Davos Diary 2009: Alte Predigt, wenig Ideen, Come-Back des Sozialstaats

Davos Diary 2009: Alte Predigt, wenig Ideen, Come-Back des Sozialstaats

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Die Finanzkrise ist mit voller Wucht angekommen. Die Frage nach Lösungen sorgt auf dem Weltwirtschaftsforum für Ratlosigkeit. WirtschaftWoche-Chefredakteur Roland Tichy hat in Davos genauer hingehört.

Nein, Davos ist ja nicht der Welterfindungsort. Hier können sich allerdings Politiker, Wirtschaftler, Wissenschaftler und Journalisten ungeheuerlich intensiv und in kürzester Zeit über die Problemlagen informieren.

Lösungen der Finanzkrise? Die Antworten sind hilflos. Klar, es gibt jetzt viele, die alles schon vorher wussten und es jetzt auch wunderbar erklären können, warum es so kommen musste wie es gekommen ist. Schade, dass sie mir das nicht schon vor zwei Jahren mit dieser Entschiedenheit eingetrichtert haben. Wer aus der Kirche kommt, kennt die Predigt.

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Aber außer Ratlosigkeit und noch weiterer Analyse, die jedoch die Zukunft meist noch trüber aussehen lässt, ist wenig zu hören.

Da gefällt mir schon der hochrangige Siemens-Manager, der gesteht, dass wenn er gar nicht mehr weiter wisse, dann steigt er hinab in einen Turbinenraum, da, wo die Maschinen leise zittern, 500 Tonnen Stahl von feinster Verarbeitung. Das ist was, sagt er zu mir, und: „Verstehen Sie Finanzkrise?“ Es ist die Hilflosigkeit der Ingenieure und Produzenten, die sich vom Finanzsystem reingelegt fühlen. Sie hoffen, wie mein Siemens-Mann, dass jetzt irgendwas von den Milliarden und Abermilliarden doch bei ihnen ankommt.

Bemerkenswerte Zahlen

Aber ob es reicht? Die bemerkenswerteste Zahl ist, dass die Kaufkraft der US-Bürger das Dreifache dessen ausmacht, was die Konsumenten in Indien und China ZUSAMMEN in die Waagschale des globalen Konsums werfen können. Die Amerikaner allerdings müssen sparen. Hält die Welt das aus? So schnell dreht sich das – erst waren sie schuldengeil, jetzt konsumieren sie zu wenig.

Die Deutschen vor Ort spielen heute eine besondere Rolle. Sie sind noch vergleichsweise optimistisch. Das ergab jedenfalls eine globale Studie über die Stimmung der Manager. Gerade die Deutschen, für ihren notorischen Pessimismus gefürchtet, verlacht von den sonst immer so aufgedreht optimistischen Amerikanern und den vorwärtsdrängenden Asiaten sind jetzt die letzten Optimisten.

Nur aus Selbsttäuschung, wie viele fürchten? In den USA sei die Krise jetzt voll angekommen, wie ein Zug, der aus voller Fahrt auf den Prellkopf knallt. Bis Deutschland hat der Zug noch etwas Strecke vor sich, aber er kommt, so die düstere Warnung.

Oder packt es Deutschland vielleicht doch etwas besser? Immerhin hat dieses Land eine Reihe von Systemen, die vielleicht den Aufschwung gebremst haben, aber auch den Abschwung abfedern. Schon spannend, dass plötzlich versucht wird, Kurzarbeit und soziale Marktwirtschaft  ins englische zu übersetzen und dass über die stabilisierende Wirkung von Rentenversicherung per Umlageverfahren, über die Vorteile kollektiver Krankenversicherung und anderer europäischer und insbesondere deutscher  Besonderheiten geredet wird.

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