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Chronik: Erfolge und Krisen der Globalisierung

von Andrea Auler

Seit 500 Jahren ist die Globalisierung geprägt von rasanten Entwicklungssprüngen und tiefen Rückfällen. Eine Chronik.

McDonalds Filiiale in Peking: Quelle: AP
McDonalds Filiiale in Peking: Asien gehört zu den Motoren der Globalisierung Quelle: AP

Schon im Altertum florierte rund um das Mittelmeer und in Europa der Handel mit Gütern. Im späten Mittelalter traten Unternehmerfamilien wie die Fugger oder Medici als erste „Global Player“ auf. Mit Entdeckung der Seewege nach Amerika und Asien Ende des 15. Jahrhunderts und der Gründung der Handelskompanien im 17. Jahrhundert beginnt eine Globalisierung nach heutigen Maßstäben – als weltweiter Austausch von Waren, Dienstleistungen und Know-how. Technischer Fortschritt sorgt für eine rasante Entwicklung des globalen Handels, der jedoch immer wieder von Krisen erschüttert wird.

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Im 18. Jahrhundert weiten Portugiesen, Spanier, Niederländer, Franzosen und Briten den Asienhandel deutlich aus. Maßgeblicher Motor ist die europäische Nachfrage nach Gewürzen, Textilien, Porzellan und Tee. In Amerika verschieben sich die Siedlungsgrenzen nach Westen, in Russland nach Osten. 1769 entwickelt der Schotte James Watt die Dampfmaschine. Güter können jetzt in Massenproduktion und damit günstiger für den globalen Absatzmarkt hergestellt werden.

1850 bis 1914 Die globalen Handelsbeziehungen weiten sich in hohem Tempo aus. Der Ausbau der Eisenbahnnetze ab 1840, die Eröffnung des Suezkanal (1869) und des Panamakanals (1914) verringern die Transportzeiten und -kosten erheblich. Die Telegrafie verbessert die Kommunikation rapide. England und Frankreich schließen 1860 einen Freihandelsvertrag, der erstmals das Meistbegünstigungsprinzip festschreibt. Handelsvorteile, die einem Vertragspartner gewährt werden, sind auch allen anderen Partnern einzuräumen. Bis auf Russland und die USA beteiligen sich alle wirtschaftlich relevanten Staaten an dem Vertrag. Heute ist das Meistbegünstigungsprinzip die wichtigste Grundlage aller Vertragswerke der Welthandelsorganisation WTO.

1914 bis 1945 Am Vorabend des Ersten Weltkriegs kehren die zerstrittenen Nationalstaaten dem Freihandel den Rücken und flüchten sich in Protektion ismus. Das globale Wachstum bricht ein. Die Welt rutscht Anfang der Dreißigerjahre in eine Depression, die zu Massenarbeitslosigkeit und der Verarmung weiter Teile der Bevölkerung führt. Nationalistische und totalitäre Kräfte erhalten Auftrieb. Deutschland entfacht den Zweiten Weltkrieg.

1944 Auf der Konferenz von Bretton Woods wird die Weltwirtschaft neu geordnet. 44 Staaten beschließen ein Weltwährungssystem mit festen Wechselkursen und gründen den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank. 1948 tritt das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (Gatt) in Kraft, der Vorläufer der WTO. Der Freihandel wird institutionalisiert.

In den Siebzigerjahren wird der Welthandel weiter liberalisiert, Zölle und andere Handelshemmnisse werden sukzessive abgebaut.

In den Achtzigerjahren beginnt der ökonomische Vormarsch zahlreicher Schwellenländer in Asien und Südamerika. Sie nutzen ihre geringen Arbeitskosten, um sich komparative Vorteile in der Güterproduktion zu sichern. Viele Staaten schaffen so den Anschluss auf den internationalen Märkten.

Ab 1990 Der Freihandel erreicht bis dato ungeahnte Ausmaße. Zwischen 1993 und 2007 vervierfacht sich das Welthandelsvolumen. Die Liberalisierung der Finanzmärkte lässt die globalen Bruttokapitalströme um ein Vielfaches anschwellen. Die Schattenseiten dieser Öffnung kommen erstmals 1997/98 in der Asienkrise zutage. Unregulierte Kapitalzuflüsse erzeugen in der Region einen Kreditboom, der nur unzureichend gegen Währungsschwankungen abgesichert ist. Als Finanzinvestoren gegen die asiatischen Währungen spekulieren und ihr Kapital abziehen, bricht das System zusammen. Stark betroffene Länder wie Thailand, Indonesien und Südkorea rutschen in eine mehrjährige Wirtschaftskrise. Ab Mitte der Neunzigerjahre wächst die Kritik an der Globalisierung. Bekannteste Gruppierung ist Attac, gegründet 1998.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends platzt die New-Economy-Blase an den Aktienmärkten. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York bringen eine neue Furcht vor terroristischen Bedrohungen. Handel und Finanzmärkte erholen sich erstaunlich schnell von der Krise.

Ab 2007 Der amerikanische Immobilienmarkt bricht ein. Die US-Häuserpreise fallen ins Bodenlose, es kommt zu hohen Kreditausfällen. Risikoreiche US-Kredite, die rund um die Welt weiterverkauft wurden, entfachen eine Lawine und bringen weltweit Banken in Zahlungsnöte. Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 kippt die Lage dann endgültig und löst eine tiefe, weltweite Vertrauenskrise an den Finanzmärkten aus. Die Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr. Die Regierungen springen mit Rettungs- und Konjunkturprogrammen ein. Doch eine weltweite Rezession ist nicht mehr aufzuhalten. Experten fürchten ein Wiederaufleben des Protektionismus.

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