Das Geschäft mit Lumpen: Wie mit unseren Altkleidern Profit gemacht wird

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Das Geschäft mit Lumpen: Wie mit unseren Altkleidern Profit gemacht wird

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Jeder kennt sie: Altkleider-Container. Was mit Ihrer alten Kleidung geschieht.

von Konrad Fischer und Florian Willershausen

Die einen wollen mit dem Sammeln von Gebrauchtem öffentliche Kassen füllen, andere am Weltfrieden arbeiten oder einer effizienten Entsorgung. Am Ende landen alle Klamotten auf demselben afrikanischen Basar. 300 Millionen Euro werden damit pro Jahr gemacht. Wer am Geschäft mit den Lumpen alles mitverdient.

Man kennt die Geschichten: In Afrika werden Rohstoffe abgebaut, nach Europa exportiert und hier veredelt. Arme Afrikaner, skrupellose Europäer. Diese aber geht genau andersherum. Silvano Nyakapala, Händler auf dem Markt von Daressalam, macht in Tansania einen Rohstoff grammweise zu Geld, für dessen Abbau es in Europa nur ein paar Hundert Euro pro Tonne gibt: Altkleider. Die Minen für diesen Rohstoff stehen zum Beispiel mitten in Berlin: Hafenplatz 5–7, zwischen Landwehrkanal und Potsdamer Platz.

Die einstige Mauerrandlage ist einer dieser vielen Orte in der Mitte der Hauptstadt, an denen sich wohlhabendes Publikum breitmacht. Oder, aus der Perspektive von Herrn Nyakapala gesehen: wo besonders wertvolle Rohstoffe abgebaut werden können. Doch am Hafenplatz ist eine Lücke geblieben. Zwischen den noblen Eigentumswohnungen hat sich ein stufenweise aufragender Wohnblock gehalten. Abblätternde Farbe, ein paar verrostete Schaukeln im Innenhof und Graffiti, so weit die Arme reichen. An gleich vier Seiten grenzt der Block an öffentliche Straßen – für Unternehmer wie Alaittin Nargül die perfekte Kombination.

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Neue Tonnen-Pflicht Das lukrative Geschäft mit der Öko-Tüte

Ab 2015 gibt es in Deutschland eine bundesweite Biotonnen-Pflicht. Damit das Sammelvolumen kräftig steigt, sollen kompostierbare Tüten helfen. Doch an neuen Biokunststoffbeuteln scheiden sich die Geister.

Lebensmittel liegen in einer Bio-Mülltonne die neben einer Plastikmülltonne steht. Quelle: dpa

Seine Firma Altkleidervertrieb Nargül hat an der südöstlichen Ecke des Blocks einen Container aufgestellt, genauso wie das Unternehmen Berlin-Textilrecycling. Weiter nördlich steht die Haytex GmbH, am südwestlichen Eck das Deutsche Rote Kreuz mit zwei Containern. Sie alle wollen das Gleiche: die Altkleider der Nachbarn aus den netten Eigentumswohnungen.

Einzigartiges Panoptikum

Die Berliner Traumlage für Kleidersammler ist ein ziemlich gewöhnliches Beispiel für eine Welle, die seit einigen Monaten über Deutschland schwappt. Wo gestern noch ein Vorgarten war, befindet sich heute schon ein Altkleidercontainer. Mal steht der Name eines Unternehmens drauf, mal der des städtischen Entsorgungsbetriebs, mal der einer Wohlfahrtsorganisation, manchmal gar kein Hinweis auf den Betreiber. Nur eines fehlt nie: der Verweis auf die gute Tat, die der Spender mit seiner Abgabe vollbringe.

Recycling-Gebühren Der Grüne Punkt wird teurer

Das Duale System Deutschland mit dem "Grünen Punkt" nimmt immer weniger ein. Viele Unternehmen nutzen das Siegel zwar, bezahlen es aber nicht. Deshalb soll Recycling teurer werden. Am Ende zahlt wohl der Kunde.

Viele Unternehmen drucken den "Grünen Punkt" auf ihre Produkte, ohne dafür zu zahlen. Quelle: dpa/dpaweb

Der Grund für die Verbreitung ist zunächst ein ziemlich simpler: der Preis. Laut dem Marktbericht des Branchendienstes der Entsorger „Euwid“ gibt es für eine Tonne Altkleider derzeit rund 400 Euro, auch wenn bereits vor einer bevorstehenden Abkühlung des Marktes gewarnt wird. Vor wenigen Jahren waren es 200 Euro, ein bisschen früher wurde man die Waren gar nicht kostendeckend los. Das erklärt den Boom auf oberflächliche Weise. Doch dahinter steckt eine komplexere Erzählung.

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