Davos Diary 2009: Neue, alte Ideen gegen den Hunger – die Kartoffel auf dem Dach

Davos Diary 2009: Neue, alte Ideen gegen den Hunger – die Kartoffel auf dem Dach

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

In Davos diskutieren die Teilnehmer des World Economic Forum (WEF) die Bekämpfung des Hungers in der Welt - mit ganz konkreten Vorschlägen. WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy war dabei.

Ja, es gibt sie noch die großen Debatten, wie die Welt verbessert werden könnte – ganz konkret und jenseits der Finanzkrise und ihrer surrealen Zerstörungsmacht. Eine Milliarde Menschen hungert. Was sind dagegen schon die Leiden der Hedgefondsmanager?

Um es vorweg zu nehmen: Es braucht keine neue Erfindungen, sondern vor allem Zusammenarbeit, um den zunehmenden Hunger in der Welt in den Griff zu bekommen, so zog Josette Sheeran, Direktorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen das Fazit der hochkarätigen Diskussion. Bill Gates, der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, der thailändische Premier Abhisit Vejjajiva, Irene B. Rosenfeld sowie Michael Treschow, die Vorstände der mächtigen Lebensmittelkonzerne Kraft Foods und Unilever, waren für eine Stunde zusammen gekommen, um „frische Lösungen“ für die Ernährungssicherheit zu diskutieren.

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Schulung der Bauern ist entscheidend

Keine Rede war dabei von genetisch verändertem Saatgut, das an anderer Stelle gerne als Patentlösung für die zunehmende Nahrungsmittellücke gefeiert wird. Die Lösungen, die hier diskutiert wurden, sind scheinbar simpel, aber in der Realität so unendlich mühsam durchzuführen: Sie bestehen in besserer Logistik, um die Bauern besser mit dem benötigten Saatgut und den beispielsweise in Afrika noch zu wenig verwendeten Düngemittel zu versorgen. Sie bestehen im Abbau von Agrarsubventionen in Europa, um den Farmern in den Entwicklungsländern eine Chance einzuräumen, für ihre Produkte faire Preise zu bekommen.

Aber auch die Schulung von Bauern, um sie an die Qualitätsstandards der großen Nahrungsmittelkonzerne heranzuführen, spielt eine wichtige Rolle. Der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan berichtete von einem Mango-Farmer, der die eigene Produktion um das mehr als zehnfache ausweitete, indem er das von ihm verwendete Saatgut an rund 1000 Kleinbauern weitergab und sich um die Vermarktung der Ernte kümmerte. „Hilfe zur Selbsthilfe für die Bauern“ lautet auch für Unilever-Vorstand Michael Treschow die Formel, um den Hunger aus der Welt schaffen zu können. Und ansonsten will der die Dächer von Hausbauten begrünen und zur Nahrungsmittelproduktion nutzbar machen: Dann kommen die Kartoffeln vom Dach.

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