ThemaUSA

Countdown zum „Fiscal Cliff“: Der Charme eines kleinen Klippensprungs

30. Dezember 2012, aktualisiert 30. Dezember 2012, 12:08 Uhr
huGO-BildID: 6962485 American citizens board a LCU (Landing Craft Utility) at a beach in Beirut, Lebanon, Friday, July 21, 2006, to be taken to the USS Trenton, which will evacuate 2,000 Americans to Cyprus. The United States prepared to ship about 5,000 Americans from Beirut Friday to nearly complete the evacuation of its citizens from Lebanon as the international exodus reached a peak. (AP Photo/Hussein Malla) Quelle: APBild vergrößern
huGO-BildID: 6962485 American citizens board a LCU (Landing Craft Utility) at a beach in Beirut, Lebanon, Friday, July 21, 2006, to be taken to the USS Trenton, which will evacuate 2,000 Americans to Cyprus. The United States prepared to ship about 5,000 Americans from Beirut Friday to nearly complete the evacuation of its citizens from Lebanon as the international exodus reached a peak. (AP Photo/Hussein Malla) Quelle: AP
von Astrid Dörner Quelle: Handelsblatt Online

Noch zwei Tage haben Demokraten und Republikaner Zeit, den Haushaltsstreit zu lösen und Amerika vor dem Sturz von der Fiskalklippe zu retten. Die US-Korrespondenten von Handelsblatt Online zählen den Countdown herunter.

Es ist ein ungewöhnlich geschäftiges Wochenende in Washington. Bis Montag Tage haben die beiden Parteien Zeit, einen Kompromiss zu finden und den Sprung über die „Fiscal Cliff“ zu vermeiden. Bis in die Nacht wurden am Samstag Papiere hin und her geschoben, über Details verhandelt und über neue Steuersätze debattiert. Am Sonntagnachmittag – spätestens – wollen die führenden Demokraten und Republikaner im Senat einen Deal ausgearbeitet haben. Vorher wird noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt: Senatoren füllen die Stühle auf den sonntäglichen Talk-Shows. Präsident Obama persönlich wird im Presseclub „Meet the Press“ auftreten, um noch einmal auf eine Einigung zu drängen.

Anzeige

Konjunkturbericht US-Wirtschaft legt stark zu

Die US-Wirtschaft erreichte im abgelaufenen Quartal die bisher höchste Dynamik im Jahresverlauf. Die guten Konjunkturdaten sind ein Hoffnungsschimmer in dem seit Monaten schwelenden Haushaltsstreit.

Konjunkturbericht: US-Wirtschaft legt stark zu

Alles konzentriert sich auf eine kleine Lösung in letzter Minute, die die schlimmsten Folgen der Fiskalklippe abwendet. Einen umfassenden Deal im Haushaltsstreit wird es in diesem Jahr wohl nicht mehr geben, obwohl Amerikas Politiker mehr als ein Jahr dafür Zeit hatten. Doch auch eine kleine Lösung ist noch längst nicht sicher. Für so manchen Politiker wäre es sogar attraktiver, das Land „über die Klippe“ springen zu lassen – zumindest für ein paar Tage.

Die USA zittern vor der „Fiskalklippe“

  • Was wären die wirtschaftlichen Folgen?

    Durch die "Fiskalklippe" könnten der US-Wirtschaft im kommenden Jahr mehr als 500 Milliarden Dollar entzogen werden. Das überparteiliche Haushaltsbüro im Kongress befürchtet, dass das Bruttosozialprodukt um 0,5 Prozent schrumpfen würde. Die Arbeitslosenquote würde bis Ende 2013 von derzeit 7,7 auf 9,1 Prozent steigen. Nach Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds dürfte sich ein Einbruch der US-Konjunktur auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken, die ohnehin schon gebannt die Schuldenkrise in der Eurozone verfolgt.

  • Welche Steuern sind betroffen?

    Die Steuererhöhungen betreffen die Einkommenssteuer, die Erbschaftssteuer, Abgaben auf Kapitalerträge sowie eine Reihe von Abschreibungsmöglichkeiten, die wegfallen würden. Die Beiträge zur staatlichen Rentenversicherung sollen dem Szenario entsprechend auch steigen. Obama warnt, dass eine typische Familie der Mittelschicht im Schnitt 2200 Dollar mehr Steuern zahlen müsste. Auch Konjunkturmaßnahmen wie die Verlängerung der Arbeitslosenhilfe würden Ende des Jahres auslaufen.

  • Welchen Umfang haben die Sparmaßnahmen?

    Das im August 2011 verabschiedete Haushaltskontrollgesetz verpflichtet die US-Regierung, die Ausgaben über zehn Jahre um 1,2 Billionen Dollar (gut 900 Milliarden Euro) zu kürzen. Allein im kommenden Jahr würden pauschal 55 Milliarden Dollar im Verteidigungshaushalt und weitere 55 Milliarden Dollar in anderen Bereichen gestrichen.

  • Was passiert zum Jahreswechsel?

    Zum Jahreswechsel laufen eine Reihe von Steuererleichterungen aus der Zeit von Obamas Vorgänger George W. Bush aus. Die meisten der Vergünstigungen wollen auch die Demokraten wie zuletzt im Dezember 2010 verlängern - nur bei den Topverdienern verlangen sie, dass die Steuersätze steigen. Weil sich die Republikaner dagegen stemmen, wirft Obama ihnen vor, die breite Bevölkerung als "Geisel" zu nehmen, um den Reichen ihre Steuerprivilegien zu erhalten.

    Die ab Januar drohenden Kürzungen gehen auf den Haushaltskompromiss vom Sommer 2011 zurück, als der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Die damals vereinbarten drakonischen Einschnitte waren eigentlich als eine Art Drohkulisse gedacht, damit sich Republikaner und Demokraten auf einen ausgewogenen Plan zum Abbau des Haushaltsdefizits verständigen. Doch ohne Lösung bis Jahresende wird die Sparbombe automatisch gezündet.

  • Was steckt hinter der "Fiskalklippe"?

    Die "Fiskalklippe" ist der jüngste Ausdruck des seit Jahren schwelenden Streits zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress über die Sanierung der Staatsfinanzen. Während die Demokraten von Präsident Barack Obama die Reichen stärker belasten wollen, lehnen die Republikaner höhere Steuern als Gefahr für Wirtschaft und Jobs ab. Stattdessen wollen sie vor allem bei den Sozialprogrammen stärker kürzen.

Denn schon Anfang Januar könnten die großen Fragen um eine stärkere Besteuerung der Reichen und um einen sinnvollen Schuldenabbau geklärt sein. Dann nämlich tritt der neu gewählte Kongress zusammen. Und sowohl für Obamas Demokraten als auch für die Republikaner gibt es Argumente, abzuwarten und nach dem 3. Januar erst eine Lösung zu finden, statt sich zu einem überstürzten Kompromiss drängen zu lassen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.