Davos Diary 2009: Der Star des Tages heißt Angela Merkel

Davos Diary 2009: Der Star des Tages heißt Angela Merkel

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Es war eine kurze Rede, aber Angela Merkel hat es geschafft, der Lähmung in Davos einen Schub zu verpassen, schreibt WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy aus Davos. Mit ihrer Initiative zur Schaffung eines Weltwirtschaftsrates stellt sich Merkel an die Spitze einer globalen Bewegung zur Neuordnung der Wirtschaft.

Sie fordert die Schaffung eines Weltwirtschaftsrates nach dem Vorbild des Weltsicherheitsrats. Damit zieht Sie eine Parallele, die viele Menschen so empfinden: So wie die Verwüstung der Welt durch den Zweiten Weltkrieg nur durch globale Kooperation überwunden werden konnte, so gilt dies auch für wirtschaftliche Fragen.

Gleichzeitig fordert sie eine weltweite Charta für nachhaltiges Wirtschaften, analog zur Menschenrechtscharta. Auch hier beschreitet sie neue Wege mit den Instrumenten, die nach dem größten Desaster der Welt entwickelt wurden. Gleich im nächsten Satz greift Bundeskanzlerin Angela Merkel, in einem für sie ungewohnten Pathos, in die eigene Biographie, und leitet - Barack Obama lässt grüssen -  die Legitimation ab: Sie sei in der DDR geboren, und jetzt Bundeskanzlerin des wiedervereinten Deutschland. "Das zeigt: Nichts ist unmöglich".

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Aber das war nicht die einzige Sensation ihrer kurzen Rede. Statt des bisherigen Treffens von acht  Regierungschefs plädiert sie für ein Treffen der 20 wichtigsten Länder, also einschließlich China, Indien, Mexiko und Brasilien. Noch im Februar will sie die großen globalen Institutionen einladen, die Vorbereitung zu diesen Schritten aufzunehmen.

Merkel nennt dabei die soziale Marktwirtschaft als Beispiel für den weltweiten Umgang miteinander. Dies sei der dritte Weg zwischen Staatssozialismus und zerstörerischem Kapitalismus.

Damit greift sie eine rhetorische Formel auf, die weltweit Wirkung entfaltet hat, wenn auch unter anderem Vorzeichen: Der dritte Weg, das ist die Suche zwischen den großen ideologischen Blocken.

Merkel greift noch einmal die Banker massiv und direkt an

Freie Märkte sollen ihre Kraft und Dynamik entfalten, aber Kontrolle ihre Exzesse verhindern.

Und Merkel greift noch einmal die Banker massiv und direkt an. Sie hätten ihre dienende Funktion verlassen, betont und wiederholt sie. Die Banken müssten aber genau dahin wieder zurückkehren.Merkel erntete Applaus. Aber der wahre Beifall kam eher leise: "Great Speech", sagten viele Teilnehmer.

Denn in Davos ist in den vergangenen Tages vor allem eines klar geworden:  Analyse ist ja gut, jetzt aber geht es um klare Signale, die aber nicht von einzelnen Regierungen ausgehen können. Mit ihrer Initiative stellt sich Merkel an die Spitze einer globalen Bewegung zur Neuordnung der Wirtschaft.

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