Davos 2012: Klimaschutz als Randaspekt

Davos 2012: Klimaschutz als Randaspekt

von Roland Tichy

Die Euro-Krise dominiert die Gespräche beim Weltwirtschaftsforum, der Klimaschutz verkommt zum Randaspekt. Dabei geht es nicht mehr um die große globale Weltlösung, sondern um das Verhindern des Schlimmsten.

Auch in Davos ist der Dauerlutscher Klimaschutz aus dem Fokus verschwunden – es ist das Jahr der Euro-Krise. Keines der ganz großen Panels befasst sich damit. Das Thema Klimaschutz ist trotzdem vorhanden – aber eher in den Randbereichen des Forums, kaum im zentralen Kongresszentrum. Der Klimawandel wird in randständigen Hotels verhandelt – eher eine Pflichtübung eines Publikums, das jedes Jahr auch eine neue Themensensation braucht.

Kein Monat ohne Naturkatastrophe

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Dabei sind die Zahlen, die Christina Figueres in die Diskussion einbringt erschreckend: “Im vergangenen Jahr hat es keinen einzigen Monat ohne Naturkatastrophen gegeben und 95 Prozent davon hängen mit dem Wetter zusammen”, so doziert die Chefin des UN-Klimasekretariats. Argumentative Unterstützung erhält sie von Sir Nicolaus Stern, der sich in dem nach ihm benannten Report mit den wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung auseinander setzte: Schon heute bewege sich die Temperatur-Erhöhung in einem Bereich, den es seit der Eiszeit nicht gegeben habe; Eine Erhöhung von drei Grad – wie sie Wissenschaftler nicht mehr für unmöglich halten – habe die Erde seit drei Millionen Jahren nicht gesehen.

Klimaschutz Die globale Ohnmacht

20 Jahre nach ihrem Beginn ist die weltweite Klimapolitik gescheitert. Dabei hat die Erderwärmung kaum noch übersehbare Folgen. Die zehn wichtigsten Fragen zum Klimagipfel in Durban.

Klimaschutz: Die globale Ohnmacht

So identifiziert denn der “Global Risk Report”, der im Vorfeld von Davos erstellt wurde, zunehmende Treibhausgasemissionen, verbunden mit gescheiterter Anpassung an den Klimawandel, als das Umweltrisiko schlechthin. Der Premierminister von Pakistan, Syed Yusuf Raza Gilani, hat aufgrund des Klimawandels schon heute mit massiven Verlusten zu kämpfen. So sollen im vergangenen Jahr die Regenfälle in seinem Land mehr Zerstörungen angerichtet haben als der Tsunami in Japan.

Der Premierminister von Kenia sieht das Horn von Afrika, zu dem sein Land zählt, gleich zwei Klima-Plagen ausgesetzt: zum einen extremer Trockenheit und zum anderen Sturzbächen von Regen, die Ernte und Vieh einfach wegspülen. Da sind die in Durban beschlossenen 100 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern für besonders betroffene Länder nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Privater Sektor soll es richten

Auf staatliche Abkommen oder Aktionen zu warten ist nach Meinung der Klima-Experten zu kurz gedacht. Ob Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Edna Molewa, Ministerin für Wasser und Umwelt-Angelegenheiten in Südafrika – sie alle, die am heutigen Donnerstag in Davos zum Thema Klimawandel diskutieren setzen auf die Kraft des privaten Sektors, neue Technologien und neue Finanzierungsformen für den Klimaschutz zu entwickeln.

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Allerdings sei das derzeit verwendete Wording unsexy und würde gar nicht die wahre Tragweite des Themas widerspiegeln. So seien vom Klimawandel so gut wie alle Bereiche des Lebens betroffen, von der Architektur bis zur Landwirtschaft. “Lass uns das ganze nicht länger “grünes Wachstum”, sondern „sicheres Wachstum” nennen, so lautet der Vorschlag eines Mit-Diskutanten. Nicht mehr die große globale Weltlösung steht im Vordergrund – es geht in vielen Fällen darum, sich vor Ort, auch auf der Ebene von Gemeinden und Städten an das Unveränderliche anzupassen.

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