Davos Diary 2010: Afrika ernährt die Welt, zunächst aber seine Präsidenten

Davos Diary 2010: Afrika ernährt die Welt, zunächst aber seine Präsidenten

Bild vergrößern

WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Jakaya Kikwete ist der Präsident Tansanias, im Rest der Welt nicht so bekannt. Jetzt will er die Welt retten. Afrika, der Kontinent der Hungersnöte, der mit seinen hungerbäuchigen Kindern unser Bild von der weltweit wichtigsten und zugleich vernachlässigten Herausforderung prägt, soll künftig die Welt ernähren.

Jakaya Kikwete gibt sich optimistisch: „Wir haben genug Boden und genug Wasser, um ausreichend Nahrungsmittel zu erzeugen“, analysiert der Präsident Tansanias. “Was uns allerdings fehlt, ist Technologie.” Noch immer ist die Landwirtschaft Afrikas überwiegend von Handarbeit geprägt. Durch Mechanisierung, aber auch durch Schulung lasse sich in Sachen Produktivität eine Menge machen.

In Davos hat Kikwete mit der Welternährung schon mal angefangen. Er hat sich seinen eigenen Koch mitgebracht. Im Sheraton-Hotel Waldhuus hat dieser, ein richtiger voluminöser, schwarzer Leibkoch, die Küche besetzt, um für seinen Boss original tansanischen Reis nach Rezepten des Landes zu kochen, der Präsident gibt sich gerne global, aber isst nicht so.

Anzeige

(Einen hübschen Film will das ZDF dazu in den kommenden Tagen zeigen, auch wie die Bilder von Kirchner in der Suite Kikwetes durch dessen eigene Porträts ausgetauscht wurden.)

Aber auch wenn Präsidenten uralten Klischees von Potentaten entsprechen – das eigentliche Thema bleibt auf der Tagesordnung. Der Hunger in der Welt, auch wenn er wegen des Klimawandels vielfach vergessen wurde.

Diskussionsrunde in Davos: Quelle: dpa

Diskussionsrunde in Davos: Nguyen Tan Dung (v.l.), Patricia A. Wörtz, Daniels Midland, Jakaya Kikwete, Bill Gates , Ellen Kullman und Ngozi Okonjo-Iweala

Bild: dpa

Die Weltbevölkerung wird in den nächsten 40 Jahren um 50 Prozent zunehmen; wenn sie angemessen ernährt werden will, verdoppelt sich der Bedarf an Produkten der Landwirtschaft. Anders als Indien oder China kommt dann tatsächlich Afrika in den Blick.

Der Kontinent hat noch keine grüne Revolution hinter sich gebracht, keine modernen Methoden, kein Saatgut oder keine Logistik für den Transport der Lebensmittel vom Land in die Metropolen aufgebaut. Traktoren bearbeiten gerade ein Zehntel der Flächen – ansonsten herrscht Handarbeit vor, zumeist die von Frauen.

In die gleiche Richtung zielt die nigerianische Ex-Politikerin Ngozi Okonjo-Iweala, die heute als Managing Director der Weltbank aktiv ist. Für sie liegt der Schlüssel, den Hunger in Afrika zu beseitigen, in der Schulung von Frauen. “Die Frauen tragen oft die Last in der landwirtschaftlichen Produktion, werden aber nicht entsprechend geschult”, sagt sie. Die profitabelste Investition liege deshalb in deren Schulung. Microsoft-Gründer Bill Gates, der in seiner Funktion als Co-Chair der Bill & Melinda Gates Foundation an dem Panel mit dem Titel “Rethinking How to Feed the World” teilnimmt, setzt – kein Wunder – vor allem auf Technologie.

Der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut ist für ihn eine mögliche Option, um der sich in den kommenden 40 Jahren verdoppelnden Nahrungsmittelnachfrage zu begegnen. In dieser Hinsicht gibt sich Nguyen Tan Dung, der Premierminister von Vietnam, konservativ: “Wir brauchen in Vietnam kein gentechnisch verändertes Saatgut, um unsere Menschen zu ernähren.”

Durch verschiedene Maßnahmen ist es dem 85 Millionen Menschen zählenden Land gelungen, seine Produktivität in der Erzeugung von Lebensmitteln deutlich zu steigern. Dazu zählt beispielsweise eine Logisitik, die den ungehinderten Zugang zu Nahrungsmitteln eröffnet. Während die Verluste durch schlechte Lagerung in manchen Ländern rund 20 Prozent betragen, machen diese in Vietnam mittlerweile nur noch rund zehn Prozent aus. “Bei uns werden die Ratten fett und nicht die Menschen”, bestätigt bildhaft der indische Diskussionsleiter Prannoy Roy das Problem mangelhafter Lagerung.

Trotz aller Hindernisse sind alle sieben Diskutanten davon überzeugt, dass im Jahr 2050 die prognostizierten 9,2 Milliarden Menschen auf der Welt satt werden können. Doch diese Herausforderung lässt sich nicht mit einem Geniestreich meistern, sondern durch viele Verbesserungen, die an der gesamten Produktionskette ansetzen: vom optimierten Saatgut bis zur besseren Schulung. Die Welt zu ernähren ist mühsam.

Präsident Kikwete hat mit der Mechanisierung schon mal angefangen. Zu seinem Hotel hinzukommen ist schwierig. Eine lange Kolonne der schwarzen Präsidentenfahrzeuge blockiert die Zufahrt. Ob man BMWs auch zu Traktoren umbauen kann?

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%