Davos Diary 2009: Geld und Glück

Davos Diary 2009: Geld und Glück

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Am Rande des Weltwirtschaftsforums geht es auch mal um ganz zentrale Fragen: Was ist Glück und wie erreicht man es? Eine Spurensuche mit WirtschaftWoche-Chefredakteur Roland Tichy.

Macht Geld glücklich? Wahrscheinlich gibt es keinen schöneren Ort um darüber zu diskutieren als Davos – über Dir der blaue Himmel, um Dich die prickelnde Gesundsheitsluft und vor Dir ein Champagnerabend. Bei einem Abendessen (Lachs mit Spinat und Reis, also Luxus so lala) mit so bekannten Glücks-Forschern wie dem Princeton-Professor Daniel Kahnemann wurde wieder einmal diese angesichts für Politik und Volkswirtschaft so entscheidende Frage diskutiert.

Die Ergebnisse waren vielschichtig und lassen angesichts steigender Arbeitslosigkeit nichts Gutes erwarten. So beeinträchtigt beispielsweise Arbeitslosigkeit das Glücksempfinden ganz massiv – auch dann, wenn sie mit keinerlei Einkommensverlust verbunden ist. (Ein Zuhörer zitierte Forschungsergebnisse, wonach Arbeitslosigkeit einem in Geld ausgedrückten Verlust von 100.000 Dollar entspricht). Doch auch Jobbesitzer fühlen sich in einer Gesellschaft mit hoher Arbeitslosigkeit zunehmend unglücklich - wohl weil sie den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchten, und weil Glück ein Gruppenphänomen ist.

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Glücklich sind die Dänen

Zu den Ländern mit einem besonders niedrigen Level an positiven Emotionen zählen übrigens die ehemalige Sowjetunion (wegen des desolaten Zustands der wirtschaftlichen Lage) sowie die muslimischen Länder, vermutlich wegen der gesellschaftlichen Stagnation. Glücklich sind die  Dänen und Skandinavier; vermutlich wegen einer Kombination aus sozialer Absicherung und gesellschaftlicher Integration bei relativer Gleichmäßigkeit des Lebensstandards. Die Deutschen rangieren in Sachen Wohlbefinden im Mittelfeld, das hat die kürzlich erschienene Studie „National Accounts of Well-being“ der New Economics Foundation ergeben.

Wer gestresst ist, ist meist glücklich, denn das Bewältigen von Herausforderungen fördert positive Gefühle. Zu viel Stress, der in Depression mündet, ist hingegen in Sachen Glück kontraproduktiv. Was lässt sich angesichts widriger Umstände tun, um nicht selbst in dauerhaft negative Emotionen abzurutschen? „Den inneren Frieden nähren“, meint der buddhistische Mönch Matthieu Ricard, der seine Karriere in Frankreich aufgab, um sich fortan mit Fragen wie dem menschlichen Glück zu beschäftigen. Nach seiner Erfahrung kann „egoistisches Glück“ nicht funktionieren. Glück ist ein Zustand, der sich gegenseitig vermehrt.

An seinem Tisch plauderte Stewart Wallis, Executive Director der Londoner „New Economics Foundation“ noch ein wenig aus dem Nähkästchen. Nach aktuellen Forschungsergebnissen bestünde der größte Glücksfaktor für Schulkinder nicht in guten Noten, in guten Freunden oder einem funktionierenden Familienhintergrund. Das größte Glück sei durch gemeinsame Aktivitäten in einer Gruppe zu erreichen. Durch Musizieren im Orchester oder durch einen Mannschaftssport. Möglicherweise lassen sich diese Ergebnisse auch auf Erwachsene übertragen. Lasst uns viele Arbeitslosenorchester gründen.

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