Crazy America: Wir werden Frankreich

Crazy America: Wir werden Frankreich

Der Kollaps an den Finanzmärkten hat den Präsidentschaftswahlkampf aus dem Banalitätenkabinett um mit Lippenstift angemalte Schweine und Sexualkunde für Kindergartenkinder zurück auf den Boden der Realität geholt. Bisher profitiert davon Barack Obama.

John McCain hat bereits in einer frühen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes immer mal wieder freimütig zugegeben, dass er von Wirtschaft eigentlich nicht viel versteht. Damals wollte er noch eine Kampagne in erster Linie um die nationale Sicherheit führen, denn dort sieht er seine Stärken und Barack Obamas Schwächen. Sein ökonomischer Berater Douglas Holtz-Eakin machte ihm dennoch klar, dass er dieses Bekenntnis der Unkenntnis besser unterlassen sollte. Jetzt kommt McCain angesichts der sich verschärfenden Krise der US-Wirtschaft nicht mehr darum herum, zu Wirtschaftsthemen Stellung zu beziehen.

Und prompt schießt er wieder Eigentore. Am Montag dieser Woche verkündete er „the Fundamentals of our Economy are strong“ – die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft sind stark. Prompt sah er sich im durch die Krise der US-Autoindustrie besonders hart betroffenen US-Bundesstaat Michigan mit protestierenden Bürgern konfrontiert, die ihm Plakate entgegen reckten, auf denen sie verkündeten, ihre wirtschaftlichen Daten würden alles andere als rosig aussehen.

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Am Dienstag bezeichnete McCain es als einen Fehler, wenn die Regierung den angeschlagenen Versicherungskonzern AIG mit Steuergeldern retten würde. Am Mittwoch, nachdem die Über-Nacht-Rettungsaktion beschlossene Sache war, ruderte er heftigst zurück, die Aktion sei erforderlich gewesen. Zu punkten versucht McCain, indem er mit geballter Faust verspricht, er werde „Gier und Unverantwortlichkeit an der Wall Street bekämpfen“.

Wie genau, das lässt er offen. Senator McCain suche noch „die richtige Balance zwischen seiner Unterstützung Freier Märkte und den erforderlichen regulatorischen Veränderungen“ verkünstelt sich das Wirtschaftsblatt „The Wall Street Journal“, das sich schon wegen seines Namens wahrscheinlich in einen Topf mit gescheiterten und gierigen Bankern geworfen fühlt. Die wirtschaftspolitischen Pläne von Barack Obama, der aus Sicht des Journal vor allem „höhere Steuern für alle, die, wie er sagt, das meiste haben“ wolle, kommentiert das Blatt dagegen deutlich deftiger: „In Kürze: Wir werden Frankreich, nur mit einem höheren Steuersatz für Unternehmen“.

Der Fokus auf die Wirtschaft gibt Obama wieder frischen Aufwind. Durch den Rummel um McCains Vizepräsidenten-Kandidatin Sarah Palin war er im September in den meisten Umfragen teils deutlich hinter McCain zurück gefallen. Gallup sah Obama vor zwei Wochen noch mit 44 Prozent hinter McCain mit 48 Prozent. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts liegt dagegen der Senator aus Illinois wieder vier Prozentpunkte vor seinem Rivalen aus Arizona, Obama würden demnach 48 Prozent der Amerikaner wählen, McCain 44 Prozent.

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