Davos Diary 2010: Wasser: Ohne Preis nichts mehr in der Flasche

Davos Diary 2010: Wasser: Ohne Preis nichts mehr in der Flasche

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Nach dem Klimawandel ist Wasserknappheit das zweitgrößte Problem, mit dem sich die Weltgemeinschaft auseinander zu setzen hat. Mit dieser Botschaft tritt der Nestle-Manager Peter Brabeck-Letmathe seit Jahren in Davos auf. Und nicht nur da. Kritiker werfen ihm vor, nur die Wasserflaschen von Nestle im Sinn zu haben. Wasser dürfe keinen Preis haben, weil es ein Lebensmittel und Lebensrecht sei.

Doch Peter Brabeck-Letmathe rechnet anders. Trinkwasser hat einen geringen Anteil am gesamten Wasserverbrauch. 20 Liter braucht der Mensch zum Leben mindestens am Tag, das soll auch ohne Preis zur Verfügung stehen. Aber Wasser wird knapp, weil es andernorts verschwendet wird, solange es keinen Preis hat.

Bereits heute leben 700 Millionen Menschen in Ländern mit mangelhafter Wasserversorgung; bis zum Jahr 2050 werden es drei Milliarden Menschen sein.

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Warum das so ist, erklärt Nestle-Chef  Peter Brabeck-Letmathe so: “Wir geben dem Wasser keinen Wert”. Aus diesem Grund wird Wasser bei der Produktion anderer Güter oft nicht in Betracht gezogen, obwohl dessen verdeckter Verbrauch in vielen Fällen abenteuerlich ist. Beispiel Biodiesel: Um einen Liter davon zu erzeugen, braucht es nicht weniger als 9100 Liter Wasser. Gewaltige Mengen an sogenanntem virtuellen Wasser stecken auch in landwirtschaftlichen Produkten.

“Rund 7000 Liter verbraucht jeder Städter täglich durch die Lebensmittel, die er isst”, rechnet Ajit Gulabchand, Chef der indischen Hindustan Construction Company Ltd. vor. In Indien beispielsweise muss kein Bauer für das von ihm verbrauchte Wasser bezahlen, aus diesem Grund sinkt der Grundwasserspiegel in manchen indischen Gegenden derzeit dramatisch.

Viel versprechende Strategie

Den Fokus bei der Bekämpfung künftiger Wasserknappheit auf die Landwirtschaft zu lenken, ist deshalb auch eine viel versprechende Strategie. Schließlich fließt global mehr als 70 Prozent des Wasserverbrauchs in die Landwirtschaft. Buzelwa Sonjica, als Ministerin in Südafrika für Wasser und Umweltschutz zuständig, nimmt jedermann in die Pflicht, wasserbewusster zu leben.

“Wasser-Management ist das Geschäft von jedermann”, sagt sie. Und das, was jeder dazu beitragen kann, ist in den verschiedenen Ländern der Welt ganz unterschiedlich. “Es gibt keine globale Lösung”, ist Peter Brabeck-Lethmathe überzeugt. In einem “fact book on water isseus” hat er die derzeit verfügbaren Informationen über die Ressource Wasser jüngst zusammentragen lassen und gibt sich optimistisch: “Wir haben die Technologie, um die Versorgungslücke mit Wasser zu schließen”. Die fängt bei wassersparenden Duschköpfen an und reicht bis hin zum Stopfen von Löchern in den Versorgungsleitungen.

Was es aber auch dafür braucht, ist der politische Wille, die Wasserproblematik in Angriff zu nehmen. Eine Wasser-Ministerin wie in Südafrika ist bislang noch die große Ausnahme.

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