „Mit seinen weltweiten Kontakten in der Branche kann Schumacher viele Türen öffnen“, sagt Christoph Nettesheim, IT-Experte und Partner der Boston Consulting Group (BCG) in Peking.

Grace ist das Lieblingskind der Regierung. Vor fünf Jahren beauftragte der ehemalige Staats- und Parteichef Jiang Zemin seinen Sohn Jiang Mianheng mit der Gründung des Unternehmens. Der holte sich Winston Wang als Partner, den Sohn von Wang Yung-ching, einem der mächtigsten Tycoone Taiwans. Investor ist auch der Hongkonger Milliardär Li Ka-shing, der für seine Nähe zur Kommunistischen Partei bekannt ist. Größter Investor aber ist die Stadt Shanghai. Insgesamt rund 1,6 Milliarden US-Dollar haben Unternehmer und Politiker in das Unternehmen investiert. Dass Grace zu einem nicht unbeträchtlichen Teil der öffentlichen Hand gehört, ist für Schumacher kein Nachteil. Die Politiker würden ihm nicht ins Tagesgeschäft reinreden. Als Investoren wollten sie zwar Profite sehen, „aber vor allem wollen sie etwas bewegen“. Außerdem gewähre die Stadt Shanghai alle erdenkliche Unterstützung.

Weil die Chinesen gerne klotzen und nicht kleckern, haben die Investoren gewaltige Kapazitäten aufgebaut. Die zwei Grace-Werke in Shanghai sind fast doppelt so groß wie die Infineon-Fabrik in Dresden, aber nur zu 30 Prozent ausgelastet. Eine Fehlinvestition? Nein, sagt Schumacher, gesteht aber diplomatisch: „Das war damals sehr optimistisch, so groß zu bauen.“

Inzwischen sind die Investitionen abgeschrieben, und Schumacher sieht für Grace enormes Wachstumspotenzial. Denn wenn die Halbleiterkrise auf dem Weltmarkt ausgestanden ist, kann das Unternehmen ohne große Investitionen seine Produktion schnell verdreifachen. Zudem sind die Werke hochmodern ausgestattet, sodass sie ohne viel Aufwand auch Chips der nächsten Generation fertigen können.

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